Katja Schlegel

Ein Skudde ist nicht einfach nur ein Schaf. «Es ist viel lebhafter, wilder und anspruchsvoller als ein normales Schaf», sagt der Wettinger Skuddenzüchter und Klostergärtner Benedikt Egloff. Und es sei auch weitaus schlauer. «Skudden trotten nicht jedem hinterher», sagt Egloff. Im Gegenteil: Werden die Tiere sich selbst überlassen, verwildern sie rasch. «Die Tiere sollten ihren Halter jeden Tag sehen. Nur so bleiben sie zutraulich.»

Seit etwa 20 Jahren wieder Zucht in der Schweiz

Ein gefitztes Tier also, das Skuddenschaf. Und trotzdem eines, das bis vor kurzem noch vom Aussterben bedroht war. Nachdem die kleinen, robusten Schafe jahrhundertelang in den kargen Küstengebieten Osteuropas gelebt hatten, wurde ihr Bestand während der beiden Weltkriege drastisch reduziert. «Glücklicherweise wurden Skudden wegen ihres delikaten Fleisches in Zoos als Raubtierfutter gehalten», sagt Egloff. Diese wenigen Futter-Tiere konnten dann als Grundlage für neue Zuchten verwendet werden. Die Rasse wurde zum Pro-Specie-Rara-Schützling.

In der Schweiz werden die robusten Tiere seit rund 20 Jahren wieder gezüchtet, seit 1992 kümmert sich der Verband Schweizer Skuddenzüchter um die Erhaltung. Und dazu gehören auch alljährliche Schauen, wo die Tiere auf ihr Zuchtpotenzial geprüft und Widder verkauft werden. Natürlich soll auch der Austausch unter den Züchtern stattfinden. Für Unterhaltung bei den Besuchern sorgen Geschicklichkeitsspiele, Schaufilzen und eine Festwirtschaft. Dieses Jahr hat sich der Verein als Austragungsort für diese Schau zum ersten Mal das Wettinger Kloster ausgesucht. «Weil die alten Tiere so gut zur geschichtsträchtigen Kulisse passen», erklärt Egloff. Schliesslich seien Klöster über Jahrhunderte der Ort für landwirtschaftliche Ausbildung und den Austausch von Tieren und Samen gewesen.

Klostergärtner Egloff und seine Skudden haben etwas gemeinsam: die Leidenschaft fürs Gärtnern. «Skudden sind ausgezeichnete Biotop- und Landschaftspfleger.» Die kleinen Schafe hinterlassen keine Trittschäden, fressen Laub und zerbeissen Sträucher. Dass die 100 Skudden, die Anfang September in «seinem» Klostergarten ausgestellt werden, das eine oder andere abfressen könnten, macht Egloff keine Angst: «Die Tiere sind in Gehegen eingepfercht - und selbst wenn eines etwas anknabbern würde, wäre das nicht schlimm.»