Tourismus
Region Solothurn: Tourismus bündelt seine Kräfte

Tourismusforum - Solothurn, Drei-Seen-Land und Jura gemeinsame Destination: Gelingt es der Region Solothurn zusammen mit der Region Jura-Seeland touristisch durchzustarten? Oder ist die Destinationsbildung doch nur ein Alibi? Das 9. Solothurner Tourismusforum suchte Antworten auf diese Fragen.

Drucken
Teilen
Solothurn, Drei-Seen-Land und Jura als gemeinsame Destination

Solothurn, Drei-Seen-Land und Jura als gemeinsame Destination

Solothurner Zeitung

Andreas Toggweiler

Im vergangenen Mai haben sich Tourismus-Regionen aus sechs Kantonen der Westschweiz unter dem Namen Jura Region/Drei-Seen-Land zur gemeinsamen Vermarktung zusammengefunden. Auch Region Solothurn Tourismus ist dabei. An einer Podiumsdiskussion unter der Leitung von Azeiger-Redaktionsleiter Christoph Rölli diskutierten Hans Stöckli (Stadtpräsident von Biel), sein Solothurner Amtskollege Kurt Fluri, Martin Heller (Künstlerischer Direktor der Expo.02 und Intendant der europäischen Kulturhauptstadt Linz 2009) sowie Konrad Gerster (Unternehmensberater Gastro Bern) über dieses neue Tourismus-Konglomerat.

«Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen», zeigte sich Hans Stöckli euphorisch, denn es sei nicht einfach gewesen, die Interessen einer so vielfältigen Region, zumal in sechs verschiedenen Kantonen gelegen, unter einen Hut zu bringen. Für das laufende Jahr stehe ein Budget von 1,7 Mio. Fr. zur Verfügung, und Schweiz Tourismus habe die neue eigenständige Destination anerkannt. Erster sichtbarer Ausfluss dieser Kooperation ist ein Hotelprospekt mit den besten Häusern im Jura-Dreieck zwischen Solothurn, Pruntrutt und Yverdon. «Und mit Solothurn haben wir das schönste Eingangstor in diese Region.»

Nicht nur Glanzlichter
Kurt Fluri oblag es, angesichts dieser Überschwänglichkeit auch auf die zahlreichen ungelösten Probleme hinzuweisen. In der Region Solothurn sei die Zukunft der stillgelegten Weissensteinbahn ungewiss. Die Bielersee-Schifffahrts-Gesellschaft fahre in finanziell überaus seichten Gewässern und werde jetzt auch noch mit staatlich subventionierter Konkurrenz aus dem Kanton Neuenburg bedrängt. Zudem sei es in der Region Solothurn noch immer nicht gelungen, die Gemeinden für die Finanzierung der Tourismusaufgaben zu gewinnen. Seit Jahren trage die Stadt die ganze finanzielle Last der Tourismusförderung allein, und eine Änderung dieses Zustands sei leider nicht absehbar.

Fast die Werte des Rekordjahrs

Der Solothurner Tourismusdirektor Jürgen Hofer konnte am 9. Solothurner Tourismusforum zunächst einmal erfreuliche Zahlen präsentieren. Mit knapp 116 000 Übernachtungen seien 2009 die Rekordzahlen des Vorjahres zu 98,1 Prozent erreicht worden, vermeldete Hofer. Und mit dem «Bären» stehe ein weiteres Hotel vor der Eröffnung. Eine immer grössere Bedeutung haben für Solothurn die Tagesausflügler. Dies zeige auch die Rekordzahl der Stadtführungen, von 1635 (+17 Prozent). Auch Hofer lobte die neue gemeinsame Marketingoffensive der weiteren Region (vgl. Haupttext). Für die weitere Strategiebildung werden die Resultate eine Wertschöpfungsstudie hilfreich sein, die ab April vorliegen wird.
Trotzdem sei die aktuelle Stimmung gedämpft. Hofer sprach sogar von einem «Katzenjammer», der mit der absehbaren Schliessung der Bergbahn ausgebrochen sei. Drei bis vier Jahre werde man ohne Seilbahn leben müssen, und der Ausbau der Passstrasse sei «illusorisch». Die Zukunft des Kurhauses Weissenstein sei gefährdet. Er verwies auf die Solidaritätsaktion «Mir stöh uf üse Bärg» vom kommenden Sonntag. (at.)

«Wenn niemand die Kuh füttert, gibt es auch nichts zu melken», führte Konrad Gerster zu diesem Umstand etwas plakativer aus. Es sei deshalb eine Illusion, auf die Politik zu hoffen. «Für die Destinationsbildung können nur die Leistungsträger infrage kommen, also die Touristikunternehmen und das Gastgewerbe. Alles andere funktioniert nicht», so Gersters Schlussfolgerung.

Prospekt: Na ja ...
Ostentativ blätterte Martin Heller inzwischen im neuen Hotelprospekt. Seine Bemerkung traf voll ins Schwarze. «Die gemeinsamen Bemühungen sind sehr zu begrüssen, doch ist bei der Gestaltung der Broschüre offenbar der Schnauf ausgegangen.» In der Tat prangt auf der Titelseite ein anonymes Hotelzimmer im Nirgendwo - der Kompromiss, der Regionen, der die vergebene Chance nicht besser aufzeigen könnte.
Stöckli liess sich nicht beirren: «Der Inhalt steht. Jetzt können wir noch an der Verpackung arbeiten.» Einig waren sich die vier Podiumsteilnehmer, dass sich die Region für Inland- und Auslandtourismus verschieden vermarkten muss. Für das Schweizer Publikum wirke die Vielfalt der Expo-Region am Wasser noch immer nach.
Die Uhr als Galionsfigur
Für ein internationales Publikum brauche es hingegen ein Markenzeichen. Für Stöckli besteht dieses zweifellos in der Uhr und der zugehörigen Industrie. Als Heimat von klingenden namen wie Breitling, Rolex oder Omega lasse sich die Region durchaus global vermarkten. Das Musikgehör der Uhrenpatrons für diese Synergien muss allerdings erst noch geweckt werden.

Aktuelle Nachrichten