Muriel Mercier

Die weltweit älteste Elefantendame Ruaha starb in der Nacht auf den 30. Juli auf der Elefantenanlage im Basler Zolli. Inmitten ihrer Herde. Zwar war sie mit ihren 59 Jahren eine Greisin - ihr Tod kam also nicht überraschend.

Dennoch ist es für die Zolli-Verantwortlichen traurig, dass sie nicht mehr da ist. «Mit ihr ist eine grosse Persönlichkeit gestorben», sagt Stefan Hoby, Kurator der jetzt noch fünfköpfigen Elefantenherde. Die Elefantenkuh hat denn auch ein grosses Kapitel Zolli-Geschichte geschrieben: Im Jahr 1952 kam die ungefähr einjährige Ruaha mit dem Schiff aus Tansania nach Basel.

Elefantenfreunde erwiesen ihr letzte Ehre
In ihren jungen Jahren war sie scheu, entwickelte sich aber zur unangefochtenen Chefin der heutigen Truppe.
Am Todesmorgen entdeckten die Tierpfleger die übrigen Elefanten dabei, wie sie um ihre ehemalige Anführerin herumstanden. Die Tiere berührten Ruaha sanft mit ihren Rüsseln.

Einerseits wollten sie sie zum Aufstehen bewegen, später nahmen sie auf diese Weise Abschied von ihr. «Malayka war ihre beste Freundin. Sie hat lange über ihren Rücken gestreichelt», beschreibt Hoby die ersten Stunden nach Ruahas Tod. «Erst Stunden später haben die Elefanten akzeptiert, dass Ruaha tot ist, und haben sich ums Futter gekümmert.»

Elefantenkuh Ruaha hatte durchbrochene Rückenlinie
Aber nicht nur Maya (16), Rosy (15), Heri (34), Malayka (39) und Yoga (14), der einzige Bulle in der Herde, trauern um die Elefantenkuh. Auch für Hoby ist der Verlust schmerzhaft. «Als Kurator gehe ich jeden Tag bei den Elefanten vorbei, um zu sehen, wie sie sich fühlen.» Der Kontakt zu den Tieren sei sehr nahe. «Ruaha war einfach zu erkennen, weil man ihr das Alter angesehen hat.

Sie ist steif gelaufen, hatte eine durchgebrochene Rückenlinie, und der Körper war von Falten übersät.»
Nachdem er von Ruahas Tod erfahren habe, hätten sich seine Gedanken um die Frage gedreht, ob sie habe leiden müssen, sagt Hoby, der auch einer der beiden Zolli-Tierärzte ist.

Heute geht der Elefantenkurator davon aus, dass sie keinen grossen Todeskampf erleiden musste. Denn: Sie habe nur eine Schürfung am linken Ellbogengelenk gehabt. «Ruaha wurde mit zunehmendem Alter sehr ‹wetterfühlig›.» Bei starken Temperaturschwankungen und Wetterwechseln habe sie Koliken bekommen. «In dieser Nacht hat es sehr stark geregnet.»

Möglicherweise sei dies der Auslöser gewesen, dass sie später an einem akuten Kreislaufversagen gestorben sei. So zumindest lautet die Diagnose, die die Pathologen bisher gestellt haben. Abgeschlossen sind die medizinischen Untersuchungen allerdings noch nicht.

Obwohl Hoby jeden Tag auf der Elefantenanlage seine Runden dreht, begegnete ihm sein ältester Schützling immer zurückhaltend. «Sie war mir als ihrem Tierarzt gegenüber misstrauisch.» Bei der ersten Behandlung gegen ihre Bauchschmerzen habe sie sich gegen die Spritze nicht gewehrt, weil sie nicht wusste, was auf sie zukommt. «Jedes Mal, wenn ich später wieder vorbeigekommen bin, ist sie abgehauen.»

Normalität unter den anderen Elefanten ist in den zehn Tagen nach dem Tod der afrikanischen Elefantendame noch nicht eingekehrt. «Obwohl sich bereits eine neue Hierarchie unter den Tieren gebildet hat, sind sie noch verunsichert. Sie sind zurzeit anhänglicher gegenüber den Tierpflegern.»

Dass Ruaha mit ihren 59 Jahren an Altersgebrechen gestorben ist, macht Hoby den Abschied ein bisschen leichter. Schlimmer sei es - wie bei den Menschen auch -, wenn ein Tier zu jung sterbe. «So kann ich es akzeptieren.» Zwar ist der 34-Jährige erst seit drei Monaten Kurator der grauen Dickhäuter aus Afrika, aber er weiss, wie stark der Tod eines Tieres deren Pfleger belasten kann, wenn diese über Jahre hinweg für sie verantwortlich gewesen seien. «Die Pfleger verbringen ja jeden Tag mit den Tieren.»

An «seinen» Elefanten mag Hoby vorab deren Zusammengehörigkeitsgefühl und Emotionalität. «Sie sind riesig und haben aber ein solch feines Gespür. Andererseits können sie auch explosiv sein. Ich bin gerne bei den Elefanten. Sie strahlen Ruhe aus.»