Saubannerzug
Saubannerzug: «Auch im Aargau sind Probleme vorprogrammiert»

Was in der Nacht auf Sonntag in Zürich passiert ist, ist der Schrecken eines jeden Polizisten. In Unterzahl mussten die Zürcher Polizisten gegen einen Saubannerzug von hunderten von Chaoten vorgehen. Der Mangel an Einsatzkräften hätte auch im Aargau zu Problemen geführt, sagt Rudolf Woodtli, Sprecher der Aargauer Kantonspolizei.

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Rudolf Woodtli

Rudolf Woodtli

Aargauer Zeitung

«Probleme wären auch bei uns vorprogrammiert», sagt Rudolf Woodtli auf Anfrage von a-z.ch. Laut ihm wäre es unmöglich, genügend Polizisten aufzubieten, falls auch im Aargau einmal ein dermassen grosser Demonstrationszug unangekündigt und unbewilligt durch die Gassen ziehen würde. Das sei aber sicherlich überall in der Schweiz ein Problem, nicht nur in Zürich und im Aargau. «Bei solch einem grossen Aufmarsch wird jedes Polizeikorps auf dem falschen Fuss erwischt», sagt er.
Nicht nur die fehlenden Polizisten, sondern vor allem die Entwicklung der Gesellschaft gibt Woodtli zu denken: «Das ist doch verrückt, was am Wochenende in Zürich passiert ist und wozu die Leute fähig sind.» Das schlimmste an dieser Unterzahl sei, dass dann die eigenen Leute darunter leiden müssten und auch verletzt werden könnten. Deshalb sollte laut Woodtli auch bei der Gesellschaft angesetzt werden, dass solche Dinge gar nicht mehr passieren. «Mehr Polizisten würden vom Parlament aufgrund der hohen Kosten so oder so nicht bewilligt, deshalb sollte man präventiv wirken», meint er.
Parlament berät Polizei-Verstärkung
Ob die Politik nach diesem Vorfall für mehr Polizei sorgt, ist ungewiss. Auf nationaler Ebene wird schon seit längerem über eine Verstärkung der Polizeikorps diskutiert. Das Problem nur: Die Polizeihoheit liegt bei den Kantonen. Die Behandlung eines Vorstosses von CVP-Nationalrätin Viola Amherd (VS), in dem sie 3000 zusätzliche Polizisten für die Schweiz forderte, wurde immer wieder vertagt und schliesslich vergangenes Frühjahr abgeschrieben.

Anders ergeht es nun aber einem fast gleich lautenden Vorstoss von Pius Segmüller (CVP/LU). Der Vorstoss wurde letzten Sommer vom Nationalrat überwiesen und wird in der kommenden Frühlingssession im Ständerat behandelt. «Der Bund soll die Kantone motivieren, mehr Polizisten einzustellen», fordert Segmüller. Sein Vorschlag: Der Bund soll die Ausbildung einer gewissen Anzahl Polizisten finanzieren. (dge/kas)