Rodelvater: Ein paar blaue Flecken sind normal

«Sicherheit steht beim Rodeln ganz oben»

«Sicherheit steht beim Rodeln ganz oben»

«Rodeln im Eiskanal und auf einer Naturbahn sind zwei verschiedene Sportarten», betont Vittorio Fontanive. Dennoch hat sich der Villmerger, dessen Kinder talentierte Naturbahnrodler sind, nach dem Unfall bei Olympia seine Gedanken zur Sicherheit gemacht.

Fabian Hägler

Yuri Fontanive (10) ist in seiner Alterskategorie einer der besten Naturbahn-Rodler der Schweiz. Immer dabei, wenn der junge Villmerger auf dem Rodel um Medaillen kämpft, ist Vater Vittorio. «Natürlich versucht Yuri, möglichst schnell zu sein», sagt Fontanive. Entscheidend ist bei den Rodel-Wettkämpfen, die auf teilweise vereisten Naturbahnen stattfinden, aber nicht die reine Geschwindigkeit.

«Viel wichtiger ist eine technisch saubere Fahrt», erklärt der Steinbildhauer mit eigenem Atelier in Villmergen. Das heisst: «Früh genug abbremsen, richtig einlenken und durch die Kurven fahren, ohne zu driften.»

Spikes helfen beim Bremsen

Vittorio Fontanive, der selber auch rodelt, nennt den wichtigsten Unterschied zur Sportart im olympischen Eiskanal, bei der letzte Woche ein Georgier ums Leben kam (siehe Kasten oben): «Beim Naturbahnrodeln tragen wir Spikes an den Schuhen, mit denen wir den Rodel innerhalb weniger Meter aus voller Fahrt auf null abbremsen können.»

Anders als im Eiskanal steigert sich das Tempo auf Naturbahnen also nicht ständig. «Ausserdem ist die Geschwindigkeit generell niedriger», erklärt Fontanive. Dennoch kann sein Sohn Yuri auf geraden Streckenteilen durchaus 70 bis 80 km/h erreichen. Geschützt sind Fontanives Kinder – auch Tochter Wayra (8) rodelt – bei ihrer Sportart durch Helm, Handschuhe und Rückenprotektoren. «Weitere Schoner würden die Beweglichkeit einschränken», sagt der Vater.

Jede Kurve genau eingeprägt

Angst hat Vittorio Fontanive nicht, wenn seine zwei Kinder auf dem Rennrodel liegen und die Bahn hinunterflitzen. «Wir schauen uns die Strecken immer vor dem Wettkampf genau an, machen Trainingsfahrten und Yuri prägt sich jede Kurve genau ein», betont Fontanive.

Sicherheit steht für ihn an erster Stelle. «Wenn ich merke, dass eine Kurve kritisch ist, sage ich Yuri klar, dass er sie nicht voll fahren soll», gibt der Villmerger ein Beispiel. Das Team Vater-Sohn funktioniert laut Vittorio Fontanive sehr gut. «Yuri hört auf meine Ratschläge und passt den Fahrstil der Bahn und seinem Können an», lobt er den talentierten Zehnjährigen.

Die Bahn muss sicher sein

Trotzdem lassen sich Stürze nicht immer vermeiden. Als Yuri vor zwei Wochen in Südtirol zum ersten Mal auf einer Natureisbahn rodelte, verpasste er in der ersten Kurve den Bremspunkt. «Yuri lenkte dort zu früh ein, rutschte geradeaus, wurde von der Abschrankung unsanft gebremst und von seinem Rodel abgeworfen», schreibt sein Vater im Rennbericht. Weil die Bahn gut gesichert war, stellte dieser Sturz aber kein Problem dar.

«Es ist wichtig, dass am Rand der Bahn senkrechte Banden aus Brettern stehen», sagt Vittorio. Zwar könne es beim Aufprall ein paar blaue Flecken geben, aber der Rodler bleibe in der Bahn.

Schneewälle am Rand sind hingegen gefährlich: Der Rodel könnte abheben und aus der Bahn fliegen. «Ich lasse meine Kinder nur auf Bahnen starten, die sicher sind», sagt Fontanive.

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