Elisabeth Bollier
«Respekt vor der Natur»

Elisabeth Bollier lebt für und mit der Natur. In ihrem Naturgarten in Kindhausen sind nicht nur unzählige verschiedene Pflanzen zu Hause, sondern auch viele Wildtiere, die sich im Paradies wähnen.

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Elisabeth Bollier

Elisabeth Bollier

Bezirks-Anzeiger Dietikon

Malini Gloor

«Brennnesseln sind ein wunderbares Heim für Schmetterlinge. Die Raupen entwickeln sich an den Brennnesseln wunderbar, und ich darf mich dann an Schmetterlingen wie dem Kleinen Fuchs oder dem Admiral freuen.» Elisabeth Bollier ist in ihrem Element. Der Gartenrundgang ist nicht einfach ein Rundgang, sondern auch ein Geschichtenort. Zu jedem Strauch, Baum und Gewächs kann die passionierte Gärtnerin etwas erzählen.

«Als wir vor 28 Jahren dieses Land gekauft haben, war hier einfach Wiesland, welches der Bauer mähte. Seit meiner Kindheit bin ich von der Natur fasziniert, und da lag es nahe, einen grossen Garten zu gestalten.» Elisabeth Bollier und ihr Mann Eugen haben ein Paradies erschaffen, in welchem sich die Natur nahezu uneingeschränkt entfalten darf. «Ich bin eigentlich immer im Garten am Arbeiten, es ist nie alles gemacht. Mein Mann ist für die kleinen Wege zuständig, welche durch den Garten führen. Er mäht nur dort die Wiese, den Gartenabraum benutzen viele kleine Tiere als Unterschlupf.»

Eugen Bollier, der mit Hund Aris im 2200 Quadratmeter grossen Naturgarten spielt, bleibt vor einem rosa Multiflora-Strauch stehen. «Hören Sie das Summen?» Ganz nah verharrt er vor dem lieblich blühenden Rosenstrauch, an dem unzählige Hummeln und Bienen den Blütennektar trinken. «Es tut uns gut, zu sehen, dass Tiere sich bei uns wohl fühlen», sagt er mit einem Lächeln.

«Wir sind schon ein bisschen anders. Mich stört es nicht, wenn sich an Pflanzen Fressspuren von Schnecken und Raupen zeigen, Gift streue ich nicht. Schliesslich kommt alles irgendwann auf uns zurück. Die Schädlings- und Unkrautvertilgungsmittel sind im Boden, im Wasser und in der Luft, wie soll der Mensch da verschont bleiben?»

Elisabeth Bollier erklärt mit einleuchtenden Argumenten, wieso sie nicht gegen vermeintliche Schädlinge vorgeht. Das einzige, was sie manchmal ein bisschen wehmütig stimmt, sind die Rehe, welche sich im Garten ebenfalls wohl fühlen. «Sie fressen die Rosenknospen von den Sträuchern. Sie fressen aber nicht alle Knospen weg, sondern naschen nur. Damit ich trotzdem ab und zu eine blühende Rose habe, sperre ich meinen Rosenstrauch in der Blütezeit ab. Mehr mache ich nicht, schliesslich ist es ein Geschenk, so viel Leben begrüssen zu dürfen!»

In den vielen Biotopen tummeln sich Kaulquappen, Grasfrösche sitzen auf Seerosenblättern und Erdkröten ruhen in dunklen Tiefen. Auf einem Holzstapel sonnen sich Blindschleichen. In der warmen Frühsommerluft fliegen Schmetterlinge. Diese Stimmung ist es, die Elisabeth Bollier glücklich macht. «Wenn ich im Garten ‹chrampfe› und müde die Stufen hochsteige und dann vor mir eine Blindschleiche sünnelet, dann ist das wie ein Dankeschön.»

Damit mehr naturinteressierte Menschen sich an der grünen Pracht freuen und auch etwas lernen können, kann man den Naturgarten der Bolliers besichtigen. Am ersten Samstagnachmittag im Monat darf man einen Blick ins Naturparadies werfen und das Staunen wieder neu lernen.

Infos: Familie Bollier, Tel. 044 740 60 53

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