Prävention in Kinderschuhen

Mit «Zoffstopp» gibt es endlich eine Präventionsstelle gegen Gewalt auf unseren Fussballplätzen. Was die vom Kanton Basel-Stadt finanzierte Stelle leisten kann, ist unklar.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Die zahlreichen Vertreter der regionalen Fussballvereine kamen mit grosser Hoffnung in die Grün 80 nach Münchenstein. Denn viele von ihnen wissen nicht, was sie mit der neuen Stelle «Zoffstopp» anfangen sollen. Doch es war nicht «Zoffstopp»-Leiterin Bianca Jasmund, die zu den Vereinsvertretern sprach. Es waren grösstenteils die Fachstellen, die mit «Zoffstopp» zusammenarbeiten, die sich vorstellten. Ziel von «Zoffstopp» sei es, als Koordinationsstelle zwischen den Vereinen und den Fachbehörden zu agieren, sagte Peter Howald, Vorsteher des Sportamts Basel-Stadt.

Wohin mit dem Nachwuchs?

«Der Breitenfussball hat weit mehr als nur mit dem reinen Sport zu tun», sagt Luca Balduzzi, Chef Breitenfussball beim Schweizerischen Fussballverband. Er hat am Samstag an der «Zoffstopp»-Tagung ein Plädoyer für die wachsende Bedeutung des Fussballs in der Schweiz gehalten. Die Anzahl junger lizenzierter Spieler in der Schweiz sei überragend und in den letzten Jahren weiter angestiegen. «Es gibt zwar etliche, die im Juniorenalter den Fussball verlassen, aber trotzdem bleibt dieser Sport eine Betätigung für Jung und Alt.» Ketzerisch stellt er die Frage, ob es nicht besser sei, wenn die Senioren den aktiven Fussball verlassen und die Plätze dem zahlreichen Nachwuchs überlassen. Denn der Raum für den Fussball ist beschränkt. In Gebieten wie dem Kleinbasel ist es für Vereine schwer, genügend Platz zu finden.
Balduzzi rät den Vereinsvertretern, möglichst alle Clubmitglieder, mitsamt den spielenden Kindern, zu lizenzieren und dem Verband zu melden. «Nur so haben wir in den politischen Diskussionen mit den Gemeinden genügend Gewicht.» Geht es um Kunstrasenfelder oder sonstige Anlagen, müssen sie ihre Bedeutung in der Gesellschaft statistisch darlegen können. «Wir sind heute so weit, dass wir Kinder aus Platzmangel nicht mehr in die Vereine aufnehmen können.» Dieser Zustand sei katastrophal und gelte es schnellstmöglich zu beheben. Fussball ist Breitensport. «Denn über 98 Prozent aller Fussballer sind Breitensportler. Nützen wir das», sagt Balduzzi. (tgf)

Die starke Vernetzung könnte zur grossen Stärke von «Zoffstopp» werden. Zu den Stellen gehören unter anderem Präventionsbereiche der Polizei und die regionale Jugendberatung. Sie berichteten am Samstag über ihre Arbeit. Die Vertreter der Behörden verpassten es aber, detailliert ihre Position in der Präventionsarbeit von «Zoffstopp» darzustellen.

Proaktiv auf Vereine zugehen

Diese Ungewissheit macht es Bianca Jasmund schwer, ihre Arbeit schnell und effizient zu beginnen. Zu Vieles ist noch unklar. Bei den Vereinen und Jasmund selbst. «Ich werde als Erstes proaktiv auf die Vereine zugehen und mit ihnen intensiven Kontakt suchen. Auch werde ich Wochenende für Wochenende auf den Fussballplätzen der Region unterwegs sein - wie ich es schon vor «Zoffstopp» getan habe.»
Die Kennenlernphase wird laut Jasmund zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen. Es gilt, die Vereine auf die neu geschaffene Präventionsstelle aufmerksam zu machen. Es soll künftig nicht mehr vorkommen, dass nach Ausschreitungen wie am vorletzten Wochenende auf zwei Fussballplätzen der Region rückblickend erkannt wird, dass Potenzial für solche Ausraster vorhanden war. «Prävention heisst, vorauszuschauen und Gefahrenpotenzial zu erkennen und dieses zu mildern», sagt Jasmund.

Analyse nach einem Jahr

Noch ist unklar, ob die «Zoffstopp»-Leiterin diese zwei bis drei Jahre Zeit auch wirklich bekommt. Denn nach einem Jahr wird abgerechnet. «Dann werden wir zusammensitzen und das Bisherige analysieren», erklärt Peter Howald. «Kommen wir zum Schluss, dass der Start von «Zoffstopp» verheissungsvoll war, wird es weitergeführt.» Das letzte Wort hat der Kanton, denn er finanziert schliesslich die 50 Stellenprozent von Bianca Jasmund.

Wie die langfristige Zukunft von «Zoffstopp» aussieht, weiss selbst Howald nicht. Möglich, dass der Fussballverband die Wichtigkeit dieser Stelle erkennt und selbst das Projekt übernimmt oder mit einem finanziellen Zustupf einsteigt. Ob es dann bei den 50 Stellenprozenten für Jasmund bleibt, steht noch in den Sternen. Ihre Person ist aber momentan das Gewichtigste, was «Zoffstopp» in die Waagschale werfen kann. Von allen Seiten wird sie mit Lobeshymnen überflutet. Die Erwartungshaltung ist entsprechend gross.

Ob sie ihrem Ruf gerecht wird, liegt auch in den Händen der Vereine. Sie müssen die Möglichkeit annehmen, die Jasmund ihnen bietet. Doch noch sind sie unsicher. Zu wenig wurden sie bisher informiert. Auch am Samstag blieb dies aus. Es scheint, als ob es den Verantwortlichen wichtiger ist, alle angeschlossene Fachstellen detailliert vorzustellen, um den kantonalen Einsatz zur Gewaltprävention zu untermauern. Noch steckt «Zoffstopp» in den Kinderschuhen. Für Jasmund gilt es, schnellstmöglich auf die Vereine zuzugehen und deren Vertrauen zu gewinnen.

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