Projekttag zum Thema Flucht und Asyl

In der Mittagspause sorgen Pfarrerin Susanne Wey, Mitte, und Pfarrer Andreas Fritz, rechts, gemeinsam um das leibliche Wohl ihrer Konfirmanden. (Bild Martin Platter)

Konfirmanden

In der Mittagspause sorgen Pfarrerin Susanne Wey, Mitte, und Pfarrer Andreas Fritz, rechts, gemeinsam um das leibliche Wohl ihrer Konfirmanden. (Bild Martin Platter)

Mitarbeiter der Schweizer Flüchtlingshilfe und persönlich Betroffene haben am Samstag Mettmenstetter und Maschwander Konfirmanden gezeigt, was es heisst auf der Flucht zu sein und in der Fremde nach Asyl zu suchen.

Von Martin Platter

Das kalte Winterwetter am Samstag hat das Seine dazu beigetragen, dass die Übungsanlage für die zwei Dutzend Konfirmanden in Mettmenstetten noch realitätsnaher wirkte. Fröstelnd standen sie in Gruppen draussen um das Pfarrhaus, ehe sie von vermummten Leuten in die Flucht geschlagen wurden. Supponiert brachten sie Schlepper in ein anderes Land, wo bei klirrender Kälte die verschiedenen Etappen einer Flucht durchgespielt wurden.

Situationen, wie sie jeden Tag irgendwo auf der Welt real passieren. Etwa 42 Millionen Menschen - die Mehrheit davon sogenannte «Binnenflüchtlinge» im eigenen Land - befinden sich auf dem Globus permanent auf der Flucht. Sei es vor korrupten Regierungen, feindlichen Volksgruppen, kriegerischen Auseinandersetzungen, wegen Unwettern, Dürre, Hunger oder aus wirtschaftlichen Gründen. Die Bilder erreichen uns täglich über die Medien. «Das stumpft ab», sagt Pfarrerin Susanne Wey. «Um die Jugendlichen für die Thematik besser zu sensibilisieren, haben wir beschlossen, diesen Workshop zusammen mit der Schweizer Flüchtlingshilfe zu gestalten», ergänzt Pfarrer Andreas Fritz.

Erfahrungen aus erster Hand

Aus berufenem Munde erfuhren die Jugendlichen von den Missständen, die die Menschen aus ihrer gewohnten Umgebung vertrieben haben. Sie konnten erleben, was es heisst, von Peinigern in die Flucht geschlagen zu werden und auf den Goodwill von Militär, Institutionen oder eines Drittstaates angewiesen zu sein. Auch das Schweizer Asylverfahren war ein Thema des Projekttages, ebenso, wie persönliche Berichte von anerkannten Flüchtlingen, die von ihren Erlebnissen und dem neuen Leben in der Schweiz erzählten. «Die eigene Erfahrung der Jugendlichen und der persönliche Kontakt lässt sie die schwierige Situation dieser Menschen besser verstehen und nachvollziehen», ist Wey überzeugt. Das fördere die Toleranz.

«Neue Medien wie Handy und Internet erschliessen zwar weitere Informationsquellen.» Diese brächten aber keineswegs mehr Klarheit. Die Fülle von unterschiedlichsten Informationen führe eher zu mehr Verwirrung und tendenziell unkritischerer Haltung, musste Wey feststellen. «Wir halten den Unterricht deshalb lebensnah und stellen klare Anforderungen. Die christliche Botschaft predigen wir nicht, sondern versuchen sie vorzuleben», erklärt Fritz. «Wir möchten den Jugendlichen zeigen, wie ein Leben in Einklang mit Gott erfüllter sein kann», so Wey.

Talente fördern

Am besten geht das beim gemeinsamen Lernen, Spielen, Essen, Diskutieren oder auf einer Wanderung wie letzten Herbst in der Surselva. «In drei Tagen liefen wir von Campo Blenio zur Scaletta-Hütte über die Greina-Ebene zur Morterascio-Hütte und von da wieder ins Tal. Alle mussten ihre Kleider und ihren Proviant selber tragen», erinnert sich Wey.

Zur Belohnung gab es 20 Franken - allerdings mit der Auflage, das Geld im Sinne des Matthäus-Evangeliums (25, 14-30) möglichst sinnvoll zu verwenden. An dieser Stelle im Neuen Testament wurde die Bezeichnung der alten Währung «Talent» erstmals im (heutigen) Sinne von «Begabung» angewandt: Ein wohlhabender Mann begab sich auf Reisen und verteilte sein Vermögen auf seine drei Bediensteten. Er wollte sehen, was sie aus ihren «Talenten» machten. Zwei seiner Diener arbeiteten mit dem Geld und verdoppelten den Betrag. Einer jedoch grub es in der Erde ein und vermehrte den Wert nicht, aus Angst, er könnte etwas falsch machen. «Dieses Gleichnis zeigt beispielhaft, dass es sich lohnt an sich zu glauben. Diese Botschaft wollen wir auch den Jugendlichen vermitteln, ihren Gemeinschaftssinn fördern und sie ermuntern, auf sich und Gott zu vertrauen», erklärt Wey den tieferen Sinn des Konf-Unterrichts.

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