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SBB: Bald mehr Lohn für Chefs und weniger fürs Putzpersonal?

Die SBB will ihr Lohnsystem umbauen. Wer mehr leistet, soll mehr Lohn bekommen. «Damit sich gute Leistung noch mehr lohnt», sagt Personalchef Markus Jordi. Die SBB wolle damit die unteren Löhne senken und die Chefgehälter erhöhen, sagen Gewerkschaften.

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SBB-Angestellter reinigt Zug

SBB-Angestellter reinigt Zug

Keystone

Die SBB und die Gewerkschaften wollen den Gesamtarbeitsvertrag (GAV) nicht wie ursprünglich vorgesehen neu verhandeln. Die Verhandlungen sollen um ein halbes Jahr nach hinten verschoben werden.

Mit Ausnahme von einem Punkt, nämlich der Löhne. Diesen Punkt wolle man weiterentwickeln, was aus unternehmerischen Gründen «zwingend» sei. Das sagt Jordi Im Interview in der aktuellen Ausgabe der «SBB-Zeitung».
Wer mehr leistet, soll mehr bekommen

Konkret heisst das: «Unser Ziel ist, künftig Leistung und Honorierung enger miteinander zu verknüpfen, damit sich gute Leistung noch mehr lohnt.» Das neue Lohnsystem namens Toco will Jordi nicht als Abbauübung verstanden wissen - vielmehr soll es «nachvollziehbarer und fairer» sein als das alte.

Das heutige Lohnsystem bezeichnet der SBB-Personalchef als «grundlegend veraltet». Die Löhne würden unabhängig von Markt und Branche festgelegt. «Deshalb sind diese in einigen Bereichen im Vergleich zum Markt, aber auch im internen Vergleich zu hoch.» In anderen Bereichen seien sie tendenziell zu tief.

In welchen Bereichen die Löhne zu hoch und in welchen sie zu tief sind, wollte die SBB am Freitag auf Anfrage der SDA nicht präzisieren. Sprecher Reto Kormann verwies auf die laufenden Gespräche mit den Sozialpartnern und stellte weitere Informationen «zum gegebenen Zeitpunkt» in Aussicht.

SEV: nicht beim Putzpersonal sparen

Die Eisenbahnergewerkschaft SEV wird da deutlicher. Für die SBB seien die Löhne am unteren Ende der Skala zu hoch und jene am oberen Ende zu tief seien, erklärt SEV-Sprecher Pedro Moor gegenüber a-z.ch. «Wir sind dagegen, die Löhne des Reinigungspersonals unter dem Vorwand zu senken, sie seien höher als in der Privatwirtschaft.»

Es gibt laut Moor gute Gründe, weshalb das Reinigungspersonal der SBB mehr verdient: Die Anforderungen sind höher, die Vorschriften strenger. Die Putzleute könnten nicht einfach so über die Weichen wischen, sagt Moor. Ihre Arbeit könne daher nicht mit jener von Billigreinigungsfirmen verglichen werden. «Es ist nicht einfach Putzen, was sie tun.» Die Erfahrung von Spitäler zeigten: Eigenes Putzpersonal sei teurer, die Resultate aber deutlich besser.
«Nicht noch zusätzlich Unsicherheit schaffen»

Das Aushandeln eines neuen GAV hat laut Markus Jordi auch deswegen keine Priorität, weil die «reich befrachtete Agenda» in diesem Jahr weniger Raum für Verhandlungen lasse als angenommen. Die SBB akzeptieren daher den Verschiebungsantrag der Gewerkschaft.

Das wichtigste personalpolitische Geschäft - neben der Neupositionierung von SBB Cargo und anderem - sei die Sanierung der Pensionskasse, bei der es um einen Bundesbeitrag von 1,148 Mrd. Franken gehe. «Dem Ziel, dass der Bund seiner Verpflichtung nachkommt, ist alles andere unterzuordnen», sagte Jordi.

«Wir wollen nicht noch zusätzliche Unsicherheit bei den Angestellten schüren», erklärt Pedro Moor vom Schweizerischen Eisenbahnerverband SEV den Marschhalt.