BV Kompogas

Projekt mit Vorbildcharakter

Synergie: Die ARA Falkenstein (vorne) und die neu erstellte Kompogasanlage (hinten) sind nicht nur Nachbarn, sondern auch miteinander verbunden und erzeugen gemeinsam Energie.

Kompogas

Synergie: Die ARA Falkenstein (vorne) und die neu erstellte Kompogasanlage (hinten) sind nicht nur Nachbarn, sondern auch miteinander verbunden und erzeugen gemeinsam Energie.

Als ein Produkt vorbildlicher Zusammenarbeit wird die Vergärungsanlage in Oensingen bezeichnet. Sie kann Strom für 1000 Haushalte produzieren. Am kommenden Samstag steht die Anlage zur Besichtigung offen.

Alois Winiger

Längere Zeit war nicht sicher, ob die Anlage, so wie sie jetzt in Betrieb genommen worden ist, überhaupt zustande kommt. Zwar fand die Idee, Grüngut zu verarbeiten und dabei Energie zu gewinnen überall Anklang. Doch dann regte sich Widerstand, nachdem bekannt geworden war, dass auch Panseninhalte (aus den Vormägen von Wiederkäuern) angenommen würden. Eklige Geruchsimmissionen wurden befürchtet. Die Initianten der Anlage gingen daher über die Bücher und holten einen Profi in Sachen Vergärungsanlagen ins Boot, die Kompogas AG, die in der Schweiz bereits 18 Anlagen betreibt. Sie versprach, die Geruchsimmissionen mit einer speziellen Annahmekammer und aufwändigen Filteranlage zu unterbinden. Von da an ging es schnell: Im Mai vergangenen Jahres erfolgte der Spatenstich, jetzt ist die Anlage in Betrieb.

Partner war zuerst skeptisch

Harald Lüling, Verwaltungsratspräsident der BV Kompostieranlage Oensingen AG (BVO) und CEO Kompogas AG, betont, es sei bei Weitem nicht selbstverständlich, dass sich eine Abwasserreinigungsanlage und eine Kompostieranlage für ein Projekt zusammentun. «Dieses hier in Oensingen hat also Vorbildcharakter.»

Die BVO verarbeitet seit 1995 Grüngut zu Kompost. Mit der Zeit reifte die Idee, eine Vergärungsanlage zu bauen und das daraus gewonnene Biogas einem Blockheizkraftwerk zuzuführen. Man schlug der benachbarten ARA Falkenstein vor, das dort entstehende Klärgas ebenfalls zuzuführen. «Im Zweckverband der ARA war man zuerst skeptisch, schliesslich gibt man einen Teil der Selbstständigkeit auf», sagt dessen Präsident Urs Flück. Doch die Professionalität des Vorhabens - und letztlich auch die Vernunft - überzeugten die Leute schliesslich und man sagte zu. Das gemeinsam gespiesene Blockheizkraftwerk kann so Strom für mehr als 1000 Haushalte produzieren, gleichzeitig versorgt es die ARA aber auch mit Strom und Wärme.

Weitere Lieferverträge erhofft

Die BV Kompostieranlage erzeugt im Weiteren Dünger aus Gärgut in fester und flüssiger Form. Das Grüngut wird bereits, respektive demnächst, angeliefert aus Balsthal, Egerkingen, Härkingen, Kestenholz, Mümliswil, Niederbipp, Niederbuchsiten, Oberbipp, Oberbuchsiten, Oensingen, Olten, Wolfisberg und Wolfwil. Der Liefervertrag für Panseninhalte aus der Oensinger Grossschlachterei Bell werde dieser Tage unterzeichnet, erklärt BV-Geschäftsführer Urs Bobst. «Die Kapazität der Anlage von 16 000 Tonnen ist damit aber noch nicht erreicht. Aber wir dürfen damit rechnen, dass weitere Verträge abgeschlossen werden können.»

Am kommenden Samstag, 20. Juni, von 9 bis 16 Uhr, kann die Bevölkerung auf einem Rundgang mitverfolgen, wie aus vergärendem Material Energie oder Dünger entsteht. Eindrücklich ist der Biofilter: ein 20 mal 6 Meter grosses Becken, gefüllt mit rund 1000 Kubikmeter Wurzelholz. Trotzdem liegt es in der Natur der Sache, dass sich eine geringe Geruchsemission nicht vermeiden lässt.

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