N4
Rückblick auf den Kampf um die N4

Aktivisten gab es lange Zeit nur auf der Seite der Autobahngegner. Oskar Schmid aus Hedingen übernahm diese Rolle während Jahren bei den Autobahnbefürwortern.

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Oskar Schmid

Oskar Schmid

Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern

Hedingen - Affoltern - Mettmenstetten plötzlich Langsamverkehr: Auffallend viele Traktoren und Pferdegespanne sorgten dafür, dass der immer stärker werdende Berufsverkehr vollständig ins Stocken geriet. Einer, der sich damals geradezu diebisch freute und natürlich auf einem dieser Gespanne Platz nahm: Oskar Schmid aus Hedingen, besser bekannt als «Zelgli-Oskar». «Oski war damals unser Macher. Im Verein ‹Ja zu N4› fassten wir einen Beschluss - und unser Oski führte aus», erinnert sich der damalige Vereinspräsident Hans Jucker.

Insbesondere vor dieser Kleeblatt-Abstimmung geriet Oskar Schmid in Wallung: Wenn immer möglich klebte er Abstimmungsplakate - nicht nur im Säuliamt, sondern in weiten Teilen der Schweiz. «Als Chauffeur hatte ich immer Plakate in der Führerkabine», sagt Oskar Schmid, der sogar auf Schlaf verzichtete. In Schwyz klebte er um 3 Uhr in der Früh Werbung «Nein zur den Kleeblattinitiativen» ans Schwyzer Rathaus. «Das Gebäude war damals eingerüstet. So konnte ich ungehindert hochsteigen», erinnert er sich. Nun, die Plakate klebten auch Tage später noch - und sie verfehlten die Wirkung nicht: Auch Schwyz lehnte die Kleeblattinitiativen deutlich ab und sagte damit Ja zur Fertigstellung der Autobahnteilstücke.

«Diese Glünggi-Cheibe habe ich mit dem Auto verfolgt»

Oskar Schmid hat sich nicht nur als Plakatkleber betätigt, er hat die Werbemittel der Autobahnbefürworter in seiner Scheune gelagert. Und er hat im Vorfeld der Abstimmung viel Geld gesammelt. «Ein paar tausend Franken», fügt er bei. Er war bei dieser polarisierenden Autobahnfrage einer, der kein Blatt vor den Mund nahm und auch mal Gegner attackierte. Daran wird sich auch der ehemalige Ämtler Kantonsrat und Nationalrat Hans Steiger, der heute im Tösstal lebt, erinnern: Als Steiger die Generalversammlung des Vereins «Ja zur N4» besuchen wollte, erfuhr er auch ein bisschen körperlichen Widerstand vom «Zelgli-Oskar».

Im Stile eines Polizisten stellte Schmid auch jene, die einen Teil der N4-Ja-Ballone mit Gewehrschüssen zum Platzen brachte. «Diese ‹Glünggi-Cheibe› habe ich mit dem Auto verfolgt und ihnen alle Schande gesagt - darunter einem Rechtsanwalt.» Oskar Schmid, der militante Autobahnbefürworter, der glühende SVP-Anhänger, der in Hedingen auch schon mit anderen Flugblattaktionen für Furore gesorgt hatte.

Umso grösser seine Freude, als am Sonntag, 1. April 1990, in den frühen Mittagstunden das Resultat bekannt wurde: Das Nein zu den Kleeblatt-Initiativen - ein Ja zur Fertigstellung von drei Autobahnteilstücken. «Richtig Freude» habe er damals empfunden - auch dass den Gegnern «eins ans Bein gegeben wurde». «Die dürften eigentlich gar nicht auf der Autobahn fahren», scherzt Oskar Schmid und lässt die Faust auf den Tisch sausen, auch weil er sich ärgert, dass Bundesrat Moritz Leuenberger, der helvetische Verkehrsminister, die Autobahn A4 am 13. November 2009 in Affoltern am Albis offiziell dem Verkehr übergibt. «Herrgottschtärnefeufi, ausgerechnet ein Autobahngegner...»

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