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Retter der afghanischen Bienen

Ein Ennetbadener in ungewöhnlicher Mission: Der 29-jährige Marco Affolter reist in den Nordosten Afghanistans. Dort zeigt er den Imkern, wie man Bienen vor der Kälte schützt.

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Affolter

Affolter

Aargauer Zeitung

Michael Spillmann

In der Kunst der Bienenzucht sind die afghanischen Bienenzüchter gewiss nicht weniger versiert als die Imker in unseren Breitengraden. Ein Problem haben sie aber: Wie man für Temperaturen von minus 40 Grad eine Bienenbox effizient isoliert, davon verstehen sie offenbar nicht viel. Die in Süd- und Zentralasien tätige Entwicklungshilfeorganisation Aga Khan führt deswegen im Nordosten Afghanistans ein Projekt zur Unterstützung der lokalen Züchter durch. Mit dabei im international zusammengesetzten Team: der 29-jährige Holzbauingenieur Marco Affolter aus Ennetbaden.

Startschuss zur aussergewöhnlichen Mission ist heute Montag. Der gelernte Zimmermann, der vor einem Monat in Biel die vierjährige Ingenieur-Ausbildung an der Holzfachschule abgeschlossen hat, fliegt erst nach Dubai und dann weiter nach Kabul, der Hauptstadt Afghanistans. Von dort führen die Projektverantwortlichen die angereisten Holzbauingenieure nach Takhar im Nordosten des Landes - nahe der Grenze zu Tadschikistan und Pakistan.

Züchter aus der ganzen Region

Das Programm für den einmonatigen Aufenthalt ist dicht gedrängt. Obwohl der 29-Jährige noch nicht so genau weiss, was ihn in Afghanistan erwarten wird, sieht das Tagesprogramm gemäss Pflichten- und Aufgabenkatalog wohl etwa so aus: den Aufbau der bereits existierenden Boxen studieren, dann Möglichkeiten finden, die Defizite der Dämmung und Isolation zu verbessern, und schliesslich den lokalen Schreinern und Bienenzüchtern die gewonnenen Erkenntnisse vermitteln. Für die Schulung reisen die Züchter aus der ganzen Region an - jeden Tag eine andere Gruppe. So viel der Ingenieur über holzbautechnische Fragen weiss, so wenig ist der 29-Jährige Experte für Bienenzucht. Deshalb hat sich Marco Affolter vor der Abreise bei einem erfahrenen Imker im Fricktal schlau gemacht. «Ich habe viel gelernt. Jetzt weiss ich, was für die Bienen wichtig ist», sagt er.

«Angst darf ich keine haben»

Wie der Ennetbadener erklärt, sei es schon immer sein grosser Traum gewesen, einmal für ein Entwicklungshilfeprojekt zu arbeiten. Doch warum gerade Afghanistan? «Es ist ein sehr interessantes Land, mit all den verschiedenen Völkern, die dort leben», so der 29-Jährige. Ist jetzt - wo die US-Truppen im Süden Afghanistans eine Offensive gestartet haben - nicht vielleicht der falsche Zeitpunkt für eine Reise dorthin? Marco Affolter: «Bedenken oder sogar Angst darf ich keine haben, sonst kann ich gleich zu Hause bleiben.»

Und er schmiedet bereits Pläne für eine zweite Afghanistan-Reise: «Ich muss doch kontrollieren gehen, ob meine Tipps den Züchtern auch geholfen haben.»

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