Reinach
Reinach soll Dach selber zahlen

Reinach hat den Entscheid der Aargauischen Gebäudeversicherung, den Sturmschaden am Breiteschulhaus nicht zu entschädigen, vor Gericht gezogen und ist abgeblitzt.

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Dach

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Aargauer Zeitung

Peter Siegrist

Als am 18. August eine Sturmböe einen Teil des Daches beim Schulhaus Breite wegriss, ahnte kaum jemand, dass sich daraus eine mehrjährige Geschichte entwickeln wird. Gemeinde, und Nachbarn waren froh, dass der Sturm mit Böen bis zu 120 Stundenkilometern in den frühen Morgenstunden tobte, und dass auf dem Schulhausplatz und in den Gärten der Nachbarschaft keine Personen von den herumfliegenden Dachplatten getroffen wurden.

Die Gemeinde Reinach liess die Schäden unverzüglich reparieren und reichte die Rechnung von fast 130 000 Franken an die Aargauische Gebäudeversicherung (AGV) weiter.

Konstruktion ist mangelhaft

Die AGV teilt der Gemeinde Reinach mit, dass sie als Gebäudeversicherer nicht für den Schaden aufkomme. Baumängel seien die Ursache, nicht der Sturm. Sie beruft sich bei ihrem Entscheid unter auf eine Expertise, die sie in Auftrag gegeben hat. Die Versicherung behandelte damit die Gemeinde gleich wie die beiden Privatpersonen, denen der Sturm am gleichen Tag das Dach über ihren Terrassenhäusern weggefegt hatte.

Reinach hatte gegen den Ablehnungsentscheid Beschwerde geführt bei der Schätzungskommission. Diese bestimmte das Baugesetz als zuständiges Gericht. Die Schätzungskommission gibt jetzt bekannt, dass sie den Entscheid der Aargauischen Gebäudeversicherung, den Dachschaden am Schulhaus nicht zu übernehmen «vollumfänglich stütze». Das Gericht ist zum Schluss gekommen, dass nicht der Sturm, sondern eine mangelhafte Konstruktion den Schaden verursacht habe. «Wären die anerkannten Regeln der Baukunde eingehalten worden, hätten die Dächer den Sturm schadlos überstanden», teilt das Gericht mit.

Sturmschaden

Am 18. August 2006 fegte ein Sturm über Reinach hinweg und riss beim Schulhaus Breite (Baujahr 2006) einen Teil des Daches weg. Die Aargauische Gebäudeversicherung will nicht zahlen, und weist auf Baumängel hin. Reinach hatte Beschwerde eingereicht.

AGV beruft sich auf Grossen Rat

Die AGV hält in einer Mitteilung fest, sie folge der Praxis, dass «der gesetzlich festgelegte Wegfall des Versicherungsschutzes» bei Konstruktionsmängel zur Anwendung komme, wenn Gutachten dies bestätigten. In Reinach habe sie als Gebäudeversicherer die Schäden in beiden Fällen ablehnen müssen, weil sie verpflichtet sei, alle Versicherten gleich zu behandeln.

Bei verdeckten Baumängeln handle es sich grundsätzlich um eine Frage der Haftung der Bauunternehmer. Es könne nicht sein, dass alle Hauseigentümer solidarisch für Schäden aufkommen müssten, die durch unsorgfältige Bauweise entstanden seien. Im Übrigen habe der Grosse Rat bei der Totalrevision der Gebäudeversicherungsgesetzes vor drei Jahren beschlossen an diesem Ausschlussgrund festzuhalten.

Für Reinach nicht zu Ende

«Wir verfolgend die Sache weiter und melden uns später» sagt Gemeindeammann Martin Heiz auf Anfrage, sicher sei: «Wir hätten von der Schätzungskommission eine differenziertere Antwort erwartet». Überhaupt halte er an seiner Aussage fest: «Das Schulhausdach hat den Sturm Lothar, der noch stärker war, schadlos überstanden». Das AGV habe im Kanton ein grundlegendes Problem, «so wie es läuft, ist ja kein Hausbesitzer sicher, ob sein Haus wirklich versichert ist», sagt Heiz.

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