Franz Osswald

Es kam, wie es kommen musste. Bei der Diskussion der Synode der römisch-katholischen Landeskirche Baselland über die Totalrevision der Angestellten- und Besoldungsordnung entbrannte ein Wortgefecht über den Paragraphen 10 «Entzug der kirchlichen Sendung».

Dass «Röschenz» noch nicht verdaut ist, war deutlich spürbar, die Rede war im Vorfeld auch von einer «Lex Röschenz», was Landeskirchenrat Albert Equey vehement verneinte. «Die Kirchenbehörde braucht endlich eine Handhabe, der Paragraph ist eine Stärkung für den Landeskirchenrat», meinte er.

Das sahen indessen nicht alle so. Robert Weller verlangte im Namen der Kichgemeinde Binningen-Bottmingen die Streichung des Paragraphen. «Was wir brauchen, ist ein Dialog mit dem Bischof und nicht nur eine Verfahrensprüfung». Und damit sprach er genau den wunden Punkt an, um den sich die Diskussion fortan drehte.

Dass der Auftrags-Entzug nicht zur Debatte stand, sagte Landeskirchenrat Albert Equey im Klartext: «Über inhaltliche Fragen des Missioentzuges haben wir nichts zu sagen.» Dies bestätigte auch der Präsident des Landeskirchenrates, Ivo Corvini. «Wir können lediglich feststellen, ob der Bischof bei seinem Entscheid den Rechtsweg eingehalten hat, also beispielsweise der betroffenen Person eine Anhörung gewährt hat. Ob der Grund des Bischofs für seinen Entzug der Missio stichhaltig ist, ist nicht relevant, da es nicht zum Aufgabenbereich des Landeskirchenrates gehört, über dessen Rechtmässigkeit zu befinden.» Hat der Bischof den Rechtsweg eingehalten, müsse die zuständige Behörde das Kündigungsverfahren einleiten, sagte Corvini.

Den Synodemitgliedern wurde hier - zum Teil schmerzlich - bewusst, dass gewisse innerkirchliche Angelegenheiten nicht nach demokratischen Regeln gelöst werden müssen, sondern sich nach der Hierarchie richten. Diese Ohnmacht kristallisierte sich in der Frage von Pfarrer Peter Bernd, «welche Kirche wir für die Zukunft wollen». Er sprach dabei Suspendierungen von Amtskollegen in Deutschland aus Gründen an, die in den Medien heiss diskutiert worden waren. Ein Paragraph 10 in der Verordnung würde, so Bernd, ein falsches Zeichen für die Zukunft setzen.

Der von Robert Weller vertretene Streichungsantrag hatte vor der Synode keinen Bestand und wurde deutlich abgelehnt. So setzte sich schliesslich der Antrag von Viktor Lehnherr aus Aesch durch, der eine präzisierende Ergänzung des Paragraphen in folgendem Sinne forderte: «Aufgabe der Behörden ist es, die Richtigkeit des Verfahrens zu prüfen.» Die Vorlage wird in einer zweiten Lesung nochmals der Synode vorgelegt.

Nach der ganzen Diskussion gewinnen die Worte, die in der Andacht vor der Synodesitzung an die Wand projiziert worden waren, eine neue Aktualität: «Gott, gib uns Gelassenheit, um das zu tragen, was wir nicht ändern können, und gib uns Mut, das zu ändern, was uns möglich ist.»

Eine Position wurde am ganzen Abend nie angesprochen: jene des Bischofs. Wenn nämlich eine Kirchgemeinde ihren Pfarrer entlässt, dann bleibt es dem Bischof «vergönnt», für seinen Untergebenen eine neue Arbeit zu suchen, hat er sich doch dem Seelsorger gegenüber bei der Erteilung der Missio verpflichtet, ihn beschäftigen zu können.