Salz

Salzvorkommen reicht noch für Jahrhunderte

Seit hundert Jahren fördern die Rheinsalinen Salz; für die Strassen, für die Industrie und fürs Frühstücks-Ei. Der Vorrat unter der Erde reicht noch lange. Doch was geschieht mit den Löchern, wo einmal Salz war?

Sabine Kuster

Riburg heisst die Aargauer Saline im Fricktal. Unter ihr befindet sich eine 80 Meter dicke Salzschicht, die sich 150 Meter unter Wallbach, Rheinfelden und Zeiningen über rund 25 km² erstreckt. Das Trias-Meer hat unter dem Jura vom Rhein bis Neuenburg vor 200 Millionen Jahren Salz hinterlassen. Steinsalzschichten gibt es vielerorts in Europa; ein Salzgürtel zieht sich unterirdisch beispielsweise von Nizza bis Hamburg.

Obwohl in den beiden Rheinsalinen Riburg und Schweizerhalle jährlich 500000 Tonnen Salz abgebaut werden – ein Volumen, welches dem Bundeshaus entspricht – geht der Vorrat noch lange nicht zu Ende.

Unterirdische Aquarien

Durch den Abbau ähnelt der Untergrund südlich von Möhlin entlang der Autobahn nach Rheinfelden einem Emmentalerkäse: Im Abstand von 120 Metern befinden sich Bohrlöcher, in denen Salz aus dem Boden gewaschen wird. Dabei entstehen 40 Meter hohe und 80 Meter breite Höhlen. Pro Kaverne werden 200000 Tonnen Salz gewonnen. Ist eine ausgelaugt, so wird sie zur Stabilisierung mit Salzwasser gefüllt und mit Stickstoff abgedichtet, sodass das Salzwasser nicht die oberen Erdschichten auflösen kann.

Auf dem Bohrfeld wird die Sole in einem Tank gesammelt. Dann wird sie enthärtet; Kalzium- und Magnesiumsalze werden herausgelöst. Im Verdampfer wird die Sole gekocht, bis das Salz kristallisiert. Von den Verdampfern wird der nasse Salzbrei auf die Zentrifugen geleitet. Die Masse wird geschleudert, das Wasser trennt sich vom Salz.

Nur ein kleiner Teil Speisesalz

Je nach Strenge des Winters wird bis zur Hälfte des abgebauten Salzes der Rheinsalinen zum Auftauen von Schnee und Eis verwendet. Nur knapp 50 Tonnen werden mit strengen Hygienevorschriften verarbeitet und als Speisesalz verkauft. Der Rest wird von der Industrie und ein kleiner Teil von der Landwirtschaft verwendet.

Mehr Strassen – mehr Salz

Riburg ist seit 1848 in Betrieb. Als die Rheinsalinen 1909 gegründet wurden, seien jährlich nur 52000 Tonnen Salz abgebaut worden, sagt Armin Roos, Sprecher der Rheinsalinen. Erst Mitte des letzten Jahrhunderts begann man mit dem Salzen der Strassen. Bis Anfang der 80er-Jahre sei das Salz unzimperlich auf die Strassen geschaufelt worden, erinnert sich Fridolin Vögeli, Leiter Strassenunterhalt des Kantons Aargau. Danach reduzierte eine Welle des Umweltbewusstseins in der Bevölkerung den Salzverbrauch für einige Jahre. Gleichzeitig waren auch die Winter milde. Seither nahm der Verbrauch – zusammen mit dem wachsenden Strassennetz – wieder zu: Im harten Winter 86/87 verkauften die Rheinsalinen 125000 Tonnen Auftausalz, im Lawinenwinter 98/99 waren es 225000, 05/06 300000 und letztes Jahr 325000 Tonnen. Dazwischen folgten milde Winter, in denen 100000 Tonnen Salz gestreut wurden. Zum Vergleich: Der Mensch braucht jährlich 2 Kilogramm Salz.

Meistgesehen

Artboard 1