Gundi Klemm

«Das hat uns schon aus den Socken gejagt», bekräftigten ernüchterte Ratsmitglieder angesichts der deutlich teureren, aktuellen Offerte. Im Rahmen der Etappierung des gesamten Sanierungsvorhabens Schulanlagen Oberdorf lag eine Kostenplanung vom März 2006 von 1,97 Mio. Franken vor. Fritz Keller, früherer Gemeindepräsident und jetzt Präsident der Spezialkommission Sanierung Turnhalle, zeigte auf, wo die Gründe für den Kostenschub von 21,42 Prozent liegen. Die Bauteuerung, die sich am Zürcher Bauindex orientiert, habe sich von 110 vor drei Jahren auf jetzt 122 Punkte entwickelt. Zudem erfordere das neue Energiegesetz wesentlich mehr Aufwendungen in der Wärmedämmung. Der dritte Faktor zur Kostenentwicklung liege beim seinerzeitigen gemeinderätlichen Beschluss, bei Sanierungsarbeiten Erdbebensicherheit zu erreichen.

Bei nochmaliger Aussprache rückte der Rat von diesem Entscheid, der zu Mehrkosten von 60 000 Franken führt, nicht ab. Ratsmitglied Ueli Kölliker (SP) dazu: «Wenn irgendetwas an unseren öffentlichen Gebäuden passiert, tragen wir die Verantwortung.» Ausserdem stehe der Gesamtaufwand in einem vertretbaren Verhältnis zum Gesamtpreis. Die Sanierung der Turnhalle, dem dazugehörigen Wohnhaus und der Einstellhalle beträgt gemäss neuer Zusammenstellung 2,39 Mio. Franken.

Mit Solartechnik ausrüsten

Nicht eingerechnet sind dabei solartechnische Anlagen für Warmwasser, Schwimmbad und Heizungsunterstützung, die nochmals rund 170 000 Franken erfordern würden. Obwohl diese Investition «kaufmännisch gerechnet» nur einen geringen finanziellen Spareffekt erbringe, entspreche eine solche Umrüstung einem «Gebot der Zeit», befand Keller. Die Umwelt würde nämlich mit 10,1 Tonnen CO2 weniger belastet, und bezüglich Energie könnte auf 60 000 Kilowattstunden verzichtet werden. Um den Platz sinnvoll für einen Speicher von vier Kubikmetern zu nutzen, sollten die im Keller vorhandenen, viel zu grossen Öltanks durch zwei wartungsfreie 2000 Liter-Kunststofftanks ersetzt werden. Der Rat diskutierte zahlreiche Positionen des Kostenvoranschlags auf ihre Notwendigkeit. Beispielsweise die von der Lehrerschaft gewünschten, aber als höchst unterhaltsintensiv bekannten Storen an den Turnhallenfenstern. Mit entsprechender Glastechnik zur Sonnenlichtfilterung könnte darauf verzichtet werden, befand der Rat. Begrüsst wurden die von jetzt 10 auf 18 Plätze vermehrten Duschanlagen, die in zwei getrennten Räumen untergebracht werden. Sorgen bereitete dem Rat allerdings die Höhe des Architektenhonorars, das sich gemäss SIA-Ansatz auf 466 500 Franken beziffert.

Finanzielle Tragbarkeit?

Auch wenn der Gesamtbetrag mit Beiträgen aus dem Klimarappen und möglicher kantonaler Subvention auf netto rund 2,5 Mio. Franken zusammengestutzt werden könnte, debattierte der Rat über die mittelfristige finanzielle Tragbarkeit dieses Vorhabens für die Gemeinde. Eine nochmalige Etappierung der Arbeiten bringe nur höhere Kosten. Durch den Verkauf einer Liegenschaft stünde indes ein Viertel des nötigen Kapitals zur Verfügung, wie Finanzverwalter Fredy Schmitter ergänzte. Die restlichen Gelder müssten durch Fremdfinanzierung beschafft werden. Allerdings: «Die Zinssituation ist günstig wie nie, und zudem handeln wir antizyklisch.»

Kurzzeitig geriet nochmals die Schwimmhalle in den Fokus der Betrachtung. Auch da war man sich einig, dass eine Umnutzung überhaupt nichts brächte, weil das nur mit erneuten Baukosten zu bewerkstelligen wäre. Kölliker rief mit der Feststellung «Wir sollten daran festhalten» die positive Einstellung der Bevölkerung und die nicht zu unterschätzende Errungenschaft für die Volksgesundheit in Erinnerung.

Das gesamte Projekt wird an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung am 26. Oktober vorgestellt. Danach erst würde die Urnenabstimmung folgen.