Mit Vollgas und dröhnendem Motor braust in Sisseln ein Boot dem Rheinufer entlang, einen Wasserskifahrer im Schlepp. Wenn der jetzt richtig schräg reinliegt und dann eine riesige Fontäne hinter sich herzieht, erhält die Frau auf dem Liegestuhl im benachbarten Garten eine unfreiwillige Dusche. Diese und ähnliche Szenen spielen sich jeden Sommer in Sisseln mehrfach ab.

Die Anwohner sind machtlos. Sie müssen den Lärm und Gestank der Schiffsmotoren ertragen und zusehen, wie durch den Wellenschlag die Uferböschung abrutscht. «Aber man müsste wieder einmal etwas unternehmen, denn das Problem hat sich in den letzten Jahren verschärft», ist der ehemalige Gemeindeammann Wilfried Käser, dessen Haus ebenfalls in Rheinufernähe steht, überzeugt.

Wasserskistrecke ist zu lang
Das lärmige Freizeitvergnügen der Hobbykapitäne erhitzt die Gemüter schon seit Jahr und Tag und bewog den Gemeinderat Sisseln bereits anno 1984 beim Kanton vorstellig zu werden. Der Vorschlag lautete: Verkürzung der Wasserskistrecke zwischen Murg (Rheinkilometer 126) und Obersäckingen (128,5) um 1,4 Kilometer, sodass die obere Grenze noch vor dem Dorf läge und das Wohngebiet besser gegen den Motorenlärm geschützt wäre.

Doch in Bad Säckingen regte sich Widerstand. Auf den verbleibenden 1100 Metern, auf denen Wasserskifahren dann noch erlaubt wäre, würden sich zu viele Schiffe auf kleinem Raum bewegen, wodurch die Lärmbelastung zu gross wäre, hiess es bei der Stadtverwaltung. Und der örtliche Wasserskiklub befürchtete eine Einengung des Wassersportbetriebs und daher ein erhöhtes Sicherheitsrisiko. Es kursierte das Gerücht, es habe auf das Schreiben des Gemeinderats Sisseln nur deshalb nie eine Reaktion gegeben, weil der Sohn des damaligen Bad Säckinger Bürgermeisters ein aktiver Wasserskifahrer war.

Problem trinational traktandiert
«Wie dem auch sei - angekommen ist der gemeinderätliche Brief vor 25 Jahren in Aarau. Sonst hätte ich nicht in meiner Zeit als Gemeindeammann von einem Aargauer Grossrat eine Reaktion erhalten. Von ihm war nämlich zu erfahren, dass bei den Sitzungen einer trinationalen Kommission, welcher besagter Parlamentarier angehörte, das Motorboot- und Wasserskiproblem von Sisseln in Sitzungen einige Male traktandiert wurde, aber doch nie zur Sprache kam», schildert Käser der AZ. Er erinnert sich an eine Zählung der Motorbootfrequenzen, wonach der Kanton eine Lärmmessung veranlasste, die allerdings nichts brachte. Denn: «Die Messung wurde an einem regnerischen Sonntagmorgen durchgeführt, wo weit und breit kein Boot zu sehen war.»