Passivraucherschutz
Raum für rauchende Rentner

In Alters- und Pflegeheimen gelten die gleichen Regeln wie im Gefängnis – zumindest, was den Passivraucherschutz anbelangt. Gequalmt wird meist nur noch in den Zimmern und zum Teil kostspieligen Raucherräumen.

Merken
Drucken
Teilen
Fumoir

Fumoir

Solothurner Zeitung

Von Patrick Furrer

Das Rauchen ist für so manche Rentnerin und manchen Rentner eine der letzten Freiheiten, die ihnen im hohen Alter bleiben. Doch die kantonalen und nationalen Regelungen zum Schutz vor Passivrauchen sollen den blauen Dunst aus dem öffentlichen Raum und so aus vielen Altersheimen vertreiben. Durchaus nicht ohne Grund: Rund 1000 Tote fordert das Passivrauchen in der Schweiz jedes Jahr, die Folgekosten für die Gesellschaft werden vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) auf rund eine halbe Milliarde Franken jährlich geschätzt. Im Kanton Bern greift jede fünfte Person regelmässig zur Zigarette, im Kanton Solothurn jede vierte. Alter schützt vor Torheit nicht: 16,5 Prozent aller 65- bis 74-Jährigen landesweit rauchen. Bei den Menschen, die 75 Jahre oder älter sind, beträgt der Anteil noch 7,9 Prozent (Stand 2002).

In Spitalzimmern darf nicht geraucht werden

Die Spitäler der Solothurner Spitäler AG (soH) und der SRO (Region Oberaargau) sind seit längerer Zeit grundsätzlich rauchfrei. Im Bürgerspital Solothurn herrscht bereits seit 2005 ein totales Rauchverbot. Sowohl im Solothurnischen wie im Oberaargau wurden im Freien speziell gekennzeichnete Raucherzonen geschaffen. Eine Ausnahme bildet die stationäre Psychiatrie der SRO: «Für die nikotinabhängigen Patienten wurden extra zwei Fumoirs eingerichtet», erklärt Arzt Kurt Eichenberger von der Stabsstelle der SRO.
Nach den kantonalen Regelungen zum Schutz vor Passivrauchen gilt für Spitäler ein konsequentes Rauchverbot. So darf auch in den Zimmern nicht gequalmt werden. Andererseits haben die Spitäler damit begonnen, für Raucher spezielle Entwöhnungsprogramme anzubieten. Im Bürgerspital besteht eigens eine Fachstelle. Im Kantonsspital Olten wurde vor einem Jahr eine Raucherberatung eingeführt. Denn: Für viele Menschen ist der Aufenthalt im Spital eine der besten und vielleicht letzten Chancen für einen Rauchstopp. (fup)

Früher durfte in Altersheimen fast überall geraucht werden. Neu müssen öffentliche Bereiche wie Cafeterien, Restaurants, Aufenthaltsräume und Durchgangsbereiche rauchfrei sein. Erlaubt ist per Gesetz nur noch das Rauchen in speziellen Raucherräumen oder Fumoirs. Auch in den Zimmern kann weiterhin gequalmt werden, was übrigens auch für Strafvollzugsanstalten, Gefängnisse und Hotelbetriebe gilt. Das Rauchen im Freien ist nicht verboten. Eine Umfrage unter 26 Solothurner und Oberaargauer Altersheimen zeigt: 11 Heime sind heute bereits gänzlich rauchfrei. In den anderen 15 Heimen wurden mehrheitlich abgeschlossene Raucherbereiche installiert, in ein paar ist das Rauchen auch in den «privaten» Zimmern gestattet. Im Kanton Solothurn gibt es derzeit rund 52 und im Oberaargau rund 25 Alters- und Pflegeheime.

«Viele Betriebe lassen es den Bewohnerinnen und Bewohnern frei, ob sie in ihren Zimmern rauchen wollen», sagt Urs Hufschmid, Präsident der Gemeinschaft Solothurnischer Alters- und Pflegeheime (GSA). Dies deshalb, weil es sich um wohnungsähnliche Einrichtungen handelt und alte Menschen in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Im Alterszentrum Wengistein in Solothurn beispielsweise darf auf den Zimmern und draussen geraucht werden. Trotzdem wird gemäss Leiter Hansruedi Moor nur in zwei von insgesamt 75 Zimmern davon Gebrauch gemacht.

Den Senioren diese Möglichkeit zu lassen, sei trotzdem wichtig. «Es wäre nicht vertretbar, das Rauchen in den Zimmern zu verbieten. Das wäre ein zu drastischer Eingriff in die Privatsphäre», erklärt Moor. Auch im «Lindenhof» in Langenthal lässt man den Betagten diese Freiheit. Da diese nur drei von rund 120 Bewohnern nutzen, fällt das allerdings auch hier kaum ins Gewicht.

Gemäss einer Hochrechnung des Vereins der privaten Alters- und Pflegeeinrichtungen senesuisse liegt der Raucheranteil in Heimen nochmals tiefer, nämlich bei 2 bis 3 Prozent. Es überrascht daher nicht, dass bei Weitem nicht alle Betriebe Raucherräume bauen. Vielen Heimen fehlen Zimmer, die in einen belüfteten und abgeschlossenen Raucherraum umfunktioniert werden könnten. Zudem werden die Kosten gescheut. Rund 65 000 Franken musste etwa das Altersheim «am Bach» in Gerlafingen für seinen Raucherraum berappen, der schon vor über einem Jahr installiert wurde.

Wo solche Raucherräume oder Fumoirs bestehen, sind die Erfahrungen wenigstens mehrheitlich positiv: Im Seniorenzentrum Untergäu in Hägendorf besteht bereits seit 2008 ein Fumoir, in dem sowohl Bewohner, Gäste wie auch Angestellte rauchen dürfen. Im Betagtenheim Zuchwil wird demnächst ein Fumoir angebaut, 26 Quadratmeter gross, mit Platz für rund 10 Leute. Auch hier ist die Meinung eindeutig: «Wenn alte Menschen rauchen möchten, dann darf und will man ihnen das nicht nehmen», erklärt Leiter Max Oser.

Dass die Heime den Rauchern etwas bieten wollen, liegt aber offenbar nicht allein an den Bewohnerinnen und Bewohnern. Während der Raucheranteil dort sehr tief liegt, geben viele Heimleitungen an, dass ein recht grosse Teil der Angestellten raucht. Nicht überall ist es dem Personal aber gestattet, im Fumoir zu rauchen, in den Zimmern schon gar nicht. Die Betreuerinnen und Betreuer frieren sich derzeit deshalb in so manchem Altersheim die Finger im Freien ab oder müssen ihrer Sucht beim Hinterausgang oder anderen nicht gut einsehbaren Bereichen nachgeben.