Rolf Hegetschweiler: «Zu viel Zeit ist vertrödelt worden!»

Rolf Hegetschweiler kämpfte als Kantonsrat für ein Ja zur N4 und als Nationalrat für deren rasche Umsetzung. Im Rückblick sagt er: «Es war eine kämpferische, interessante Zeit. Die Auseinandersetzung war zwar hart, doch konnten Gegner und Befürworter dennoch anständig miteinander umgehen.»

Von Bernhard Schneider

Der Ottenbacher Rolf Hegetschweiler vertrat den Bezirk Affoltern von 1979 bis 1991 im Kantons- und von 1991 bis 2007 im Nationalrat. Mit 12 parlamentarischen Vorstössen hat er Konzept, Terminplanung, Finanzierung und flankierende Massnahmen zur N4 im eidgenössischen Parlament thematisiert. Im Verein «Ja zur N4» war er von dessen Gründung 1988 bis zur Auflösung 2002 Vizepräsident. Er hält unzweideutig fest: «Eine realistische Alternative zur Fertigstellung der N4 durch das Knonaueramt, also zur Schliessung der Lücke, hat es nie gegeben.»

Das N4-Teilstück liege nicht irgendwo an der Peripherie, sondern im Zentrum des wichtigsten Schweizer Wirtschaftsraums: «Die von den N4-Gegnern propagierte Umfahrung des Knonaueramts über einen Hirzeltunnel und die A3 bei Horgen wäre reine Sankt Florianspolitik gewesen und hätte auch nicht funktioniert. Es handelt sich nicht um irgendein Nullachtfünfzehn-Autobahnteilstück, sondern, zusammen mit der Westumfahrung von Zürich, um ein zentrales Element im schweizerischen Nationalstrassennetz, das heute auch bezüglich Rücksicht auf Natur und Bevölkerung hohen Ansprüchen genügt.» Er bedauert, dass es nach dem Nein zur Kleeblatt-Initiative noch 12 Jahre gedauert hat, bis 2002 endlich der Spatenstich erfolgte. Mittlerweile sind weitere 7 Jahre vergangen: «Dazwischen ist zu viel Zeit vertrödelt worden.»

Der Kreis schliesst sich

Rolf Hegetschweiler betont, dass sich die Schweiz nicht nur umweltfreundliche Autos leisten könne: «Das Beispiel des N4-Teilstücks durchs Knonaueramt zeigt, dass wir uns auch umweltfreundliche Autobahnen leisten können, die allerdings nicht nur beim Bau, sondern später auch im Betrieb hohe Kosten verursachen. Die Voraussetzung dafür ist, dass es uns wirtschaftlich gut geht, und dazu ist eine gute Infrastruktur erforderlich - hier schliesst sich der Kreis.» 70‘000 Franken koste jeder Meter dieses Teilstücks - eine Summe, die wohl kaum in einem anderen Land ausgelegt würde.

Eine Lösung der Verkehrsprobleme in der dicht besiedelten Agglomeration Zürich sieht er in einem Zusammenspiel von Strasse und Bahn, wobei er durchaus auch an den sogenannten Langsamverkehr denkt, der beispielsweise für die Fahrt zum Bahnhof so langsam oft gar nicht ist: «Es braucht alle Verkehrsträger, öffentliche und private, motorisierte und nicht motorisierte, und es braucht eine vernünftige Balance bei den Investitionen.» Er weist darauf hin, dass in den letzten 20 Jahren immer mehr Mittel aus dem Benzinzoll-Zuschlag in Bahnprojekte geflossen seien.

«Schlamperei des Kantons»

Für Rolf Hegetschweiler ist es unbegreiflich, dass der Kanton den Autobahnzubringer durch Obfelden und Ottenbach richtiggehend verschlampt habe. Es sei für ihn bereits nicht nachvollziehbar gewesen, weshalb der Zubringer 1995 aus dem Nationalstrassennetz gestrichen worden sei, obwohl das Land dafür bereits ausgeschieden war. Nun müsse der Kanton in die Tasche greifen, wolle man die Gemeinden nicht sich selbst überlassen. Immerhin sei der Bund ohne zwingende Verpflichtung bereit, einen ansehnlichen Beitrag von 25 Millionen zu leisten. Der Regierungsrat habe nun endlich einen definitiven Variantenentscheid im Raum Bickwil gefällt, so dass die Umfahrung Ottenbach und die Durchfahrt Bickwil nun auf demselben Stand seien und nächstes Jahr im Kantonsrat beraten werden können. «Luxuslösungen wie eine Untertunnelung von Bickwil würden eine Lösung der Probleme des Weilers auf den Sankt Nimmerleinstag verschieben. Sie zu fordern, ist daher kontraproduktiv.»

Im Rückblick auf die vergangenen 30 Jahre meint Rolf Hegetschweiler: «Ich bin überzeugt, dass die N4 zusammen mit der S-Bahn für die räumliche und wirtschaftliche Entwicklung des Bezirkes eine notwendige, gute und zweckmässige Grundlage bietet, die es auch zulässt, dass Schutzobjekte, Landschaft und Natur ihre Funktion und Bedeutung behalten können.»

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