Hans-Martin Jermann

Der Öffentliche Verkehr kommt bei den Baselbieter und Basler Fahrgästen sehr gut weg: In einer neuen Zufriedenheitsstudie erreicht er 77 von 100 möglichen Punkten: «Das ist ein nationaler Spitzenwert», sagt der Baselbieter Verkehrsdirektor Jörg Krähenbühl und verweist auf vergleichbare Studien aus anderen Kantonen. Das gute Resultat komme indes nicht ganz überraschend: «Schliesslich lassen sich die beiden Basel den ÖV einiges kosten», betont Krähenbühl. Alleine im Baselbiet waren es zwischen 2005 und 2008 255 Millionen Franken.

«Jedes Unternehmen hat seine Stärken»

Mit 78 Punkten den Spitzenplatz unter den ÖV-Anbietern in der Region belegt die Baselland Transport (BLT). Jeweils einen Punkt dahinter folgen die Basler Verkehrsbetriebe (BVB), die SBB und die Postauto Schweiz AG. Mit 71 Punkten fallen die Waldenburgerbahn (WB) und die Autobus AG Liestal (AAGL) leicht ab. Diese kleinen Unterschiede sollten nicht überbewertet werden, betonen die ÖV-Verantwortlichen beider Basel. «Schliesslich wird der ÖV als ein System wahrgenommen», sagt der Basler Alain Groff. Sein Baselbieter Kollege Markus Meisinger doppelt nach: «Jedes Transportunternehmen in der Region hat seine Stärken und Schwächen.»

Tatsächlich: Die WB trumpft bei der Pünktlichkeit auf, dagegen lässt der Fahrkomfort - Stichwort: veraltetes Rollmaterial - zu wünschen übrig. Dasselbe Problem beklagt die BLT. Dafür geben die Baselbieter ÖV-Benutzer der BLT für Netz und Fahrplan gute Noten. Im aktuellen ÖV-Leistungsauftrag des Kantons ist die Beschaffung von neuen Zügen aber vorgesehen. «Dies wird sich in der nächsten Studie positiv bemerkbar machen», ist Regierungsrat Krähenbühl überzeugt. Die Reaktionen auf das neue Tango-Tram der BLT seien rundweg positiv. Gut kommen offenbar auch die Flirt-Züge der Regio-S-Bahn an: Im Vergleich zu den anderen schienengebundenen Unternehmen sind die Zufriedenheitswerte der SBB-Kunden mit dem Rollmaterial höher.

Wunsch nach mehr Trams in der Nacht

Die Liestaler AAGL hat sowohl beim Netz als auch bei der Pünktlichkeit schlechte Noten eingefahren. Daran sei nicht in erster Linie die AAGL schuld, betont Markus Meisinger. «Die teilweise neue Linienführung im Raum Liestal/ Frenkendorf/Füllinsdorf wird der AAGL angekreidet. Verantwortlich ist aber der Kanton, der dies beschlossen hat.» Zu den Verspätungen auf den Buslinien 70 und 80 komme es nicht zuletzt wegen der Staus auf der Rheinstrasse. «Mit dem Bau der H2 wird sich die Situation verbessern», sagt Krähenbühl optimistisch.

In Basel ist die Zufriedenheit mit den BVB generell hoch. Allerdings ist auch hier das Rollmaterial ein Thema. Die Basler ÖV-Benutzer wünschen sich zudem mehr Trams nach 21 Uhr sowie an Sonntagen. «Eine Frage der Finanzierbarkeit», wie der Basler ÖV-Verantwortliche Groff nüchtern anfügt. Verbesserungspotenzial sehen sie zudem bei Vergünstigungen, Rückerstattungen und Sondertickets. Überraschend fördert die Studie hingegen zu Tage, dass das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste hoch ist, auch in der Nacht.

Das grösste Problem ist der Umgang mit Reklamationen: Die Studie macht hier bei allen Transportunternehmen eklatante Defizite aus. «Das Reklamationsmanagement muss unbedingt überprüft werden», fordert Alain Groff. Auch wenn einzelne beanstandete Fälle wohl nicht matchentscheidend für die Qualität seien: «Hier lauern grosse Gefahren, dass ein Transportunternehmen plötzlich ein schlechtes Image kriegt.»