Baden
Sauerei nach Badener Botéllon

200 Jugendliche feierten am letzten Samstag und hinterliessen viel Dreck. Den Steuerzahler kann dies bis zu 3000 Franken kosten.

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Abfall

Abfall

Aargauer Zeitung

Maja Sommerhalder

Gebückt steht der Abwart gestern Nachmittag auf der Wendeltreppe vor dem Hauptgebäude der Berufsfachschule BBB am Martinsberg. Stufe für Stufe wird gereinigt. Die klebrige Masse muss weg. Seit dem Sonntagmorgen füllt er die vielen Zigarettenstummel, Scherben, Bierflaschen, Papierfetzen und Essensresten in grosse Abfallsäcke. Zudem muss er auf dem Schulhausplatz den Urin an den Wänden und den Alkohol an den Böden, Mauern und Treppen entfernen. Repariert werden müssen auch die beschädigten Abschrankungen.

«Abfall hat mich gestört»

Hier hat am letzten Samstag der Bär getanzt, wie Stefan Ulrich (43) erzählt: «Ich kam um halb zwölf Uhr von einem Konzert im Nordportal. Da hörte ich die gute Musik, die von der Berufsfachschule herkam.» Der Bewohner des Martinsberg-Quartiers stieg die Treppe hinauf und sah etwa 200 Jugendliche, die auf dem Platz und unter dem Vordach feierten. «Sie waren vielleicht zwischen 15 und 20 Jahre alt.» Diese hatten eine Musikanlage installiert und die Lampen beim Eingang abgedeckt. «Die Stimmung war gelöst und friedlich. Es wurde aber viel Bier getrunken.» Ein Jugendlicher kam auf Ulrich zu; er hatte Angst, dass er von der Polizei sein könnte. «Er war sehr freundlich und erzählte mir, dass sie die illegale Party über die Internetplattform Facebook organisiert hätten.» War es ein Botéllon - also ein öffentliches Massenbesäufnis? «Der Jugendliche sagte, dass das so etwas in der Art wäre und bezeichnete die Veranstaltung als Atzenparty. Er konnte mir aber nicht sagen, was das ist», so Ulrich. Etwa zehn Minuten schaute Ulrich dem Treiben zu: «Ich habe wirklich nichts gegen Partys. Der Abfall, den sie hinterlassen haben, hat mich aber gestört.»

Ein anderer Anwohner gab der Polizei schliesslich den Tipp. Die Stadtpolizei kam um halb drei, bald darauf wurde die Party aufgelöst. «Obwohl viel Alkohol floss, verhielten sich die Jugendlichen anständig und kooperativ. Sie sagten, dass sie einen Geburtstag feiern», so Max Romann von der Stadtpolizei Baden. Trotz Kooperation: Die Veranstalter müssen mit einer Busse wegen Littering auf öffentlichem Grund rechnen.

Partyveranstalter zeigten Reue

Anzeige will auch Rudolf Siegrist, Direktor der Berufsfachschule BBB, erstatten: «Unglaublich, diese Moorerei. Die Reinigung kostet zwischen 2000 und 3000 Franken.» Haben die Berufsschüler gefeiert? «Nach ersten Erkenntnissen waren unsere Schüler nicht daran beteiligt.» Siegrist hofft, dass die Partyveranstalter für die Reinigung aufkommen: «Sonst muss der Steuerzahler die Kosten übernehmen.» Bereits im Sommer 2008 wurde auf dem BBB-Areal eine derartige Party veranstaltet. «Eine solche Sauerei möchten wir nicht ein drittes Mal haben.» Will er etwas dagegen unternehmen? «Ich appelliere an den Anstand. Man kann uns doch fragen, wenn man eine Party machen will.»

Immerhin: Die Partyveranstalter vom letzten Samstag zeigten Reue und entschuldigten sich bei Siegrist: «Sie sagten mir, dass sie eine kleine Geburtstagparty mit 20 Leuten feiern wollten. Das Ganze wäre ihnen aus dem Ruder gelaufen.» Siegrist schüttelt den Kopf: «Man schreibt doch eine Party für 20 Personen nicht über Facebook aus.» Er hofft nun, dass die Veranstalter die Internetplattform nutzen, um Geld bei den Partygästen zu sammeln: «Wenn jeder Gast zehn Franken zahlen würde, wären die Reinigungskosten gedeckt.»