Rauchzeichen aus dem Wynental

Das Tabakmuseum in Menziken feiert das 10 Jahr Jubiläum. Gastreferent Heinrich Villiger

Rauchzeichen aus demWynental

Das Tabakmuseum in Menziken feiert das 10 Jahr Jubiläum. Gastreferent Heinrich Villiger

Vor 10 Jahren öffnete das Tabakmuseum in Menziken und wurde zum Aushängeschild.

Peter Siegrist

Am Freitag feierten die «Tubäkler» des Museums Schneggli in Menziken 10 Jahre Tabakmuseum. Die Besucher überrannten die Organisatoren förmlich, was Ursula Rüesch schon zu Beginn zur lakonischen Bemerkung verleitete: «Das gibt jetzt ein improvisiertes Fest.» Wer nicht Platz hatte im aufgestellten Partywagen, blieb halt draussen und hörte sich die Grussadressen und die Festrede von Heinrich Villiger beim verlängerten Apéro an.

Die Vereinigung Museum Schneggli, Reinach, hat mit dem Tabakmuseum in Menziken einen Aussenstandort erhalten. Vor zehn Jahren hat die Menzikerin Susi Merz eine ehemalige Kapelle restaurieren lassen und als Museumsraum zur Verfügung gestellt. Der passionierte Sammler Urs Merz aus Reinach hat daraufhin seine Schätze nach Menziken gezügelt und die Geschichte der Tabakindustrie im Wynental für grosse und kleine Besucher anschaulich gemacht.

Ohne Kolumbus kein Tabakmuseum

Susi Merz spannte in ihren Grussworten einen Bogen von Kolumbus, der 1492 den Tabak nach Europa gebracht hatte, bis zur Weltberühmtheit von Menziken. An über 400 Führungen hätten sich mehr als 4000 Besucher informiert über die Geschichte der Tabakindustrie im Stumpenland. «Und seit wir mit dem Museum im Internet sind, ist Menziken weltberühmt.» Kolumbus hätte wohl Freude, meinte die Rednerin, sei doch der Tabak vor 170 Jahren zum Segen für die Region geworden, indem er Verdienst für die Bevölkerung brachte.

Gemeindeammann Annette Heuberger äusserte, es sei fast wie im Märchen. Da sammle ein Idealist intensiv und mit Akribie alles, was mit der Tabakindustrie zu tun hat, bis er kaum mehr Platz hat, seine Objekte aufzustellen. Und dann sei Susi Merz, «Madame Museum», gekommen mit ihrer Kapelle. Sie erlebe an Führungen immer wieder, dass hier nicht tote Geschichte erzählt werde, dass die Tubäkler-Crew das Museum mit Leben fülle, sagte Heuberger.

Tabakindustrie im Clinch mit WHO

Heinrich Villiger, Inhaber der Villiger Söhne Holding AG, in den Medien auch als Grandseigneur der Zigarrenbranche bezeichnet, gab in seiner Festrede eine kurze Tour d’Horizon über die Entwicklung der Tabakindustrie. Er zeigte auf, wie sich die Situation der Industrie mit der Mechanisierung veränderte, wie ein Konzentrationsprozess einsetzte. Heute gibt es in der Schweiz noch drei Zigarren- und Tabakfabrikanten, wobei auch diese einen Arbeitsvorgang nach Indonesien ausgelagert haben. Die beiden Schweizer Firmen, Burger/Dannemann und Villiger gehörten jedoch auch heute zur internationalen Spitzenklasse.

«Die grösste Gefahr», so Villiger, «droht der Branche seitens der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die dem Tabakgenuss den unerbittlichen Kampf angesagt hat.» Da sei die Industrie heute in der Defensive.

Ursula Rüesch lud die Gesellschaft zu einer Bündner Gerstensuppe, auf dem Holzfeuer gekocht, ein, serviert wurde im Gamellendeckel. «Es ist zwar paradox», erklärte sie, «aber rauchen darf man hier nur im Freien.»

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