Schnitzel
Risiken und Nebenwirkungen eines panierten Schnitzels

Trotz ausgebissenem Zahn lässt das Bundesgericht einen klagenden Solothurner abblitzen.

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Risiken und Nebenwirkungen

Risiken und Nebenwirkungen

Solothurner Zeitung

Urs Mathys

Diesen Satz kennen wir aus der Medikamenten-Werbung bis zum Erbrechen: «Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.» In Zukunft muss man diese Warnung besser auch auf allen panierten Schnitzeln anbringen. Denn der Verzehr eines solchen kann ganz schön gefährlich sein - und teuer
werden.

Doch der Reihe nach: Ausgerechnet an Heiligabend 2006 zieht sich Rocky Solothurnmann* beim Essen eines panierten Schnitzels einen massiven Zahnschaden zu. Kostenpunkt für die Behandlung der Wurzelfraktur: 3881 Franken und 65 Rappen. Das Gesuch um Übernahme der Zahnarztkosten wird von der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) am 14. März 2007 ebenso abgelehnt wie auch eine spätere Einsprache des Geschädigten. Begründung der Suva: Es liege «kein Unfall im Rechtssinn» vor.

Das will sich Rocky Solothurnmann nicht gefallen lassen: Er will der Suva die Zähne zeigen und reicht beim Versicherungsgericht des Kantons Solothurn Beschwerde ein. Doch der Biss zielt ins Leere: Am 19. November 2008 wird die Beschwerde abgewiesen.

Was nun folgt, fällt Biss-technisch wohl bereits in die Kategorie «verbeissen»: Rocky Solothurnmann lässt die Sache von einer namhaften Grenchner Rechtsanwältin per Beschwerde ans Bundesgericht in Lausanne weiterziehen. Er lässt im Wesentlichen geltend machen, dass er auf etwas gebissen habe, was eindeutig nichts in dem verzehrten panierten Schnitzel zu suchen hatte. Obwohl der Geschädigte nicht nachzuweisen vermöge, auf was genau er gebissen habe, sei es daher nicht gerechtfertigt, dem Ereignis die Unfallqualität abzusprechen.

Mit dieser Argumentation beisst Rocky Solothurnmann vor Bundesgericht auf Granit - und sich bildlich gesprochen auch noch die restlichen Zähne aus: Die Richter kommen in Fortführung bisheriger Rechtsprechung zum Schluss, dass «die blosse Vermutung, der Zahnschaden sei durch einen Fremdkörper verursacht worden, nicht genügt für die Annahme eines ungewöhnlichen äusseren Faktors». Kurz und schlecht: Das Beweisstück für einen Unfall - und seis bloss ein triviales Stück Knochen - fehlt. Bei der Lektüre des Bundesgerichts-Deutsch vergeht Rocky Solothurnmann auch noch das letzte zahnlose Lächeln: «Unter diesen Umständen kann die Frage, ob ein Unfall im Rechtssinne vorliegt, nicht beantwortet werden, da ungeklärt bleibt, um was für einen Gegenstand es sich gehandelt hat, und sich auch nicht zuverlässig beurteilen lässt, ob dieser als ungewöhnlicher äusserer Faktor zu qualifizieren ist. Es liegt daher Beweislosigkeit vor, deren Folgen die versicherte Person zu tragen hat.»

Auge um Auge, Zahn um Zahn, hat Rocky Solothurnmann letztlich nicht bloss den Zahnschaden von fast 4000 Franken zu berappen. Vielmehr kommen dazu auch die - wohl insgesamt noch höheren - Verfahrens-, Gerichts- und Anwaltskosten.
Und die Moral von der Geschichte? Zu Risiken und Nebenwirkungen eines panierten Schnitzels fragen Sie den Metzger, den Koch oder gegebenenfalls Ihren Zahnarzt - aber unter keinen Umständen das Bundesgericht.

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