Littering

Saufen und den Dreck liegen lassen

So türmt sich jeweils der Abfall beim Joner Inseli nach einem schönen Frühlingsabend

01_abfall_fhe.jpg

So türmt sich jeweils der Abfall beim Joner Inseli nach einem schönen Frühlingsabend

Die Reuss bei Jonen wird als Naherholungsraum rege genutzt. Besonders Jugendliche verbringen ihre freien Abende gerne draussen. Ihre Spuren sind aber leider am Folgetag oftmals deutlich zu sehen.

Sebastian Hagenbuch

Es ist Samstagabend. Da es das Wetter wieder einmal gut gemeint hat, zieht es ein paar Kollegen an die Reuss. Bräteln, diskutieren, Musik hören und zwei, drei Bierchen trinken möchten sie dort, wo der Jonenbach in die Reuss mündet. Auch ein Joint liegt drin, man ist ja schliesslich ungestört. Und stört selbst auch niemanden. Zumindest nicht während des Abends.

Leute gehen, Abfall bleibt

Gleicher Ort, nächster Morgen. Der Badeplatz ist von Abfall übersät, sogar Scherben liegen am Reussufer. Der Erholungsraum rund ums kühle Nass sorgt für erhitzte Gemüter. Für Mars Stauffer, leiter des Riverwatch-Projekts des WWF Aargau, ist die Situation unbefriedigend. «Wir haben Tafeln aufgestellt, worauf die Leute aufgefordert werden, ihren Abfall wieder mitzunehmen. Offenbar denkt jeder nur an sich», ist Stauffer frustriert.

Bis anhin hat jeweils der Abwart der Gemeinde Jonen die Spuren vom Wochenende beseitigt. Damit soll jetzt Schluss sein, der Abfall wird jetzt in Absprache mit der Gemeinde Jonen eine Weile liegen gelassen. «Die Jugendlichen kommen immer wieder hierher. Wenn sie ihrem eigenen Dreck wieder begegnen, stören sie sich vielleicht selbst daran und nehmen ihn in Zukunft mit», meint Stauffer. Vorderhand wurde auch die Regionalpolizei gebeten, stichprobenweise Kontrollen am Badeplatz durchzuführen.

Jürg Rüttimann, Gemeinderat von Jonen, wohnt am Zufahrtsweg zum besagten Badeplatz. Er hat diverse Gespräche mit Jugendlichen geführt und dabei festgestellt, dass sich diese ebenfalls am Abfall stören. Ist es also nur eine kleine Minderheit, welche nach dem Fest nicht aufräumt? «Ich vermute, dass vor allem Leute, die nicht aus der Region stammen, den Müll liegen lassen», meint Rüttimann.

Muss die Gemeinde bezahlen?

Beim Badeplatz in Jonen gibt es keine fixen Abfalleimer mehr. «Diese müssten schon sehr robust sein, sonst werden Sie mit Inhalt in die Reuss geworfen», hat Rüttimann die Erfahrung gemacht. Im Sommer stelle die Gemeinde aber üblicherweise zwei Container für die Abfälle der Erholungsuchenden zur Verfügung. Die Kosten dafür musste bisher immer die Gemeinde übernehmen. Gottfried Hallwyler vom Werkhof in Rottenschwil erklärt, dass sich der Kanton offiziell um die Badeplätze in Rottenschwil, Werd oder Ottenbach kümmere. «Dort stellen wir Abfalleimer zur Verfügung und sind um eine regelmässige Entsorgung bemüht», so Hallwyler. Dieses Angebot möchte man nicht auf Jonen ausweiten. Der Grund: «Abfalleimer ziehen zusätzlichen Abfall an. Schmarotzer entsorgen auf diese Weise ihren Hauskehricht gratis.»

Muss die Gemeinde also in den sauren Apfel beissen und die Entsorgungskosten selbst übernehmen? Seitens des Departementes Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau beruft man sich auf das Gesetz. Dort ist festgehalten, dass die Gemeinden verpflichtet sind, auf ihrem Gebiet liegende Bäche von Unrat zu reinigen. Die Reuss sehen die Joner natürlich nicht als Bach, sondern als Fluss an. Die Gesetzesregelung weist einen Graubereich auf. Aktuell ist eine Revision des Baugesetzes im Gange. Wenn das neue Gesetz in Kraft treten wird, wird möglicherweise auch eine Praxisänderung in Bezug auf die Übernahme der Kosten für die Abfallentsorgung entlang von Gewässern eingeführt. Konkretes kann man dazu derzeit aber nicht sagen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1