Zürich

«Renne nicht mit dem Blaulicht rum»

Seelsorge: Yvonne Waldboth kennt die Nöte der Polizisten. (Bild: ABR)

Seelsorge

Seelsorge: Yvonne Waldboth kennt die Nöte der Polizisten. (Bild: ABR)

Vor zehn Jahren wurde Pfarrerin Yvonne Waldboth Polizeiseelsorgerin – die erste in der Schweiz. Die Arbeit sei faszinierend, hält sie heute rückblickend fest.

Alfred Borter

Aufgewachsen in Olten, studierte Yvonne Waldboth 1983-1990 in Zürich Theologie. Sie war danach einige Jahre reformierte Pfarrerin in Bülach, bevor sie das Gefängnispfarramt in Pfäffikon übernahm. 1999 kam die Anfrage, ob sie für die Stadtpolizei Zürich als Seelsorgerin tätig sein wolle. Sie wollte gerne. Zunächst übte sie diese Funktion im Nebenamt aus. Später kamen die anderen «Blaulichtorganisationen» der Stadt dazu, Feuerwehr und Sanität, 2002 weitete sich das Tätigkeitsfeld auf die Kantonspolizei aus und seit 2008 gehören auch Flughafenpolizei und die am Flughafen bei Feuerwehr und Sanität tätigen Berufsleute dazu. Insgesamt sind es jetzt rund 5500 Personen.

Belastende Tätigkeit

Yvonne Waldboth findet das spezielle Pfarramt, das gemeinsam von den beiden Landeskirchen sowie von Stadt und Kanton getragen wird, insofern gerechtfertigt, als die Arbeit der Männer und Frauen, die bei der Polizei, der Feuerwehr oder der Sanität arbeiten, enorm belastend ist. Ein Polizist befinde sich oft auf einer Gratwanderung, wenn es darum gehe, Ordnung zu schaffen und dem Recht zum Durchbruch zu verhelfen, sagt sie. Und immer gelte der Grundsatz der Verhältnismässigkeit. Da grübelt man vielleicht im Nachhinein darüber nach, ob man alles recht gemacht hat oder ob man etwas hätte besser machen können. Oder wenn man zu einem Unfall gerufen wird, ein Kind liegt auf der Strasse, tot - wie geht man damit um?

Ethik und Religion

Ethik ist in der Ausbildung der Polizisten ein Grundfach. Die Aspiranten befassen sich mit Werthaltungen, um Religion geht es dabei nicht in erster Linie. Aber im Zusammenhang mit den Wertvorstellungen, die im Islam gelten, kommt es nach den Erfahrungen von Yvonne Waldboth immer auch zu Fragen wie: Und im Christentum, wie ist es dann da? So kommen auch Fragen der Religion zur Sprache.

Wenn sie um Rat gefragt wird, geht es nicht immer um berufliche Fragen, aber auch persönliche Probleme können besprochen werden. Da ist es gut, ein Gegenüber zu haben, das zuhören kann. Und vor allem auch jemanden, der die Arbeit bei Polizei, Feuerwehr und Sanität kennt. Immer wieder begleitet die Polizeiseelsorgerin die Einsatzkräfte, um sich auf dem Laufenden zu halten. Und um bereit zu sein, wenn ihre Hilfe nötig ist. So wie damals, als bei den Löscharbeiten am Zunfthaus zur Zimmerleuten ein Feuerwehrmann ums Leben kam.

Meistens hält sie sich aber im Hintergrund auf. «Ich bin nicht die, die mit dem Blaulicht herumrennt», sagt sie von sich. Ein Vorteil ist auch ihre Unabhängigkeit. Sie hat zwar ihr Pflichtenheft, aber sie betont: «Befehlsempfängerin bin ich nicht.» Übrigens hält Waldboth zweimal im Jahr auch öffentliche Gottesdienste ab, den nächsten am 21. Juni um 10 Uhr im St. Peter in Zürich. Es spielt die Polizeimusik.

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