Wetterkapriolen

Sand liegt in der Luft: Ruiniert der Sahara-Staub meinen Auto-Lack?

Eine spezielle Wetterlage hat wieder Saharastaub nach Europa verfrachtet. In Paris und London gab es deswegen Smog-Alarm. Für Menschen ist der Afrika-Staub ungefährlich - solange keine Krankheiten mittransportiert werden. Und fürs Auto?

Fahrverbot in Paris: Für einmal sind es nicht streikende Verkehrspolizisten, Tankstellen oder der Smog. Staub aus der Sahara hat die Sicht eingetrübt und für einen ockerfarbenen Abendhimmel gesorgt.

Woher kommt der Staub?

Der Staub, der in Europa ankommt, stammt aus den Wüsten Nordafrikas. Dort wird der Staub durch Sandstürme aufgewirbelt. Leichtere Staubpartikel, die nicht gleich wieder zur Erde zurück fallen, werden dann in höhere Luftschichten getragen. Weil diese Stürme oft ohne Regen stattfinden, wird der völlig trockene Staub leicht aufgenommen und auch nicht wieder ausgewaschen.

Der Staub «reist» zwischen 2000 und 3000 Kilometer in den höheren Luftschichten mit. Weltweit werden laut Schätzungen des Deutschen Wetterdienstes 1,2 Milliarden Tonnen Staub pro Jahr in der Sahara aufgewirbelt. Der Staub gilt als wichtiger Dünger für die Vegetation, weil er mineralreich ist.

Die Partikel haben eine Grösse zwischen 0,1 und 10 Mikrometern und gelten in der Regel als nicht gesundheitsgefährdend. Ausnahmen gibt es allerdings - für Meningitis-Epidemien gilt der Staub als mit verantwortlich, weil auch Krankheitskeime mit transportiert werden.

Welche Wetterlagen spielen eine Rolle?

Zwischen fünf und 15 Mal pro Jahr stellt sich eine Wetterlage ein, die Saharastaub nach Europa transportiert. Dann gibt es über Nordafrika heftige, trockene Stürme und ein Tiefdruckgebiet über Spanien, welches auf seiner Vorderseite die empor gewirbelten Staubmassen rasch Richtung Nordosten lenkt.

Allerdings ist nicht jede trübe Wolke auf den Staub zurück zu führen. Atmosphärenphysiker untersuchen deshalb Luftfilter - und erst wenn sich dort Mineralien wie Kalzium und Magnesium in ausreichender Konzentration finden, ist der Staub eindeutig aus der Sahara.

Günstige Wetterlagen können sich das ganze Jahr einstellen. So gab es beispielsweise im Februar 2004 eine Staubwolke, welche die Schweiz von Südwesten her kommend überquert hatte. Die Folge des mit fünf Tagen ausserordentlich lange anhaltenden Wetterphänomens waren ockerfarbener Schnee in den Alpen und trübe Sonnenauf- und Untergänge. Die Staubschicht reichte bis in eine Höhe von 4 Kilometern.

Schadet der Staub dem Auto?

Vor allem Autofahrer machen sich Sorgen, ob der gelbe Staub Schaden am Lack anrichtet.

Tatsächlich kann der Sand den Lack ruinieren - allerdings nur, wenn der Fahrer vorschnell zum Lappen greift und den Sand abwischt. Die winzigen Körner wirken dann wie Schmirgelpapier und ruinieren den Lack. Fachleute empfehlen, den Sand zuerst mit viel Wasser abzuspülen. Dafür genügt ein Gartenschlauch. Erst dann sollten Fahrer zum Lappen greifen.

Das gleiche gilt auch für Fahrer, die gleich eine Waschanlage ansteuern: Zuerst den Staub entfernen, dann einfahren. Die rotierenden Bürsten richten sonst ebenfalls Schäden am Lack an.

Gibt es weitere mögliche Schäden?

Filteranlagen können durch den Staub rascher voll werden. Auch in den Lufteinlassfiltern bei Klimaanlagen bleibt Staub hängen. Filter müssen früher ausgetauscht werden - denn wenn sie voll sind, erhöht das den Energieverbrauch und senkt die Wirksamkeit.

Und wie kommt der Staub zu Boden?

Saharastaub schafft es oft nur bis Mitteleuropa. Je weiter die staubhaltigen Wolken nach Norden verfrachtet werden, desto grösser ist die Chance, dass der warme Südwestluftschwall durch ein Regengebiet vom Atlantik gestoppt wird. Es ist dann nur eine Frage von Stunden, bis die Niederschläge den Staub ausgewaschen haben und wieder für ganz klare Luft sorgen.

Allerdings verschwindet der Staub ja nicht - der klebt dafür auf Autos und an Fenstern.

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