Bus

Quer durch Aarau und mitten durchs Leben

Die Buslinie Nummer zwei transportiert rund 8000 Personen täglich.

Buslinie 2

Die Buslinie Nummer zwei transportiert rund 8000 Personen täglich.

Die Buslinie Nummer zwei ist die meistgenutzte Busverbindung in der Region Aarau. Die 16 Kilometer lange Tour führt von Rohr über 26 Haltestellen bis auf die Barmelweid. Dazwischen durchquert sie den Aarauer Alltag.

Im Siebenminutentakt wiederholt sich das Geschehen am Aarauer Bahnhof: Bus Nummer zwei fährt vor, spuckt hastig Passagiere aus und saugt die Wartenden auf. Unglaubliche 2,9 Millionen Fahrgäste hat die Buslinie Nummer zwei im vergangenen Jahr befördert - mit grossem Abstand am meisten der sieben Buslinien von AAR bus + bahn. Die Verbindung zwischen Rohr und Barmelweid ist die wichtigste der Region Aarau. Sie bringt die Menschen aus der östlichen und der westlichen Agglomeration in die Stadt.

Die Fahrt von Rohr auf die Barmelweid dauert 38 Minuten und führt mitten durch Aarau hindurch. Vom Telli-Quartier hinauf zum Bahnhof; hier wechselt nicht nur der Pulk der Fahrgäste, auch der Chauffeur wird manchmal von einem Kollegen oder einer Kollegin abgelöst. Weiter geht es der Bahnhofstrasse entlang und über die Pflastersteine der Aarauer Altstadt. Via Kettenbrücke verlässt der «Zweier» die Stadt in Richtung Erlinsbach. Von da wälzt sich der weisse Koloss Kurve um Kurve in die Höhe bis zur Endstation Barmelweid.

Für Buschauffeur Jesus Naranjo ist die Linie zwei aber «eine Linie wie jede andere.» Unter den Chauffeuren gebe es keinen Ansturm auf diese Strecke. «Sie ist zwar schon angenehm zum Fahren», sagt Naranjo. Es gibt keine 30er-Zone, und man könne daher sehr flüssig fahren. «Etwas mühsam sind aber die 20 Minuten Wartezeit oben auf der Barmelweid, bis man wieder hinunterfahren kann.» Ein Kaffee in der Klinik schafft Abhilfe.
Während man auf der Fahrt hinauf zur Barmelweid fast der einzige Fahrgast im 18,5 Meter langen Bus ist, wird es auf der Fahrt vom Bahnhof in die Telli meist sehr eng und laut. Die Sitzplätze sind restlos belegt, und wer steht, muss sich wegen eines Sturzes keine Sorgen machen - die Fahrgäste stehen dicht gedrängt. Viele sind jung. Es dominieren Handys und iPods. Das Ziel der meisten dieser Fahrgäste ist die Berufsschule in der Telli. «Den Zweier nehmen wir zweimal pro Tag», bestätigt Berufsschüler David Meier. Am Morgen in die Telli hinunter und am Abend wieder hinauf.
Für einmal vermag das Wummern des Motors die lauten Diskussionen nicht zu übertönen und man erfährt, wer in der Mathematikprüfung nur die Note vier erzielt hat, oder wer der angesagteste Hip-Hop-Act aus den USA ist. Bei der Berufsschule in der Telli werden die Taschen gepackt und die Rucksäcke geschultert. Der Bus entleert sich merklich. Nun hat auch die Einkaufstasche wieder auf dem Nebensitz Platz. «Zweimal pro Woche geht es zum Einkauf in die Stadt», sagt Carmen Stöckli aus Rohr.
Nicht alle Einkaufstaschen sind mit Eingekauftem gefüllt. Aus einem Coop-Sack blicken zwei Hundeaugen. Fragende Blicke quittiert die Halterin mit einem Stöhnen: «Neue Vorschriften.»
Beim Telli-Center füllt sich der Bus aufs Neue. Jeder sucht sich seinen Platz - möglichst allein auf einer Bank. So bildet sich eine neue Fahrgemeinschaft.

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