Sabine Kuster

«Sicher nicht!», sagt der Direktor des Regionalspitals Leuggern, Alfred Zimmermann. Die Reinigung seines Spitals würde er nie in fremde Hände geben. Im Kantonsspital Baden hingegen putzt seit Jahren ein Reinigungsinstitut. «Wir fahren so finanziell besser und sind mit der Qualität zufrieden», sagt Marco Bellafiore vom Kantonsspital Baden.

Putzen lassen oder selbst reinigen? - an dieser Frage scheiden sich in den Aargauer Spitälern die Geister: In Leuggern, Menziken und Aarau (KSA) putzt man mit eigenem Personal. Die Spitäler in Muri, Zofingen und Baden (KSB) haben den Auftrag an eine Putzfirma ausgelagert. Eine Zwitterform hat das Gesundheitszentrum Fricktal (Spitäler Rheinfelden und Laufenburg) gewählt.

«Billig ist verantwortungslos»

Putzen ist ein hart umkämpftes Geschäft. Die Reinigungsfirmen buhlen mit Billigst-Offerten um die Aufträge. Wenn sie ihren Angestellten 17.10 Franken brutto als Stundenlohn bezahlen (knapp 2900 Franken im Monat) tun sie nichts Unrechtes: So tief ist der Mindestlohn gemäss Gesamtarbeitsvertrag für Spitalreiniger 2009.

Mindestens einen Franken mehr (18.10) und bis 27 Franken in der Stunde bezahlt immerhin die Reinigungsfirma Enzler, welche für das Kantonsspital Baden putzt. Geschäftsführer Christian Utzinger findet: «Es ist sehr bedenklich, dem billigsten Unternehmen den Auftrag zu geben, denn wir reden hier von Hygiene in einem Spital. Wenn die Qualität nicht stimmt, leidet das Ansehen der ganzen Branche.»

Kantonsspital zahlt mehr Lohn

Tatsächlich scheint sich die Geschäftsstrategie der Putzunternehmen, mit möglichst wenig Personal noch billiger und noch schneller zu putzen, in Bezug auf Spitäler nicht auszuzahlen: Das Kantonsspital Aarau putzt seit Anfang Jahr wieder alle seine Häuser selbst, nachdem dort das grosse Haus 1 fast 20 Jahre lang von einer externen Firma geputzt worden war. Wie die Nachrichtensendung 10vor10 berichtete, verdient das spitaleigene Putzpersonal sogar mit dem niedrigsten Lohn im Vergleich zum Mindestlohn im Monat 600 Franken mehr. Umgerechtet auf den Stundenlohn sind das also mindestens 20.65 Franken.

Auch im Spital Leuggern kriegt das Putzpersonal deutlich mehr als der Gesamtarbeitsvertrag vorschreibt: 20 bis 30 Franken Stundenlohn. «Mehr als der Mindestlohn», lautet auch die Antwort von Claudine Tesan, Leiterin Personal des Gesundheitszentrums Fricktal.

«Selbst putzen nicht teurer»

Trotz der höheren Löhne gehe die Rechnung auf, heisst es in Aarau und Leuggern: «Wir sind genau so wirtschaftlich», sagt Zimmermann. Und Karl Röthlisberger, Leiter Reinigung am KSA sagt: «Ich bin ganz sicher, dass es nicht teurer ist, wenn wir es selbst tun». Der höhere Lohn könne auch kompensiert werden, weil langjähriges und gut ausgebildetes Personal effizienter sei. Ausserdem würden Synergien mit den anderen Häusern genutzt, die schon vorher durchs KSA selbst greinigt wurden.

Entscheidend aber ist laut Zimmermann die Qualität: «Wir sind mit eigenem Personal flexibler und spontaner. Ausserdem identifizieren sich die Leute mit dem Spital, wenn sie dazugehören. Dadurch sind sie loyaler.»

Dumping-Offerten

In einem Spital ist es mit Bodenwischen nicht getan, die Anforderungen sind komplex. «Wir streben eine hohe Qualitat an und die bringen wir am bestem mit unseren eigenen Leuten», sagt Röhtlisberger. «Für uns lautete die Frage: Selber machen oder nicht?» Denn das KSA sei ein prestigeträchtiger Kunde, und deswegen würden, wenn man den Auftrag neu ausschreibe, sicher Offerten mit tiefen Preisen eingehen. «Bei solchen Preisen sinkt im Alltag irgendwann die Qualität», sagt Röthlisberger. «Denn man kann nicht mehr erwarten, als man bereit ist zu bezahlen.»

«Genau so ist es», bestätigt Christian Utzinger von der Firma Enzler. Doch er behauptet: Zu einem angemessenen Preis könne auch eine externe Firma die Qualität halten.