Camping
Rocco will gar nicht mehr nach Hause

Der kleine Campingplatz von Staad ist etwa zur Hälfte von Dauergästen belegt. «Ich betreibe ihn aus Freude», sagt die 81-jährige Lydia Strausak.

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Campingplatz Staad

Campingplatz Staad

Grenchner Tagblatt

Hans Peter Schläfli

«Salü Lydia» hier, «hallo Lydia» da. Sie ist beliebt, Lydia Strausak. «Es ist nicht viel los. Viele sind gerade in den Ferien», erklärt die Chefin des Staader Campings. Aber kommt man denn nicht auf den Campingplatz, um hier Ferien zu machen? «Nicht nur. Auf den rund 20 ständig belegten Plätzen sind Leute, die kommen an den Wochenenden und in der Freizeit hierher. Aber sie verbringen an anderen Orten ihre Ferien.»

Verschwundener Stein und abgezweigter Strom

Im Grossen und Ganzen seien die Leute auf dem Camping zuverlässig und ehrlich, meint Walter Burkhalter. Man müsse nicht immer alles wegschliessen. «In den zwölf Jahren, die wir hier sind, ist uns noch nie etwas weggekommen.» «Aber wir hatten da einen, der flickte auf dem Camping im Zelt Autos», greift Fritz Staub tief in die Anekdotenkiste. «Der ging mit der Trennscheibe an die Arbeit, aber da brannten die Sicherungen sofort durch.» Der habe dann einfach die Stromkästen aufgebrochen und einen nach dem anderen angezapft. «Dä Luuscheib.» «Und als sie hier an der Strasse arbeiteten, war plötzlich ein ganz spezieller Stein verschwunden», kennt Staub noch eine weitere Anekdote. «Denn der Wirt, der Hans, der hatte so einen Steintick, und diese Schwelle mit eingravierter Jahreszahl war für ihn etwas Besonderes. Aber da vorn ist eine Person, die meint, sie sei so etwas wie ein Platzwart. Die hat sich daran gestört und wollte aufräumen. Da hat sie wohl den Arbeitern gesagt, sie sollen den Stein aufladen. Das gab ein Riesengestürm und eine Anzeige bei der Polizei.» Den Arbeitern sei dies gar nicht recht gewesen. «Die sind ins Restaurant gekommen und haben gesagt, wer ihnen den Auftrag gegeben hatte. Diese Person streitet das aber noch heute ab», weiss Staub. «Sie habe den Arbeitern 20 Franken versprochen, aber die warten wohl noch heute
darauf.» (hps)

Der kleine Zaun mit bunten Windrädern und Blumen im Camping springt ins Auge. «Der ist für Rocco», sagt Stammgast Walter Burkhalter, «für den Kleinen habe ich den Zaun aufgestellt.» Der Hund hebt brav den Kopf, wenn er seinen Namen hört. Nicht etwa, dass man die Aussenwelt vor Rocco schützen müsste. Er ist gut erzogen und ein richtiger Menschenfreund. «Er will gar nicht mehr nach Hause», erklärt das Ehepaar Burkhalter aus Bellach, «Rocco ist hier richtig glücklich.»

«Es geht nicht immer alles streng nach Vorschriften», sagt Camperin Monika Aeberhard, und sie sieht das positiv. «Hier darf man auch einmal etwas aufstellen oder pflanzen. Lydia sagt einfach, solange Ordnung herrscht, ist das schon recht.» Pflanzen. Das ist das Stichwort für Stammgast Fritz Staub. Da will er seinen ganzen Stolz präsentieren: «Schauen Sie sich diese Tomaten an.» Imposante Exemplare. Bald sind sie reif, und dann wird Walter Burkhalter, der früher in Bellach wirtete, daraus etwas Feines kochen.

Es begann mit Stockcar-Rennen

«In den Fünfzigerjahren hatten wir hier auf unserem Land ein Stockcar-Rennen», holt Lydia Strausak weit aus, um die Entstehung des Campingplatzes zu erklären. «Wir hatten bis zu 10 000 Zuschauer. Die Autos standen der Strasse entlang bis nach Grenchen. Die Leute stellten ihre Zelte auf, und mein Mann brachte ihnen mit dem Bockwagen Kaffee und Frühstück. So kam ihm die Idee, und wir machten aus unserer Hofstatt einen Campingplatz.»

Seit es den neuen, grossen Camping in Solothurn gibt, sei es etwas ruhiger geworden. Doch Lydia Strausak denkt nicht ans Aufhören. «Ich führe den Camping aus Freude», sagt die 81-Jährige. Angestellte habe sie keine mehr, heute helfe ihr die Tochter aus.

Lieber hinaus ins Grüne

«Wir wohnen in einem Block, und hier ist es schön grün.» So klingt die einfache Erklärung der Burkhalters, warum sie im Sommer lieber auf dem Staader Campingplatz als in der Bellacher Wohnung sind. «Früher haben wir gewirtet, da konnten wir nicht zu weit weg», ergänzt Rosita Burkhalter. Doch was wirklich zählt, das ist die Freundschaft. «Im Winter sehen wir uns selten», sagt Fritz Staub, «aber im Sommer setzen wir uns abends hier zusammen und jassen ein wenig.»

Ja, man schiebt eine ruhige Kugel auf dem Staader Campingplatz. Nach dem ausgiebigen Frühstück werde noch ausgiebiger die Zeitung gelesen, sagt Monika Aeberhard. «Ich wollte den Rasen mähen, aber er ist noch zu nass», beschreibt Fritz Staub seine Tagespläne. «Irgendetwas kommt mir schon noch in den Sinn.»

«Das ist unsere Altersresidenz», sagt Staub. «Die Touristen bringen uns Abwechslung.» Deutsche, Franzosen und Holländer habe es. Manche kämen wegen des Flugplatzes, manche klettern im Jura, und viele seien mit dem Velo auf Tour. Die nahe Aare sei auch eine Attraktion. «Aber mir ist sie zu kalt», sagt Walter Burkhalter.

Satelliten-TV mit allen Schikanen haben sich die «Ständigen» hier eingerichtet. «Fürs ‹10 vor 10› gehen wir rein, und dann ist man drinnen», verrät Fritz Staub, ab wann in Staad Nachtruhe gilt. «Durch den Sommer sind wir ab und zu eine Stunde zu Hause», sagt Rosita Burkhalter. Monika Aeberhard hält es nicht anders: «Wir wohnen in Lengnau, aber ich schaue nur schnell zum Rechten und nehme eine Dusche. Sonst bin ich immer hier.»

Bitte einen Robidog

Einen Wunsch haben die Camper: Grenchen solle doch in Staad einen Robidog einrichten. «Dort wo sich die Wege verzweigen, konnte man gut einen hinstellen», sagt Walter Burkhalter, Herrchen des kleinen Rocco. «Wenn die vielen Hunde in der Wiese ihr Geschäft erledigen, ist das nicht nur eklig, dann bekommen nämlich auch die Bauern ein Problem damit.»

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