Nebst Freunden und Familienangehörigen machten der Jubilarin auch Vertreter der Gemeinde Paradiso sowie der jüdischen Gemeinschaft ihre Aufwartung.

In den vergangenen Jahren hatte sich an den Geburtstagen von Rosa Rein jeweils viel Tessiner Politprominenz eingefunden. Doch davon wollte die Jubilarin dieses Jahr nichts mehr wissen, wie die Heimleitung auf Anfrage sagte.

Bei einem Besuch vor zwei Wochen sagte Rosa Rein, dass es ihr gut gehe. Mit ihr würden die Ärzte nicht reich. Lediglich ihre Augen und ihr Gehör hätten nachgelassen, und das Gehen bereite ihr Mühe, sagte die Frau, die am 24. März 1897 in Dzietzkowitz in Oberschlesien auf die Welt kam.

Zusammen mit fünf Geschwistern wuchs Rosa Rein auf einem landwirtschaftlichen Gut auf. Die jüdische Familie war wohlhabend.

Zur Schule ging Rosa Rein in die nächstgelegene Stadt, nach Myslovitz. Sie besuchte die Hochschule. Für eine Frau war das damals alles andere als selbstverständlich.

Danach führte sie mit ihrem ersten Mann ein Textilgeschäft. Nach den Gräueln der Reichskristallnacht 1938, die den Juden das Leben in Deutschland verunmöglichten, emigrierte das Paar nach Brasilien.

Während Rosa Reins Vater an einer Krankheit starb, kam ihre Mutter "während der dunklen Zeit der Weltgeschichte" ums Leben.

In Brasilien ereilte sie der nächste Schicksalsschlag: Ihr Mann starb. 1949 heiratete sie ein zweites Mal. 1964 zogen die beiden nach Paradiso ins Tessin.

Seit 1973 ist Rosa Rein Witwe. Kinder hat sie keine, und die Verwandten wohnen alle weit weg, in England, Israel und den USA. Ins Altersheim zog sie erst im Mai 2001, nach einem Sturz.

Gemäss Wikipedia ist Rosa Rein nicht nur die älteste Einwohnerin der Schweiz, sondern gar eine der ältesten Europäerinnen.