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Raser von Schönenwerd: Tod in Kauf genommen

Ein ausgesprochen hartes Urteil strebt die Anklage im Fall des Rasers von Schönenwerd an: Vorsätzliche, nicht fahrlässige Tötung. Ein Urteil, das Schule macht?

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Aargauer Zeitung

So schnell wie möglich vom Aarauer Telli via Schachen nach Schönenwerd rasen: Dieses offenbar mehrfach praktizierte «Hobby» von drei jungen Lenkern aus dem Niederamt kostete am 8. November 2008 einer 21-jährigen Frau das Leben. Vorsätzliche Tötung, sagt die Anklage.

Die gestern veröffentlichte Klageschrift der Solothurner Staatsanwaltschaft wirft den drei damals 18-Jährigen vor, mit ausserorts 117 bis 135 km/h und von 116 bis 129 km/h bei der Ortseinfahrt Schönenwerd unterwegs gewesen zu sein. Nach mehreren Überholmanövern kam es nachts, um 1.40 Uhr, in Schönenwerd zum tödlichen Crash: Mit dem Audi A4 Quattro seines Vaters raste ein griechischer Staatsangehöriger in ein gerade abbiegendes, unbeteiligtes Fahrzeug. Die Mitfahrerin auf dem Rücksitz dieses Wagens wurde sofort getötet, Lenker und Beifahrerin wurden verletzt.

«In Mittäterschaft gehandelt»

Die Anklage lautet gegen alle drei gleich: vorsätzliche Tötung, vorsätzliche schwere bzw. einfache Körperverletzung sowie grobe Verletzung der Verkehrsregeln. Die drei hätten «in Mittäterschaft» gehandelt, stellt Staatsanwalt Rolf von Felten fest. Durch schlüssiges Verhalten und entsprechend ihren bisher praktizierten Gewohnheiten hätten sie den gemeinsamen Tatentschluss gefasst. Davon zeugten «schnelles Hintereinanderherfahren mit geringen Abständen sowie gegenseitiges Überholen sowie Überholen unbeteiligter Fahrzeuge». Beim Zusammenstoss hatte der Audi gemäss eines Gutachtens immer noch zwischen 101 und 116 Sachen auf dem Tacho, heisst es in der Klageschrift.

Die drei Männer hätten die «möglichen Folgen ihrer unverantwortlichen Fahrweise (...) zumindest in groben Zügen vorhergesehen und den Tod von Verkehrsteilnehmern bzw. schwere Körperverletzungen in Kauf genommen». Sollte das Gericht diese Sicht nicht teilen, beantragt der Staatsanwalt einen Schuldspruch zumindest wegen fahrlässiger Tötung bzw. fahrlässiger schwerer Körperverletzung.

Das Amtsgericht Olten-Gösgen in Olten nimmt die Verhandlung am Montag, 20. September auf (Dauer bis voraussichtlich 28. September). Gerichtspräsident Pierino Orfei hat neben den drei Beschuldigten auch 14 Zeugen vorgeladen. Zudem sollen zwei Sachverständige angehört werden. (ums.)