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Reicht es noch für die Velofahrer?

Nachdem Hunderte Millionen für die Autofahrer aufgegeben wurden, soll jetzt auch der Langsamverkehr (LV) in der Region auf seine Rechnung kommen – sofern das Parlament die Gelder aus dem Infrastrukturfonds bewilligt.

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Solothurner Zeitung

Andreas Toggweiler

Neue Autobahnen, Umfahrungsstrassen, flankierende Massnahmen: Für Hunderte von Millionen wurden und werden allein in der Region Solothurn Strassen gebaut, die in erster Linie den Autos zugute kommen. Zwar entstand im Rahmen der Westumfahrung auch eine neue Velobrücke, doch insgesamt waren die Verbesserungen für Radfahrer in der Region bisher eher punktuell. Gut ausgebaut sind lediglich die touristischen Routen.

Immer wieder führen Radrouten an prekäre Stellen und bleiben damit Stückwerk. Symptomatisch dafür ist eine neue Veloampel in der Fussgängerunterführung Zuchwilerstrasse (bei der blauen Post). Sie wurde im Rahmen des neuen Geschäftshauses «Perron 1» erstellt und wird bis auf weiteres dauerrot anzeigen. Denn für die Strecke, die sie regeln soll, gilt (eigentlich) ein generelles Fahrverbot.

Repla fordert Umdenken

«Es ist höchste Zeit, dass sich jetzt auch beim Langsamverkehr etwas tut», fordert Repla-Präsident Johannes Friedli. Immer nur neue Strassen für den motorisierten Verkehr bauen, führe in die Irre. «Es braucht eine strategische Förderung des Langsamverkehrs durch Bewusstseinsbildung, aber auch durch bauliche Massnahmen.»

Der Bund hat im Rahmen der Agglomerationsprogramme beträchtliche Mittel auch für die Förderung des Langsamverkehrs in Aussicht gestellt. Für den Kanton Solothurn könnten Projekte bis zu einem Bruttobetrag von 7,5 Mio. Fr. gefördert werden, Allein für die Region Solothurn sind laut Bernhard Staub, Chef Raumplanungsamt, Investitionen von 3,9 Mio. Fr. vorgesehen.

Reicht das Geld noch?

Diese Woche hat der Regierungsrat den Zwischenstand der Planung zuhanden des Bundes verabschiedet. Wenn das Parlament die nötigen Mittel bewilligt, können Mitte des nächsten Jahres Leistungsvereinbarungen zur Umsetzung zwischen 2011-2014 abgeschlossen werden. Werden Bauten im Rahmen des Agglomerationsprogramms ausgeführt, übernehmen Bund und Kanton zusammen zwei Drittel der Kosten.

Die Frage ist jetzt nur: Kann der durch Bauvorhaben für Bahn und Strasse geplünderte Infrastrukturfonds die vergleichsweise geringen Beträge für den LV noch zahlen? «Wir hoffen, dass die Politiker jetzt auch ein offenes Ohr für den Langsamverkehr haben», sagt Staub.

Allein in der Region Solothurn wären rund 30 Einzelmassnahmen geplant. «Es ist eine Gesamtstrategie, welche die Situation als Ganzes verbessert», erklärt Kurt Erni vom Amt für Verkehr und Tiefbau. Als Vorprojekt liegen beispielsweise Massnahmen vor, mit welchen die Achse Subingen-Derendingen-Zuchwil velogängiger wird (vgl. Kasten rechts). Andernorts liegen Projektskizzen vor (z. B. Achse Feldbrunnen-Riedholz oder Solothurn-Selzach). Ausführungsreif wäre beispielsweise die eingangs erwähnte Verbindung Dornacherstrasse-Zuchwilerstrasse (Unterführung). Die Umsetzung steht und fällt mit der Realisierung der geplanten Überbauung «Südpark».

Bei der Sensibilisierung der Bevölkerung hat die «Langsamverkehrs-Offensive Solothurn» LOS, ein Projekt der Repla, mit ihrer Informationstätigkeit schon einiges erreicht. Friedli erinnert an Werbeaktionen wie die Dok Tours 09 oder die Testimonial-Aktion «Ich fahre Velo, weil ...». Für ihn ist vor allem die Schulwegsicherung ein zentrales Anliegen. Fun- und Gesundheitsaspekte des Velofahrens sollen gleichermassen zum Ausdruck kommen. Speziell freut sich Friedli, dass am 8. Mai 2011 das erste Slow-Up-Event im Bucheggberg über die Bühne geht. Dabei werden jeweils für einen Tag die Strassen einer ganzen Region für den Langsamverkehr reserviert.

Ansprechpartner in den Gemeinden

Die Gemeinden der Repla haben zudem begonnen, LV-Verantwortliche zu bezeichnen. Diese sollen Ansprechpartner für die Bevölkerung sein, eine Vorbildfunktion wahrnehmen und auch gegenüber den Behörden die Anliegen des LV vertreten. Ebenfalls kann die Bevölkerung per Internet Beobachtungen von Schwachstellen melden. (www.so-los.ch).

LV-Verantwortliche: Aeschi: Dieter Kohler; Biberist: Ueli Sterchi: Bolken: Peter Rindlisbacher; Derendingen: Daniel Wassmer; Etziken: Bruno Meyer;Gerlafingen: Christoph Reinhardt; Halten: Urs Heri; Hersiwil: Rolf Gerber; Horriwil: Eugen Lüthi; Kriegstetten: Inge Friedli; Recherswil: Daniel Murer; Steinhof René Gerber und Subingen: Pascal Utz.