Demonstration

Saubannerzug: Stärkere Polizeipräsenz gefordert

Aufräumen: Der Saubannerzug durch Zürichs Strassen hat zu hohem Sachschaden geführt - die Gebäudeversicherung zahlt nicht. (mre)

Von «neuem Phänomen» überrascht

Aufräumen: Der Saubannerzug durch Zürichs Strassen hat zu hohem Sachschaden geführt - die Gebäudeversicherung zahlt nicht. (mre)

Linksautonome, Fussballfans und alkoholisierte Partygänger haben in Zürich ihrer Zerstörungswut freien Lauf gelassen. Die Gebäudeversicherung deckt die hohen Schäden nicht ab. Teuer käme eine Bereitschaftstruppe der Polizei. Für eine Einsatztruppe rund um die Uhr bräuchte die Stadt Zürich 200 bis 300 zusätzliche Polizisten.

Oliver Steimann

Der Saubannerzug durch Zürichs Strassen, der in der Nacht auf Sonntag zu hohen Sachschäden geführt hat, sorgt weiterhin für Verwirrung. Zahlreiche Teilnehmer, die sich auf dem Carparkplatz am Sihlquai besammelt hatten, waren dem Aufruf zu einer friedlichen «Strassenparty» gefolgt. Die Street Parade im Kleinformat verwandelte sich aber rasch in einen Zug gewalttätiger Chaoten.

«Es kam zu einem Zusammenschluss von Personen des Schwarzen Blocks mit Fussballfans und Partyvolk», bilanziert Reto Casanova, Sprecher des Stadtzürcher Polizeidepartements. So entstand die bizarre Situation, dass der eine Teil des Umzugs durch die Strassen tanzte, während andere Fassaden versprayten und Scheiben demolierten.

Mehr Polizei – mehr Geld

Dass es zu keinen Verhaftungen gekommen ist, findet Casanova nicht überraschend. «Festnahmen allein nützen wenig, wenn man einzelne Personen nicht eindeutig mit Straftaten in Verbindung bringen kann.» Mit dem kleinen Personalaufgebot habe man das Optimum erreicht. Casanova spricht von einem «neuen Phänomen», mit dem man es zu tun habe. Man werde die Ereignisse nun analysieren.

Dass bereits aus nahezu allen politischen Lagern eine stärkere Polizeipräsenz an Wochenenden verlangt wird, kommt für ihn nicht überraschend. «Konsequenterweise bräuchten wir dann aber eine 50-köpfige Einsatztruppe, die in fünf Schichten rund um die Uhr verfügbar wäre.» Dafür würden 200 bis 300 neue Polizisten benötigt. «Ein derart teures Projekt müsste jedoch durch das Stadtparlament oder gar durch das Volk beschlossen werden.»

Nur bei Vandalenversicherungen

Nicht nur die Polizei, auch zahlreiche Geschäftsinhaber und Hausbesitzer wurden von der Gewalttätigkeit des Umzugs überrascht. Da die Täter nicht gestellt wurden, werden viele selbst für die Schäden aufkommen müssen. Denn die kantonale Gebäudeversicherung zahlt in solchen Fällen keinen Rappen, wie Bereichsleiter Walter Herzig bestätigt: «Wenn kein Feuer- oder Elementarschaden vorliegt, sind wir aus dem Spiel.» Um geschützt zu sein, müssten Liegenschaftenbesitzer eine «Vandalenversicherung» bei einem privaten Anbieter abschliessen.

Eine Zusatzversicherung «gegen innere Unruhen und böswillige Beschädigungen» bieten beispielsweise die AXA Winterthur und die Zurich an. Gemäss AXA-Winterthur-Sprecher Pascal Hollenstein kommt diese bei grösseren Verwüstungen, wie sie am Samstag angerichtet wurden, zum Zug. Auch Autos könne man gegen solche Schäden versichern. «Allerdings kommen wir nur für Schäden von unvorhersehbaren Ereignissen auf», so Hollenstein. Wer seinen BMW am 1. Mai an der Langstrasse parkiere, könne keinen Versicherungsschutz in Anspruch nehmen.

Hart getroffen wurde am Wochenende das Tamedia-Glasgebäude an der Werdstrasse. Laut Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer wurden etliche grossflächige Spezialgläser zerstört. «Die zu ersetzen, wird teuer.» Man rechne mit Gesamtkosten von rund 250000 Franken. Immerhin: Das Haus gehört einer Schwestergesellschaft der AXA Winterthur und ist gut versichert.

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