Rote Köpfe und knapper Atem

Der erst im Frühjahr gegründete Höckelerverein Graben führte erstmals ein Strohballen-Wettladen durch. 54 Ballen galt es in möglichst kurzer Zeit auf einem Wagen ordentlich zu stapeln.

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Solothurner Zeitung

Ernst Glur

In jungen Jahren schworen wir uns, später einmal nicht wie die Alten ständig von früheren und besseren Zeiten zu erzählen. Wohl eingedenk dieses Versprechens, vernahm man weit und breit keinen negativen Kommentar, als eines Tages eine Generation von jungen Frauen und Männern die durchaus ehrliche Absicht kundtat, das Beladen eines landwirtschaftlichen Fahrzeuges mit Strohballen als sportlichen Wettkampf auszuschreiben. So geschehen in Graben, wo behäbige Bauernhöfe, der nahe Jura und die weiten, saftigen Matten eine einzigartige Kulisse als Sportarena für diesen Anlass zum Nulltarif boten.

Initiant dieses ersten StrohballenWettladens war der Höckelerverein Graben. «Wir bleiben an den Festanlässen ab und zu auch etwas länger sitzen», sagte Präsident Thomas Gränicher zum ungewöhnlichen Vereinsnamen. Die meisten der 15 jungen Mitglieder stammen aus landwirtschaftlichen Berufen. Es wäre daher auch naheliegend gewesen, wenn sie sich mit den früher üblichen Landjugend-Gruppen in Verbindung gebracht hätten. Aber diesen Namen wollten sie bewusst nicht. Solche gebe es schon viele, sagt Gränicher, der darauf hinwies, dass an der letzten örtlichen Tauben-ausstellung die Festwirtschaft von ihnen erfolgreich betrieben wurde.

«Wollten keine Räblimusik»

Damals sei auch in feuchtfröhlicher Runde der Gedanke zur Vereinsgründung gekommen. Erst im Februar dieses Jahres fand dann die Gründungsversammlung statt, wo die Statuten genehmigt und der Vorstand bestimmt wurde. Seither trafen sich die Vereinsmitglieder in lockerer Folge, in der Absicht, sich bei der Bevölkerung mit einem Anlass nachhaltig in Erinnerung zu rufen. «Aber», so der Präsident, «es war uns klar, es musste etwas sein, das mit der Landwirtschaft in Verbindung gebracht werden kann. Irgendein extravagantes Fest mit einer Räblimusik kam für uns nicht infrage», sagte der Präsident, denn schliesslich sei Graben ein durch und durch ländliches Gebiet, in dem sie sich wohlfühlten. So kam die Idee des Strohballenwettladens. Dieses verbindet geradezu ideal sportliche Aktivität mit landwirtschaftlicher Arbeit, Spass und Freude. So sorgten denn auf dem Hornusserplatz Graben eine Festwirtschaft, hölzerne Festbänke und eine Bar für Volksfest-Stimmung. Unmittelbar neben den Theken lagen die zwei Wettkampfplätze.

Auf diesen 75 Meter langen Feldern lagen genau aufgeteilt je 54 rund 12 bis 15 Kilo schwere Strohballen. Und eben diese Strohballen galt es, in möglichst kurzer Zeit auf einen vom Traktor gezogenen Wagen aufzuladen. Dabei waren ausser Handschuhe keine Hilfsmittel (Gabeln oder Hacken) erlaubt. Das Reglement besagte zudem, dass der Chauffeur nicht zum Team zählt, das aus vier Personen besteht. Mit einer weiblichen Person oder einem Kind unter 14 Jahren gab es zudem einen Bonus von je 15 Sekunden. Punkt 16 Uhr war es dann so weit: Die erste der 24 angemeldeten Gruppen startete unter den Anfeuerungsrufen des zahlreich aufmarschierten Publikums zum ersten der zwei Qualifikationsläufe. Mit immer röter werdenden Köpfen und knapper werdendem Atem packten die zwei Renner auf dem Feld Strohballe um Strohballe, während die andern zwei diese auf dem Wagen ordentlich stapelten. Denn auch die Ladung wurde gewertet und eine nicht korrekte Ladung mit fünf Sekunden bestraft. Doch ob man es glaubte oder nicht: Auch da spielte die Taktik bereits entscheidend mit. So postierten die einen zwei kräftige Frauen auf dem Wagen und erhielten damit 30 Sekunden Zeitgutschrift, andere wechselten fliegend die Aufgaben des Einsammelns und Stapelns. Denn zweifellos verlangte die gnadenlose Hast des Einsammelns eine gewaltige Portion an Kondition und Kraft. Dann gab es aber auch noch solche Teams, die es von der gemütlicheren Seite angingen: «Für uns muss es Plausch sein», sagte denn auch eine Dame aus der Gruppe der «Ladykracher». Sie verloren rund vier Minuten auf die Bestzeit und erhielten dafür mehr Applaus als die Siegergruppe «Z'ringsetum & d'rüberübere».

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