Sabine Kuster

Mit einer grossen Schachtel, schwerer Handtasche und zwei Kleidersäcken ist Verena Zeller auf dem Weg zu einem Fotoshooting für das Magazin «Der:die:das» in Zürich. Man will zwei Kleider ihrer Diplom-Kollektion in der nächsten Ausgabe zeigen. In Aarau, wo sie einst die Neue Kantonsschule besuchte, macht sie Zwischenstopp, um von ihrer Leidenschaft zu erzählen.

Erst in der Kanti-Zeit merkte sie, dass sich all das, was sie gerne tut, mit Mode verwirklichen lässt. Sie war keines dieser Mädchen, die in den Stöckelschuhen ihrer Mutter und rot geschminkten Lippen vor dem Spiegel rumstolzierten. «Ich wollte immer mich selbst sein», sagt sie. Doch provozieren, das wollte sie schon damals. Als 6-Jährige schnitt sie sich ihre langen blonden Haare bis auf drei Zentimeter ab und lief später als Punk mit grünen Haaren in einem schwarzen Pulli mit Löchern herum. «Wo ich aufgewachsen bin, ist es einfach zu provozieren», sagt sie und lacht. Ihren entsetzten Kolleginnen sagte sie: «Ihr habt keine Ahnung.» Ohne Selbstbewusstsein wäre sie kaum Modedesignerin geworden: «Du musst wissen, was du willst, sonst bist du verloren.»

Sie will edle Materialien wie Fell, Cashmere, Seide. Sie will Kleider kreieren, die noch keiner gesehen hat. Sie will nach Paris. Die Schöftlerin hat die Stadt in sich aufgesogen, als sie zum ersten Mal für ein halbes Jahr da war.

Wie sie so begeistert erzählt und die sorgfältig gestaltete Arbeitsdokumentation erklärt, scheint Paris nicht unerreichbar. Durchhaltewillen hat sie schon für ihre Diplomkollektion gezeigt: Fünf Monate lang verliess sie die Schule, nur um schlafen zu gehen oder um an der Kasse eines Klubs Geld zu verdienen.

Nun wird sie zwei Monate in der Textiliensammlung im Museum der Kulturen in Basel arbeiten. Und dann, sie weiss es, wird noch manches Praktikum für 300 Euro im Monat oder gar keinen Lohn folgen, bis sie endlich in einem grossen Pariser Modehaus ist.