Justiz

Richter bestätigen Mitschuld von Total an «Erika"-Ölkatastrophe

Der im Sinken begriffene Tanker "Erika" - Bug in der Höhe (Archiv)

Der im Sinken begriffene Tanker "Erika" - Bug in der Höhe (Archiv)

Gut zehn Jahre nach der Ölpest vor der französischen Atlantikküste durch den gesunkenen Tanker «Erika» hat ein Pariser Berufungsgericht eine Mitschuld des Ölkonzerns Total bestätigt. Als Grund machte es fahrlässiges Handeln des Konzerns bei der Anmietung des altersschwachen Schiffes aus.

Obwohl das Gericht die Gesamtsumme des Schadensersatzes von 192 auf 200 Millionen Euro erhöhte, muss Total aber überraschend nur eine Strafe von 375'000 Euro zahlen. Der Konzern hatte aufgrund öffentlichen Drucks aber schon 170 Million Entschädigungszahlungen geleistet, davon 153 Millionen an den Staat.

Die restlichen 30 Millionen Euro müssen nun von den übrigen Verurteilten, dem Reeder, dem Schiffseigner sowie dem italienischen Kontrollbüro aufgebracht werden, das das schrottreife Schiff für seetüchtig erklärt hatte. Zudem müssen die Angeklagten den rund 80 Nebenklägern Gerichtskosten in Höhe von 3,8 Millionen Euro zahlen.

Das Gericht betonte, Total sei aufgrund einer internationalen Konvention gar nicht zur Schadensersatzzahlung verpflichtet gewesen wäre. Die bereits geleisteten Entschädigungszahlungen blieben aber unangetastet, sagte der Anwalt des Unternehmens. Sie seien ein Akt der Solidarität gewesen.

"Total hat die Unvorsichtigkeit begangen, den Öltanker zu chartern und seine eigenen Sicherheitsbestimmungen missachtet", sagte der Richter. Die Wartung des mehr als 20 Jahre alten Schiffes "Erika" sei stark vernachlässigt worden. Eine Absicht konnte dem Unternehmen aber nicht nachgewiesen werden.

Der "Erika"-Prozess gilt als grösster Umweltprozess der französischen Justiz. Dabei waren erstmals Umweltschäden als Basis für Entschädigungsforderungen akzeptiert worden.

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