Regula Stibi
Regula Stibi vermittelt Musik

Regula Stibi ist eine engagierte Musikerin, die mit aussergewöhnlichen Ideen die Menschen das Hören lehrt.

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Regula Stibi

Regula Stibi

Stadtanzeiger Baden

Carolin Frei

Frau Stibi, Sie sind Musikvermittlerin und Konzertpädagogin, was muss man sich unter diesen beiden Begriffen vorstellen?

Regula Stibi: Als Musikvermittlerin versteh ich mich als Katalysator: Ich schlage eine Brücke zwischen der Musik und den Ohren - egal, ob es nun kleine Ohren oder solche von Erwachsenen sind.

Hörspaziergang

«Öffnungen». Hörspaziergang für Kinder und Erwachsene
Am Sonntag, 28. Juni zwischen 14 und 18 Uhr.
Der Start befindet sich unterhalb des Kreisels vor dem Grand Casino.

Der Spaziergang führt zuerst an verschiedensten musikalischen Episoden vorbei: einer Klanginstallation von Theo Huser, der Fensteraktion von Vera Brunschwiler, Céline Hüsler, Ewa Soluch und Christina Nadja Wyss, dem Klangkiosk von Simon Berz sowie den Schaufensterliedern von Anna Trauffer. Beim Durchgang zum Bäderquartier unter dem Haus zu den drei Eidgenossen erhält man dann einen portablen CD-Player. Jetzt kann man eintauchen in ein Hörspiel, in dem imaginäre Figuren durch das Bäderquartier führen und es mit Geschichten beleben.
Der Spaziergang dauert insgesamt etwa 70 Minuten und es kann jederzeit gestartet werden.

Wie wird man denn Musikvermittlerin?

Ich habe Klavier studiert, bin also Musikerin. Und in einem zweijährigen Nachdiplomstudium habe ich dann die Ausbildung zur Musikvermittlerin/ Konzertpädagogin gemacht.

Ist Musik grundsätzlich ein schwerer Stoff, der erst so verarbeitet werden muss, dass er zugänglich wird?

Mit den Inhalten der klassischen Musik können heute viele nicht mehr viel anfangen, das zeigt sich auch an den schrumpfenden Besucherzahlen. Ich versuche deshalb, die Musik mit neuen Formen zu vermitteln. Wobei für mich auch ein Geräusch Musik ist.
(Sie rückt einen Stuhl auf dem Boden hin und her, ein schnarrendes Pfeifen entsteht, füllt für Sekunden den Raum, und durch das Hinhören scheint die folgende Stille im Raum beinahe greifbar.) Auch solche Geräusche sind Musik.

S ie unterrichten an der Kantonsschule Baden Klavier, sind Dozentin an der ZHdK und der HKB, sind Co-Leiterin von kabel - Musikvermittlung für junge Ohren und Mitherausgeberin von «Klaxon», einer Musikzeitschrift für Kinde,r und Sie haben selbst drei Kinder. Wie bringen Sie all diese Aufgaben unter einen Hut?

Das Nachdiplomstudium hat tatsächlich viel Zeit in Anspruch genommen, das war eine harte Periode. Aber jetzt bin ich in der glücklichen Lage, dass ich meine Zeit gut einteilen kann. Und natürlich erhalte ich Unterstützung von meiner Familie.

Wie kommen Sie immer wieder auf Ideen für neue Projekte?

Eine neue Idee entsteht oft schon beim Realisieren eines aktuellen Projekts. Das ist das Schöne an meinem Beruf, dass ich immer wieder neue Ideen haben kann.

Kommen wir zu Ihrem aktuellen Projekt: Sie haben zusammen mit Verena Berthold und Silvia Schlegel, beides Historikerinnen, und Petra Ronner, Co-Leiterin von GNOM (Gruppe für neue Musik Baden), einen Hörspaziergang organisiert . . .

An diesem Projekt waren wir schon etwa 2 Jahre dran. «Öffnungen» ist ein Hörspaziergang für Kinder und Erwachsene. Der Spaziergang führt durch die Bäderstrasse und durchs Bäderquartier.

Sie selbst leben in Zürich, wieso inszenieren Sie diesen Hörspaziergang in Baden?

Auch wenn ich heute in Zürich wohne, Baden bin ich immer noch sehr verbunden. Ich habe lange Zeit in Baden gelebt. Und unterrichte immer noch an der Kantonsschule Baden.
Und ausserdem: In Baden ist so etwas wie «Öffnungen» realisierbar, in Zürich wäre das weniger möglich. Als wir im Vorfeld alle informiert haben, die Stadt, die RVBW und auch die Anwohner des Bäderquartiers, sind wir mehrheitlich auf offene Ohren gestossen.

Weshalb findet der Hörspaziergang im Bäderquartier statt ?

Das Bäderquartier ist einfach ein besonderer Ort in Baden. Hier gibt es ganz spezielle Lokale, die im Übrigen sofort bereit waren, bei dieser Idee einzusteigen. Es ist hier ganz viel Initiative möglich, aber nur mit enormem Einsatz.
Und natürlich ist dieser Teil von Baden auch geschichtlich sehr interessant, sodass es nahe liegt, Geschichten zu erzählen, die hier passiert sein könnten, als alles noch ganz anders war.
Und gerade jetzt befindet sich das Quartier wieder im Umbruch: Wir mussten sogar eine Szene des Hörspiels wieder umschreiben, weil ein grosser Baum, der darin vorgekommen ist, in der Zwischenzeit gefällt wurde.