Krähen

Saatkrähen haben sich im Kreuzackerpark häuslich eingerichtet

Unter lautem Gezeter bauen die Saatkrähen auch dieses Jahr im Kreuzackerpark ihre Nester. Anwohner, Barbetreiberinnen und Werkhofmitarbeiter reagieren gelassener als auch schon.

Krähen in Solothurn

Unter lautem Gezeter bauen die Saatkrähen auch dieses Jahr im Kreuzackerpark ihre Nester. Anwohner, Barbetreiberinnen und Werkhofmitarbeiter reagieren gelassener als auch schon.

Pünktlich zum Frühlingsanfang sind auch sie wieder da und mit ihnen einiges Zeter und Mordio. Die Rede ist von den Saatkrähen, die in den Platanen im Solothurner Kreuzackerpark ihr Quartier aufschlagen. Die Menschen drumherum nehmen das zusehends gelassener.

Von Christian Fluri

«Wir machen nichts mehr. Das bringt sowieso nur Ärger», sagt Peter Jeker, stellvertretender Chef des städtischen Werkhofs zum diesjährigen Vorgehen in Sachen Saatkrähen. Zu verdenken ist es den Männern in Orange nicht. Wir erinnern uns: Vor zwei Jahren hatte der Werkhof noch im März mit dem Entfernen der Nester versucht, die Kolonie beim Nisten zu stören - vergeblich. Dafür wurden die kreischenden Vögel vom Gezeter einiger Vogelfreunde förmlich übertönt. Man glaubte, nach der Aktion Eierschalen auf dem Boden gefunden zu haben.

Beim Werkhof hat man die Akte «Saatkrähen» offensichtlich in eine der unteren Schubladen gelegt. Die Nester würden zwar beim Schneiden der Platanen im August auch dieses Jahr wieder heruntergenommen, so Jeker. Bis dahin lässt der Werkhof aber die Tiere, ihre Nester und auch die Platanen in Ruhe. Das abschliessende Urteil Jekers erinnert etwas an die Kinderscharen in Ferienhotels: «Die einen wollen sie unbedingt da und die anderen unbedingt weg haben.»

Auf Augenhöhe mit den Krähen

Die Solothurnerinnen und Solothurner scheinen sich derweil mit den schwarzen Rabenvögeln allmählich abgefunden zu haben. «Ich habe den Eindruck, dass die Tiere heuer eher leiser sind als auch schon», sagt Olivia Arici. Sie wohnt im sechsten Stock gleich am Kreuzackerpark - also quasi auf Augenhöhe mit den Krähen. Arici glaubt auch, weniger Nester gezählt zu haben als in den vergangenen Jahren. Ein Novum für die Krähennachbarin ist allerdings folgende Begebenheit: «Die haben mir einen ‹Ghüdersack› aufgerissen und auf dem Balkon eine riesige Schweinerei hinterlassen», erzählt sie schmunzelnd.

Nahrungsangebot immer besser

A propos Abfallsack: «Die Saatkrähen sind sehr anpassungsfähig und sind Opportunisten, wenn es um Nahrung geht», erklärt Mark Struch, Wildbiologe beim Amt für Wald, Jagd und Fischerei. Die Populationen seien in den vergangenen Jahren gesamtschweizerisch gewachsen. «Dies liegt vor allem an einem besseren Nahrungsangebot für die Vögel», so Struch.

Mehr Nahrung also: Wenn oben mehr rein geht, muss unten auch mehr raus. «Dass an den Autos Verunreinigungen auftreten können, steht sogar in unseren Mietverträgen», sagt Markus Kauer, der für die Stadt die knapp 60 Parkplätze unter den Bäumen vermietet. Auf den 1. Mai seien alle Plätze wieder belegt. Der aggressive Vogelkot ist offensichtlich kein Hindernis für die Mieter. «Der Preis für einen Parkplatz ist mit 100 Franken angemessen. Angepasst haben wir die Preise wegen der Vögel noch nie», weiss Kauer.

Die Raben ziehen sich zurück

Zu einer Koexistenz mit den Raben gezwungen ist die «Hafebar». Stéfanie Probst, die heuer den beliebten Treffpunkt an der Aare führt, sind die Tiere und deren Geschäfte zwar ein gewisser Störfaktor, «doch wir kommen aneinander vorbei», sagt sie. Bis jetzt habe sie noch kein Nest direkt über dem Standort der Bar entdeckt. «Die Tiere mögen den Lärm der Bar nämlich auch nicht und ziehen sich jedes Jahr etwas weiter vom Ufer zurück», freut sich Probst.

Und die gefiederten Parkbewohner sorgen bei Probsts Gästen auch immer wieder für Gesprächsstoff. «Manchmal bilden sich richtige ‹Krähentische›. Da wird diskutiert und über die Vögel gesprochen», lacht sie. Die Tiere haben übrigens noch bis kurz nach Ostern Ruhe. Dann kommt der «Hafebar»-Container an seinen Platz und die Vorarbeiten für die Saison beginnen. Am 1. Mai um 16 Uhr wird dann Eröffnung gefeiert - Saatkrähen hin oder her.

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