Protest der Lengnauer Lehrerin sorgt für Wirbel

Der Brief der Lengnauer Lehrerin Margrit Matyscak hat unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Sie beschrieb darin die Respektlosigkeit der Schülerschaft. Eines ist klar: Solche Nöte sind ein Thema an den Schulen. Der Lengnauer Schulleiter Beat Widmer stärkt seiner Lehrerin den Rücken.

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Hilferuf sorgt für einigen Wirbel

Hilferuf sorgt für einigen Wirbel

Michael Hunziker

In einem Brief beklagte sich Margrit Matyscak, dass Jugendliche anderen gegenüber keinen Respekt aufbringen. Die 63-jährige Sekundarlehrerin an der Kreisschule Surbtal in Lengnau fragte: «Wie viel Ungezogenheit muss sich eine Lehrperson gefallen lassen?»

Die Reaktionen blieben nicht aus. Einige Leserbriefschreiber zeigen Verständnis und gratulieren Margrit Matyscak zu ihrem Mut. Andere sind skeptisch, ob der Schritt an die Öffentlichkeit sinnvoll war. Ein ehemaliger Schüler bezeichnet die Lehrerin gar als verwirrt und nicht fähig, guten Unterricht zu erteilen. Er habe sich oft die Frage gestellt: «Muss sie mich betreuen oder ich sie?»

«Schulleiter hat offenes Ohr»

Wurde Margrit Matyscak von der Schulleitung zu wenig unterstützt? Die Lehrerin verneint. «An der Schule Lengnau arbeiten wir im Kollegium sehr, sehr eng zusammen. Der Schulleiter hat immer ein offenes Ohr.» Der Schulleiter übrigens, so fährt die Lehrerin fort, habe sie aus dem einfachen Grund vom Schritt an die Öffentlichkeit abhalten wollen, um sie zu schützen. «Aber ich wollte mich gar nicht schützen lassen.»

Margrit Matyscak und Schulleiter Beat Widmer betonen, dass es sich bei den im Brief beschriebenen Schülern um eine kleine Minderheit handle. Offensichtlich, so meint der Schulleiter mit einem Blick auf bekannte Fälle, komme es auch andernorts zu ähnlichen Schwierigkeiten. In Lengnau heisse das Motto «Ganz genau hinschauen statt wegsehen». «Wir möchten die Schüler möglichst gut ausbilden und stark für die Zukunft machen», sagt Widmer. Regelmässig würden deshalb die verschiedenen Probleme der Gesellschaft thematisiert, ob Mobbing, Gewalt, Vandalismus oder Sucht.

Ohne Schuldzuweisungen

Wichtig ist dem Schulleiter die Einheit zwischen Schule, Schülern und Eltern. «Wir wollen nicht einen Schuldigen suchen. Vielmehr wollen wir uns der Diskussion stellen, ohne Vorwürfe zu machen. Wir schaffen unseren Auftrag nur, wenn wir gemeinsam – Schüler, Schule und Elternhaus – an einem Strick ziehen. Wir müssen alle im Boot haben.» Widmer spricht von einem steinigen, aber guten Weg. «Wir nehmen unseren Auftrag ernst. Wir setzen alles daran, die Situation zu bereinigen.»

Würde Margrit Matyscak – nach dem ersten Wirbel um ihren Brief – noch einmal gleich handeln? «Ja», antwortet die Lehrerin bestimmt und ohne zu zögern. Sie habe ihre Ideale, für die sie einstehe. «Jetzt bin ich wieder ich.»

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