Spital Riehen

«Riehen kann die Kurve kriegen»

Engagement: Über 500 Personen nahmen im Landgasthof-Saal in Riehen an der Podiumsdiskussion um die Spitalschliessung teil. (Juri Junkov)

Diskussion um Gemeindespital Riehen

Engagement: Über 500 Personen nahmen im Landgasthof-Saal in Riehen an der Podiumsdiskussion um die Spitalschliessung teil. (Juri Junkov)

Die mit Spannung erwartete Podiumsdiskussion zur Schliessung des Riehener Gemeindespitals fand in erstaunlich sachlichem Ton statt. Der Landgasthofsaal war mit über 500 Personen besetzt.

Rolf Spriessler-Brander

«Göit a d Säck!», sagte der Berner Gesundheitsberater Heinz Locher. Was andere geschafft hätten, könne man auch in Riehen realisieren. Nach einer gewissen Trauer- und Trotzphase hätten schon viele kleinere Schweizer Spitäler eine neue Existenz gefunden - zum Beispiel Brugg als ergänzende Gesundheitsstation zum Spital Baden oder Murten als Gesundheitszentrum mit Notfallstation, Ambulatorium und Übergangspflegeort. Auch der Basler Gesundheitsberater Max Rickenbach erwähnte Brugg als gutes Beispiel: «Das Spital Brugg war in derselben Situation wie heute Riehen.»

Schock, Ärger und sehr viel Wut - das sei die Reaktion der Belegschaft gewesen, als sie über den Schliessungsentscheid des Gemeinderats informiert worden sei, sagte Vreni Kamber, Chefärztin Medizin des Gemeindespitals Riehen. Dieser Entscheid sei ein politischer. «Aber wo ist Plan B? Wie lautet das Krisenszenario? Wir alle hoffen noch auf eine Weiterführung des Gemeindespitals, vielleicht auch in anderer Form», sagte sie und erhielt grossen Applaus.

Ein gewisser Kampfgeist, ein gerüttelt Mass an Unzufriedenheit, war sehr wohl zu spüren im Saal. Und doch - keine verbalen Entgleisungen wie noch an der Demonstration vom 7. April waren zu notieren. Die Stimmung war ruhig, der Ton sachlich - nicht zuletzt ein Verdienst des routinierten Medienmannes Roger Thiriet, der die Diskussion betont ruhig und zuweilen mit einem Augenzwinkern moderierte.

Zu Beginn des Abends hatte Gemeinderat Michael Martig die Gründe des gemeinderätlichen Neins ausführlich dargelegt. Die Crossklinik, mit der man kurz vor einem Abschluss gestanden sei, habe sich für eine andere Möglichkeit entschieden. Mit dem Claraspital habe man eine Vision «Stadtspital Nordost» entwickelt, doch das letzte Angebot dieses möglichen Partners sei schlicht ungenügend gewesen. Und die Kooperation mit dem Universitätsspital sei gescheitert, weil das gesamte unternehmerische Risiko beim Gemeindespital geblieben wäre.

Martig wurde vom Berner Gesundheitsberater Heinz Locher unterstützt: «Die Unispital-Variante wäre eine grosse Chance gewesen, aber nur, wenn der Kanton die wirtschaftliche Verantwortung dafür übernommen hätte», sagte er. Vom zweitletzten Vorschlag des Universitätsspitals sei er geradezu begeistert gewesen, ergänzte André Weissen, der den Entscheidungsprozess als Spitalkommissionsmitglied hautnah miterlebt hat. Als er den definitiven Vorschlag des Unispitals gesehen habe, habe er seine Meinung allerdings revidieren müssen.

Schwester Doris Kellerhals, Oberin des Diakonissenhauses, dem das Spitalareal gehört, bedauerte den Entscheid des Gemeinderates, forderte aber auch dazu auf, über neue Modelle nachzudenken. Riehen sei immer wieder innovativ gewesen, der Ansatz von einem «Haus der Pflege» sei ein gangbarer Weg, sagte sie unter zaghaftem Applaus.

Es sei unschön, dass Volk und Parlament noch nicht zur Frage der Spitalweiterführung oder -schliessung hätten Stellung nehmen können, räumte Michael Martig ein. Verantwortlich dafür sei aber nicht der Gemeinderat. Es hätte in der Macht des Einwohnerrates gestanden, diese Frage zu entscheiden, und gegen den Einwohnerratsbeschluss vom Oktober 2008, der dem Gemeinderat die Entscheidungsbefugnis übertrug, hätte seinerzeit auch das Referendum ergriffen werden können.

In der Publikumsdiskussion meldeten sich mehrere ehemalige Patientinnen des Gemeindespitals. Die Notfallproblematik wurde angesprochen. In der Tat habe die Notfallstation in Basel ein Kapazitätsproblem, sagte André Weissen. Es zeichne sich nun aber eine Lösung in Zusammenarbeit mit einem Hausärzteteam ab, die für die Notfallstation eine wesentliche Entlastung bringen dürfte.

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