Strafgericht

Rauchen löste Explosion aus

Ein 77-jähriger Raucher verursachte mit seinem Stumpen eine Explosion.

Stumpen

Ein 77-jähriger Raucher verursachte mit seinem Stumpen eine Explosion.

Benzin, Luft und Feuer vertragen sich nicht: Das Strafgericht bestraft einen Raucher, der eine Explosion ausgelöst hat.

Patrick Rudin

Es war ein schöner Sommernachmittag im August 2005, als ein Vater mit seinem Sohn einen Volvo S740 auf dem Rasen hinter dem Haus ausschlachten wollten. Beim aufgebockten Fahrzeug wollte der Vater das Restbenzin ablassen. Nach einem erfolglosen Versuch mit der Bohrmaschine spitzte er schliesslich mit Hammer und Stecheisen ein Loch in den Tank und legte eine Plastikwanne darunter. Das Restbenzin floss heraus, schliesslich leerte er die Wanne in einen grösseren Behälter um.

Nur wenige Meter entfernt sass ein Freund von ihm auf einem Pneu und rauchte einen Stumpen: Der 77-jährige hatte schon oft beim Transport von ausgedienten Autos geholfen. Plötzlich gab es eine grosse Explosion, die Stichflamme soll 15 Meter hoch gewesen sein, selbst einige Bäume in der Umgebung wurden dabei leicht angesengt.

Schwere Verbrennungen

«Ich war sofort weg. Nur schwach erinnere ich mich daran, dass man mich mit dem Hubschrauber ins Spital transportierte», sagte der Vater gestern vor Gericht aus. Sein Sohn hatte ihn mit einem Gartenschlauch gelöscht, dennoch waren die Verletzungen schlimm: 18 Prozent der Körperfläche wiesen Verbrennungen zweiten oder dritten Grades auf. Noch heute leidet er an den Folgen.

Für die Kriminaltechnik war der Fall klar: Der 77-jährige Freund der Familie hatte die Explosion mit seinem Stumpen ausgelöst. «Der Wind kam vom Bach her in meine Richtung. Mein Stumpen kann an der Explosion nicht schuld sein», verteidigte sich der 77-Jährige gestern vor Gericht. In Wirklichkeit sei das Kabel der Bohrmaschine defekt gewesen. Dort habe es «gezüngelt»; vermutlich sei das Feuer so ausgebrochen. «Glut kann nicht gegen den Wind fliegen. Wäre der Brand bei ihm entstanden, hätte er selbst ebenfalls Verbrennungen erlitten», argumentierte sein Verteidiger.

Geräte ausgeschaltet

Doch Gerichtspräsident Christoph Spindler betonte, laut der Kriminaltechnik sei die Glut des Stumpens zweifelsfrei die Ursache des Brandes gewesen. «Die Elektrogeräte standen zum Zeitpunkt der Explosion nicht unter Last, und die Geschichte mit dem angeblich kaputten Kabel war in der gesamten Voruntersuchung bis heute kein Thema und tauchte erst heute an der Verhandlung auf», sagte Spindler. Er sprach den 77-jährigen Mann der fahrlässigen Verursachung einer Feuersbrunst sowie der fahrlässigen schweren Körperverletzung schuldig und bestätigte damit eine Geldstrafe auf Bewährung von 9000 Franken, die das Statthalteramt Waldenburg verhängt hatte. «Jeder Mensch weiss, dass man beim Hantieren mit Benzin nicht rauchen darf», begründete Spindler das Urteil.

Opfer duldete Rauchen

Der Verurteilte muss dem Verbrennungsopfer eine Genugtuung von 8000 Franken bezahlen, dessen Anwaltskosten von 7000 Franken übernehmen und grundsätzlich 75 Prozent der Heilungskosten abstottern. Diese sogenannte Haftungsquote beträgt nicht hundert Prozent, weil das Opfer regelmässig geduldet habe, dass der Freund während solcher gefährlicher Arbeiten rauche. Deshalb trage es eine Mitschuld. Das Urteil kann von allen Parteien noch weitergezogen werden.

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