Circus Royal
«Royal»-Chef: «In einer Monarchie braucht es eine Respektgrenze»

Er ist der Zirkuskönig: Mit ein paar Tropfen königlich-kaiserlichem Blut in den Adern ist Oliver Skreinig Herrscher der Manege. Der jüngste der Schweiz obendrein. Ein Portrait zum Auftakt der diesjährigen Sommerserie.

Rosmarie Mehlin
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«Kämpfen trotz aller Steine, die uns immer wieder in den Weg gelegt werden»: «Royal»-Chef Oliver Skreinig.MATHIAS MARX

«Kämpfen trotz aller Steine, die uns immer wieder in den Weg gelegt werden»: «Royal»-Chef Oliver Skreinig.MATHIAS MARX

Sein Reich ist mobil und kennt keine Landesgrenzen: Mit seinem Hofstaat und Volk zog er jüngst von Affoltern nach Zug und weiter nach Zürich, lässt sich vorübergehend auch mal in Liechtenstein oder in Österreich nieder, gesteht, dass er dies am allerliebsten in Basel tue. Er selbst trägt keine Krone, aber er verschenkt Hunderte solche an alle kleinen Besucher seines kleinen Königreichs. Die Kronen sind zwar nur aus Karton, aber sie sind beschriftet mit dem magischen Wort: Royal – königlich! Genau betrachtet steht da heuer «50 Jahre Circus Royal».

Es war Oliver Skreinig nicht in die Wiege gelegt, dass er dereinst Regent sein würde. 1979 in Klagenfurt am Wörthersee als Sohn einer Aarauerin und eines Österreichers geboren, fliessen in seinen Adern aber immerhin ein paar Tropfen echtes kaiserlich-königliches Blut. Schon in der Kindheit habe es ihn magisch zum Zirkus hingezogen, «obwohl ich familiär absolut nicht vorbelastet war».

AZ

Nach der Schule lernte er Einzelhandels-Kaufmann. Als er ein Jahr vor dem Abschluss Bekannte seiner Familie besuchte, die im Circus Royal eine gemischte Raubtiernummer präsentierten, war das der erste Schritt zur Thronbesteigung. «Es war 1996 in Heerbrugg, und ich wollte gar nicht mehr nach Hause.» Peter Gasser, der Enkel von Helene Gasser-Stey, die 1963 den Circus Royal gegründet hatte, nahm Oliver unter seine Fittiche. «Meiner Mutter zuliebe habe ich zwar meine Lehre unter grossem Aufwand – Hin- und Herfliegen zwischen Zirkus und Berufsschule in Klagenfurt – abgeschlossen. Aber meine Heimat waren fortan Manege, Chapiteau und Wohnwagen.»

Ein Reich der Tiere

Direktor Peter Gasser der Göttibueb des legendären «Conelli»-Mitbegründers Conny Gasser – und er wurden ein Paar. Zusammen lenken sie als alleinige Eigentümer seit 1999 die Geschicke des Circus Royal. «Und seit zwei Jahren gehören uns auch die Namensrechte des Österreichischen Nationalzirkus.» Während sein Lebenspartner nie das Rampenlicht suchte, inzwischen ausschliesslich im Hintergrund aktiv ist und das Direktorium Skreinig übergeben hat, steht Oliver mit Begeisterung im Sägemehl.

In schnittiger, üppig mit Gold betresster Livree heisst er das Publikum willkommen, hat in früheren Jahren in einer Clown-Nummer als Partner von Gaston und Peters Bruder Frithjof Gasser mitgemacht, führte und führt immer wieder verschiedene Tiernummern vor – von einer weissen Tigerin bis zu Watussi-Rindern. «Der ‹Royal› ist ein starker Verfechter eines Zirkus mit Tieren. Dafür kämpfen wir trotz aller Steine, die uns immer wieder in den Weg gelegt werden. Denn es ist mir ein grosses Anliegen, den Kindern die Faszination, die Tiere in der Manege ausüben, zu vermitteln und ihnen die Angst zu nehmen.»

Und wie führt der 34-Jährige sein royales Reich mit 100 zweibeinigen Untergebenen, dazu Pferden, Rindern, Lamas, Kamelen, Affen und weiteren Vierbeinern? «In meiner ‹Monarchie› braucht es eine strenge Führung. Manchmal liegen zwischen dem Ende einer Vorstellung und dem Beginn der nächsten in einer anderen Stadt nur gerade 24 Stunden.»

Engen Kontakt habe er nur mit seinem «Hofstaat» – Betriebsleiter, Hauptkassierin, Marketingchef, Tourneeleiterin. «Sie sorgen dafür, dass alles klappt. Mir ist zwar sehr wohl bewusst, dass ohne ‹Volk› – von dem ich nicht jeden namentlich kenne – nichts gehen würde. Ein Zirkus ist zwar ein mittelständisches Unternehmen, aber eben auch vergleichbar mit einer Monarchie und da braucht es gewisse Respektgrenzen», spricht Zirkuskönig Skreinig und fügt mit spürbarem Stolz hinzu, dass er der jüngste Zirkusdirektor der Schweiz sei.