presseposse

Pressekampf im Surental

Zwei auf engstem Raum: In Triengen gibts bis auf weiteres zwei Zeitungen. wpo

Triengen

Zwei auf engstem Raum: In Triengen gibts bis auf weiteres zwei Zeitungen. wpo

Eigenartiges spielt sich derzeit in der Luzerner Nachbarschaft ab. In Triengen, ein Dorf mit rund 4500 Einwohnern, buhlen gleich zwei Zeitungen um die Gunst der Leser.

Peter Weingartner

Eigenartiges spielt sich zurzeit in der Luzerner Nachbarschaft ab. Triengen, ein Dorf mit (dank Fusionen) rund 4500 Einwohnern, wird umworben von zwei Wochenzeitungen, die beide den Dorfnamen im Titel tragen: «Trienger Anzeiger» und «Trienger Woche». Dabei war das vor einem Jahr noch anders: Der «Trienger Anzeiger», ein 110 Jahre altes Familienunternehmen, war, obwohl ohne eine eigentliche Redaktion, das Publikationsorgan im Dorf. Über Jahrzehnte als Monopolist, was die amtlichen Inserate betrifft.

Dabei hatte die «Surseer Woche», eine Wochenzeitung aus dem Hauptort des Amtes, schon länger die Fühler ausgestreckt für eine Übernahme, durchaus freundlich, und auch der Gemeinderat hätte da gerne mitgemacht, denn die «Surseer Woche» ist eine Zeitung mit zwei satten Bünden, deckt die Region Sempachersee bis Kantonsgrenze ab - und manchmal, z. B. im Interview mit Susanne Hochuli, die in Sursee geboren wurde, darüber hinaus.

Verkauf an «Zofinger Tagblatt»

Im Frühjahr wurde plötzlich publik, dass der Trienger Verleger seine Zeitung nicht dem nahe liegenden Aspiranten, eben der «Surseer Woche» verkauft hat, sondern dem «Zofinger Tagblatt». Seither erscheint der «Trienger Anzeiger» wöchentlich weiter, zuweilen angereichert mit Stoffen aus dem Luzerner Wiggertal, wo der «Oberwiggertaler», ebenfalls ein Zofinger Kind, erscheint. Und die neckischen Kleininserate sind die gleichen, wie sie in anderen Wochenzeitungen aus dem gleichen Haus erscheinen: aus Zofingen, Olten, Strengelbach, sogar Roggwil. Der Verkäufer jener Inserate verkauft sie zu geringem Aufpreis auch noch ins Luzernbiet.

Begehrte Trienger Leser

Der Gemeinderat hat im April mit der «Surseer Woche» die «Trienger Woche», ein Kopfblatt der «Surseer Woche», initiiert und diese neue Zeitung zur exklusiven Informationsplattform der Gemeinde Triengen gemacht. Zumal, wie der Gemeindepräsident sagt, der Gemeinderat erst später über den Verkauf informiert worden sei und die Zukunft der Zeitung ungewiss gewesen sei. An der Gemeindeversammlung am Montag kam nun die Sache aufs Tapet, und der «Trienger Anzeiger» hatte in seinem letzten Editorial mit der Frage «Möchten Sie ein gemeinderätliches Monopolblatt» die Diskussion angeheizt.

Der Gemeinderat solle nicht Strukturpolitik betreiben, wurde moniert, er solle neutral sein. Es geht auch um Inserate-Einnahmen durch öffentliche Mitteilungen. Mindestens bis Ende 2010 gilt aber der Vertrag mit dem Surseer Verlag. Und solange gibt es wohl auf engstem Raum zwei Zeitungen, die mit dem Namen «Triengen» im Kopf um Abonnenten buhlen.

Meistgesehen

Artboard 1