Reinach

Reinacher «Chileziit» wird blau

Blau auf Weiss: Die Rondellen der Zifferblätter sind künftig nicht mehr rot.

Zifferblatt wieder blau

Blau auf Weiss: Die Rondellen der Zifferblätter sind künftig nicht mehr rot.

Hinter dem rot-weissen Netz am Gerüst der Reinacher Kirche sind die Maler am Werk und haben vier grosse Punkte gesetzt: Das Zifferblatt der Turmuhr wird wieder blau.

Peter Siegrist

Eine alte Postkarte belegt die Erinnerungen der älteren Reinacher: Bis zur Aussenrenovation der reformierten Kirche Reinach von 1973 waren die inneren Kreise der Zifferblätter der Turmuhr blau. Jetzt wird auf Antrag der Baukommission und von Architekt Samuel Fischer dieser Zustand wiederhergestellt.

Fischer ist an der Neudorfstrasse, unterhalb der Kirche, aufgewachsen: «Ich erinnere mich noch sehr gut an die blauen Zifferblätter.» Weshalb 1973 die Farbe gewechselt wurde, ist Fischer nicht bekannt. Für die Präsidentin der Baukommission, Lotti Bieri, war rasch klar, dass sie sich dem früheren Zustand wieder nähern wollten. Bieri weist darauf hin, dass das Blau, wie es heute durch die Abdeckung leuchtet, noch nicht der definitive Farbton sei, «es wird eher etwas heller».

Denkmalpflege ist auch für Blau

Die kantonale Denkmalpflege begleitet die Innen- und die Aussenrenovation der Kirche, und sie subventioniert die Arbeiten auch. Aufgrund des Kostenvoranschlages hat der Kanton den Reinachern bereits einen Beitrag von 67 000 Franken zugesprochen.

Reto Nussbaumer, stellvertretender Denkmalpfleger des Kantons Aargau, war offen für das Anliegen, das «Chileziit» wieder blau zu streichen. «Wir haben in unseren Dokumenten den Nachweis, dass die Rondellen einst blau waren.» Die Turmuhren seien häufig später an den Fassaden montiert worden, erklärt Nussbaumer. Blau, Rot und, eher selten, Grün seien verwendet worden. «Es gibt aber auch Zifferblätter, wo sich Ziffern und Zeiger nur von der kalkweissen Fassade abheben.

In Reinach wird der blaue Innenkreis von einem schwarzen Ring umsäumt, auf dem die goldenen römischen Ziffern montiert werden. «Vor 1973 hatte es zwischen den Stundenziffern goldene Rhomben», erklärt Nussbaumer, «diese und ein äusserer goldener Ring werden wieder angebracht.»

Es müsse möglich sein, die Uhrzeit auch aus grosser Distanz leicht abzulesen. Das Blau werde mit einer Zweikomponentenfarbe aufgetragen, sodass das Zifferblatt auch auf der Wetterseite nicht mehr ausgewaschen werde.

Hundertjährige Biberschwänze

Dachdeckermeister Oskar Widmer und seine Mitarbeiter haben ihren Arbeitsplatz in luftiger Höhe. Sie sind daran, das Dach abzudecken, ganz nach aussen zu entwässern und mit einer neuen Lattung die Hinterlüftung zwischen dem Unterdach und den Ziegeln zu verbessern.

Die Biberschwanzziegel kann Widmer wieder verwenden, nur defekte Ziegel werden ersetzt. «Die Dachziegel sind die meisten rund hundert Jahre alt», sagt Widmer. «Alte Dächer sind mein Steckenpferd», erklärt der Fachmann, «so verfüge ich über ein Lager von alten Ziegeln, um defekte Stücke auszutauschen.»

Die Dachdecker erledigen ihre grosse Arbeit in Abschnitten von rund 5 Meter Breite. Damit vermeiden sie, das ganze Dach abzudecken und die Ziegel auf dem Boden zwischenzulagern.

Laut Bauleiter Samuel Fischer kommen die Arbeiten gut voran. Eine leichte Verzögerung ergebe sich zwar im Innern. «Wir mussten bei einzelnen Rissen bis 7 Zentimeter Grundputz neu auftragen, und das bedingt zwischendurch eine relativ lange Trocknungszeit.»

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