Todesfall

Radio- und Fernsehpionier Heiner Gautschy gestorben

Portrait von Heiner Gautschy im 1971 (Archiv)

Portrait von Heiner Gautschy im 1971 (Archiv)

Die Schweizer Radio- und Fernsehlegende Heiner Gautschy ist am Mittwochabend im Alter von 91 Jahren in Zürich gestorben, wie der frühere TV-Redaktor Erwin Koller mitteilte. Gautschy war der erste USA-Korrespondent des Schweizer Radios.

Mit der unverkennbaren Ansage "Hallo Beromünster, hier spricht Heiner Gautschy in New York" prägte der Journalist das USA-Bild einer ganzen Generation. Er war in den 50er und 60er Jahren eine der bekanntesten Stimmen des Schweizer Radios DRS.

Als Sohn einer Fabrikantenfamilie wurde Gautschy am 20. November 1917 in Basel geboren. Nach seinem Geschichtsstudium an der Universität Basel und journalistischen Tätigkeiten in verschiedenen Medien ging er 1949 im Alter von 32 Jahren als Korrespondent nach Amerika.

Bis 1967 analysierte und kommentierte Gautschy das Zeitgeschehen in den Vereinigten Staaten fürs Radio. Er hatte auch verübergehende Einsätze in China, der Sowjetunion und Kuba.

Für das grosse Publikum bekam die legendäre Stimme ein Gesicht, als Gautschy 1967 zum Schweizer Fernsehen geholt wurde. Er war Mitbegründer und bis 1976 Leiter des politischen Magazins "Rundschau".

Auch mit der Talksendung "Link" erreichte Gautschy ein grosses Publikum. Zudem präsentierte er von 1972 bis 1974 das politische Quiz "Test". Über hundert zum Teil hochkarätige Persönlichkeiten waren zwischen 1977 und 1984 zu Gast in seiner Sendung "Unter uns gesagt".

Nach einem nach Meinung der TV-Verantwortlichen zu aggressiv geführten "Unter uns gesagt"-Gespräch im Jahr 1984 mit dem damaligen "Blick"-Chefredaktor Peter Übersax verlor der bereits im Pensionsalter stehende Gautschy seinen Fernseh-Job.

Bei den Medien war er weiter ein willkommener Gast, sei es in Gesprächsrunden oder als Kommentator. Für den Zürcher Lokalsender "Radio 24" war er beispielsweise auch als Berichterstatter von US-Präsidentenwahlen tätig, kehrte also quasi zu seinen Anfängen zurück.

Nach einem fünfmonatigen Spitalaufenthalt nach einem Oberschenkelhalsbruch in diesem Frühling war Gautschy körperlich geschwächt. Geistig sei er aber noch sehr präsent gewesen, wie Koller auf Anfrage sagte.

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