Rekordauslastung: Einige Schweizer Gefängnissen droht der Kollaps
Rekordauslastung: Einigen Schweizer Gefängnissen droht der Kollaps

Viele Schweizer Gefängnisse sind am Limit – jetzt droht einigen sogar der Kollaps. In der Genfer Strafanstalt Champ-Dollon stieg die Belegung 2009 auf Rekordhöhe: «Sie betrug durchschnittlich 186 Prozent», sagt Sahra Leyvraz-Currat vom Amt für Strafvollzug im Kanton Genf.

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Der Horror-Knast hat 270 feste Plätze, das entspricht 98'550 Übernachtungen pro Jahr. «Wir hatten aber 183'310 Übernachtungen», sagt Leyvraz-Currat im "Sonntag". Abhilfe schaffen zusätzliche Betten: In Einerzellen sitzen die Häftlinge zu zweit, in Dreierzellen zu fünft. Dramatisch ist die Situation auch im Kanton Waadt. Im Gefängnis Bois-Mermet in Lausanne stieg die Belegung auf bis zu 170 Prozent, in der Anstalt La Croisée in Orbe auf 140 Prozent.

«Die Zellen wurden mit Zusatzbetten ausgerüstet, in Spitzenzeiten sogar mit Matratzen am Boden», sagt Catherine Martin, Chefin Strafvollzug im Kanton Waadt. Wegen dem Platzmangel müssen Freiheitsstrafen verschoben werden: «Die Einberufung von Verurteilten, die ihre Busse nicht zahlen und daher eine Haftstrafe verbüssen müssen, wurde momentan ausgesetzt», sagt Martin. Eine Belegung von über 100 Prozent gab es auch im Regionalgefängnis Bern und ab Herbst 2009 im geschlossenen Vollzug der Gefängnisse im Kanton Zürich.

Die Überbelegung birgt Sicherheitsrisiken: "Das kann zu einem Anstieg von Gewaltsituationen führen», warnt Pascal Payllier, Chef der Abteilung Strafrecht im Innendepartement des Kantons Aargau. "Wegen der Überbelegung kann auch der Drogenkonsum zunehmen." Grund für den Gefängnis«Boom» ist die stetig wachsende Zahl von verwahrten Straftätern, sagt Felix Bänziger stellvertretender Generalprokurator im Kanton Bern: "Schwere Gewalttäter, die als nicht therapierbar gelten, lässt man heute praktisch nicht mehr raus. Das führe zu einem Rückstau in den Untersuchungsgefägnissen, da Häfltinge aus Platzmangel nicht mehr in geschlossene Vollzugsanstalten überweisen werden könnten. CVP-Nationalrat will Strafanzeige gegen alte UBS-Garde einreichen