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SBB-Karten meist ausgebucht

Gemeinde-Tageskarten: Langenthal, Burgdorf und Grenchen bieten am meisten an. (Archiv)

SBB-Tageskarten

Gemeinde-Tageskarten: Langenthal, Burgdorf und Grenchen bieten am meisten an. (Archiv)

Die Gemeinde-Tageskarten für den öffentlichen Verkehr sind ein Renner. Sowohl die Zahl der Anbieter wie die Zahl der angebotenen Karten pro Gemeinde wachsen. Unter den Städten sind Langenthal, Burgdorf und Grenchen die Spitzenreiter. Solothurn ist nur Durchschnitt.

Franz Schaible

«Auf Anfang Mai 2010 werden wir die Zahl der von uns verkauften Gemeinde-Tageskarten auf vier verdoppeln», erklärt Hans-Peter Berger, Gemeindepräsident von Langendorf. Grund sei die sehr grosse Nachfrage. Die bislang zur Verfügung gestellten zwei Tageskarten seien zwischen 86 und 89 Prozent ausgelastet gewesen, sagt Berger. Zudem handle es sich um «eine sinnvolle Dienstleistung der Gemeinde» und trage auch zur Förderung des öffentlichen Verkehrs bei.

Vervierfachung in fünf Jahren

Damit steht Langendorf nicht alleine da, wie eine Umfrage unter Gemeinden im Oberaargau und in der Region Solothurn zeigt. In Oberdorf steht ab heute eine vierte Tageskarte zur Verfügung. Die Aufstockung hat der Gemeinderat im vergangenen August einstimmig beschlossen. Bannwil und Egerkingen führten die unpersönlichen SBB-Generalabonnemente auf Anfang Jahr ein.

Die grosse Beliebtheit der Billette zum günstigen Reisen mit dem öffentlichen Verkehr zeigen die Zahlen der an die Gemeinden verkauften Tageskarten deutlich: Nach Angaben der SBB wurden 2004 noch rund 1100 Kartenblöcke mit je 365 Tageskarten verkauft, aktuell sind über 4000 im Umlauf. In der Region bietet die Mehrheit der Gemeinden Tageskarten an.

Die meisten befragten Gemeinden bieten zwischen zwei und vier Karten zum Verkauf an. Die Preisspanne liegt zwischen 25 und 40 Franken, wobei oftmals zwischen Tarifen für Einheimische und Auswärtige unterschieden wird (siehe Box).

Kleine Gemeinden ohne Angebot

Sowohl beim Angebot wie beim Preis gibt es allerdings «Ausreisser». So können beispielsweise die Einwohner von Nennigkofen nicht vom Angebot profitieren. «Für eine Gemeinde mit 500 Einwohnerinnen und Einwohnern wäre damit ein zu grosser Aufwand verbunden», sagt Gemeindeschreiberin Madeleine Stuber. Der Verkauf der Karten sei nur sinnvoll, wenn die Abgabestelle, das heisst die Gemeindeverwaltung, täglich geöffnet sei. Und das sei in Nennigkofen nicht der Fall. Auch die kleine Gemeinde Hubersdorf bietet aus ähnlichen Gründen die Dienstleistung nicht an. «Wir verweisen an unsere Nachbargemeinde Günsberg», heisst es auf der Gemeindeverwaltung. Dort erfolgt der Verkauf von zwei Gemeinde-Tageskarten über die Brockenstube.

Langenthal und Burgdorf sind Spitze

Ganz anders agieren die Städte in der Region. So verkaufen Burgdorf und Langenthal je zehn Karten. «Wir sind mit acht Karten gestartet. Aufgrund der grossen Nachfrage und der hohen Auslastung von über 90 Prozent haben wir das Angebot auf zehn Einheiten erhöht», sagt Roman Schenk, Stadtschreiber von Burgdorf. Ist das nicht bloss ein PR-Gag für die Stadtverwaltung? «Nein», kontert Schenk: «Dahinter steckt zwar durchaus Öffentlichkeitsarbeit, aber es ist kein Gag. Vielmehr ist es eine echte Dienstleistung zugunsten der Bevölkerung.»

Auch Langenthals Stadtpräsident Thomas Rufener beobachtet, dass das Angebot in der Bevölkerung gut nachgefragt werde. Die Erhöhung auf zehn Karten sei erfolgt, weil die Karten vielfach immer ausgebucht waren. Zwar sei die Vermittlung und das Inkasso für die Karten mit Aufwand verbunden. Die strenge Bewirtschaftung des Angebotes ermögliche aber eine mehr oder weniger kostendeckende Abwicklung. Überdurchschnittlich viele Spezialbillette verkaufen mit sechs Karten auch die Stadt Grenchen sowie die Gemeinde Herzogenbuchsee mit acht Karten.

Da schneidet die Stadt Solothurn mit vier Tageskarten schlecht ab. Innerhalb der Verwaltung sei man von Beginn an skeptisch gewesen, erläutert Stadtschreiber Hansjörg Boll. Es stelle sich nämlich die Frage, ob eine Gemeinde «Marketing-Aufgaben für die SBB übernehmen soll». Die Skepsis ist berechtigt, betrachten die SBB doch die Tageskarte Gemeinde als «Schnupper-Abo» für den öffentlichen Verkehr. «Wir wollen Menschen, die ansonsten nicht viel Zug fahren, von den Vorzügen des öffentlichen Verkehrs überzeugen», heisst es auf Anfrage bei der SBB-Medienstelle.

Politisch mehrheitsfähig

In Solothurn sei die Initiative zur Anschaffung der Tageskarten schliesslich von der Politik, sprich Gemeinderat, ausgegangen, sagt Boll. Nach der testweisen Einführung von zwei Karten 2007 biete Solothurn seit vergangenem März vier Karten an. Die Tageskarte Gemeinde sei nicht nur politisch mehrheitsfähig, sondern entspreche offensichtlich einem Bedürfnis. Liege doch die Auslastung bei hohen 92 Prozent. Deshalb sei nicht ausgeschlossen, dass eine weitere Erhöhung der Kartenanzahl nochmals diskutiert werde, stellt Boll in Aussicht.

Bei den Preisen fällt eine Gemeinde aus dem Rahmen. Die Einwohnerinnen und Einwohner von Feldbrunnen können nämlich die zwei zur Verfügung stehenden Tageskarten kostenlos beziehen. Auswärtige dagegen sind nicht bezugsberechtigt.

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