Baselland
Sauerbrut zerstört Bienenvölker

Die bisher im Kanton Baselland kaum bekannte Krankheit Sauerbrut wird immer mehr zum Problem. Im laufenden Jahr gibt es bereits fünf Fälle.

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Imkerei

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Birgit Günter

Varroa-Milbe, Faulbrut - und jetzt auch noch die Sauerbrut: Die Imker kämpfen an immer neuen Fronten mit Bienenkrankheiten. Die neueste ist nun die Sauerbrut: Vor zwei Jahren gab es einen Fall, im letzten Jahr waren es acht, und im laufenden sind es bereits deren fünf - je einer in Reinach und Rickenbach und drei in Diegten, berichtet Anna Jaggi, stellvertretende Kantonstierärztin.

Wenn die Brut sauer riecht

«Die Sauerbrut ist eine ansteckende Seuche, deren Bekämpfung gesetzlich geregelt ist», erklärt Anna Jaggi, stellvertretende Kantonstierärztin. Die Krankheit erkennt man an der Brut: Die Maden verfärben sich und sterben vor der Verdeckelung ab. Die Brut riecht dabei sauer, «wie Fussschweiss oder Käse», sagt Jaggi. Wer die Krankheit bei seinen Bienen entdeckt, meldet dies dem Bieneninspektor, der eine Probe ans Labor schickt. Handelt es sich um Sauerbrut, müssen die Völker im Bienenstand innert zehn Tagen vernichtet sein. (big)

Das Besorgniserregende: Die Krankheit scheint ansteckender als bisher angenommen. Im Baselbiet war die Krankheit jahrzehntelang nicht vorgekommen - ist sie aber einmal da und wird sie zuwenig konsequent bekämpft, kann sie rasch zu einem Riesenproblem werden. «Im Oberwallis sind 80 Prozent der Bienen befallen», erzählt Marcel Strub, der Präsident des Bienenzüchterverbands beider Basel.

«Es bricht einem fast das Herz»

Umso wichtiger sei rasches Handeln. Wird bei einem Volk Sauerbrut festgestellt (siehe Infobox), müssen alle Bienen im Stand vergast und verbrannt werden. Anschliessend wird der ganze Stand desinfiziert. Für die oft älteren Imker bedeutet der Befall eines Volkes mit dem Bakterium meist das Ende der Imkerei. Denn ein Bienenhaus zu sanieren, ist ein finanzieller und zeitlicher Aufwand, der ziemlich an die Nieren geht.

Noch schlimmer sei aber der emotionale Aspekt. «Alle seine Bienen töten zu müssen - das bricht jedem Imker fast das Herz», sagt Strub. Traurige Geschichten erleben auch die regionalen Bieneninspektoren: «Während ich ihre kranken Bienen töten musste, ist die Besitzerin in der Nähe auf einer Treppe gesessen und hat haltlos geweint», erzählt Christian Hochstrasser, Bieneninspektor für den Bezirk Waldenburg. «Das ist eine extrem traurige Arbeit», kommentiert Strub, «aber es ist das sinnvollste Vorgehen.»

Zu lange habe man versucht, die Sauerbrut mit anderen Mitteln zu bekämpfen - jedoch vergeblich. Um die Ausbreitung zu stoppen, hat der Bund im Januar die Tierseuchenverordnung verschärft: Per sofort müssen nicht nur betroffene Bienenstände gesperrt und saniert werden, sondern es wird auch eine Sperrzone von rund einem Kilometer festgelegt. «Die männlichen Bienen bleiben ihrem Stock nicht treu, sondern ziehen herum», erklärt Hochstrasser.

Strub fordert die Imker auf, möglichst keine Bienenvölker oder Gerätschaften von ausserhalb des Kantons zu kaufen. «Mit Zukäufen hat man die Krankheit ziemlich sicher in die Region geholt», sagt er.