Solothurn
Premiere beim Soldatendenkmal

«Krise – das heisst zuerst einmal: Es stehen wichtige Entscheide an.» Mit ihrer Ansprache trug National- und Gemeinderätin Brigit Wyss das ihre zu einer gelungenen, farbenprächtigen und unterhaltsamen 1.-August-Feier bei.

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Olten

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Solothurner Zeitung

Mark A. Herzig

Es war eine symbolträchtige Feier: Soldatendenkmal, exakte Trommelschläge von Mitgliedern des Tambourenvereins, die Brass-Band Solothurn in Hochform, eine gelungene Rede, die Nationalhymne und zum Abschluss ein prächtiges Feuerwerk.

Es war fast wie früher also - nur mit weniger Publikum. Neu war allerdings, dass mit der Gemeinde- und Nationalrätin Brigit Wyss erstmals eine Vertreterin der Grünen die Festansprache zum 1. August hielt. Krise sei zum allgemeinen Ausdruck für eine bedrohliche Situation geworden, sagte die Rednerin einleitend und erwähnte dann einige der am häufigsten genannten: Finanz-, Wirtschafts-, Klimakrise und noch so einige mehr.

Nur zu warten, dass es irgendwann einmal schon wieder besser gehe, bringe nichts, sagte Wyss. «Ein Teil der Krise ist auch hausgemacht. Da müssen alle mithelfen, Lösungswege zu finden und möglichst wenig Verlierer zu hinterlassen.»

Umdenken tut Not

«Möglichst wenig Verlierer gibt es aber nur, wenn wir jetzt anfangen umzudenken. Persönliche Krisen zwingen einen, sich wieder vermehrt auf die eigenen Fähigkeiten und Stärken zu besinnen.» Wyss verwies auf die Vorteile der Schweiz, da man in unseren föderalistischen, kleinräumigen Strukturen - die Kantone und Gemeinden - schnell, direkt und solidarisch auf schwierige, lokale Situation reagieren können. «Auch in einer globalisierten Welt geht es immer noch um das Wohl der Menschen in ihrer jeweiligen unmittelbaren Umgebung.»

Damit wollte Brigit Wyss aber keineswegs für die «Insel Schweiz» plädieren: «Die globalen Krisen können nur durch eine intensive Zusammenarbeit und Kooperation auf nationaler und internationaler Ebene überwunden werden. Das gilt vorab auch für Energie- und Klimakrise. Wir können nur gewinnen, wenn wir alle gemeinsam am gleichen Strick ziehen.»

Was lange währt, wird besser

Doch müsse zum Beispiel (Anleihe bei Gotthelf) das Energiesparen zu Hause beginnen. «Funktionierende regionale Strukturen sind eine Bedingung dafür, dass innovative Ideen umgesetzt werden können.» Als Vorteil sah die Rednerin auch unser föderalistisches System, das es allen Menschen ermögliche, direkt an wichtigen und wegweisenden Entscheidungen teilzu- haben. Deswegen bräuchten wir zwar oft etwas mehr Zeit als andere: «Der endlich gefundene Kompromiss jedoch wird grossmehrheitlich mitgetragen.»

An Zusammenarbeit gewöhnt

Dass heute ehemals «rein grüne» Anliegen wie der Schutz der Umwelt, die Klima- oder die Energiekrise mittlerweile in jedem Parteiprogramm stehen, erfülle sie nicht à priori mit Genugtuung, meinte Wyss. Es zeige aber, dass sie nicht nur aus Zufall die Ansprache halten durfte.

Ein Patentrezept gegen die Krise konnte natürlich auch Brigit Wyss nicht nennen. Sie betonte aber: «Dank unseren Strukturen und unserem politischen System sind wir es uns in der Schweiz seit Jahrzehnten gewohnt, zusammenzuarbeiten - auch wenn das nicht immer leicht ist. Das ist eine Stärke und wird uns jetzt helfen, auch den globalen Krisen etwas entgegenhalten zu können.»