Witwe
Polizisten vor Gericht: Jetzt rechnet die Witwe ab

Auch neun Tage nach Freispruch ist die Witwe des am lagebedingten Erstickungstod gestorbenen 41jährigen Schweizers «extrem sauer». Erstmals äussert sie sich in der Öffentlichkeit. Die Ehefrau des verstorbenen A. zu a-z.ch: «Das war ein abgekartetes Spiel!»

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Zwei Polizisten brachten Mann in Bauchlage (gestellt von SF DRS)

Zwei Polizisten brachten Mann in Bauchlage (gestellt von SF DRS)

Claudia Landolt

Frau A., Sie haben sich mit einem Brief an unsere Redaktion gewandt. Darin schreiben Sie, eine unabhängige Beurteilung des Falles sei verunmöglicht worden. Warum?

A.: «Es gibt meines Erachtens drei Punkte. Erstens wurden die beiden Regionalpolizisten von ihrem Vorgesetzten abgeholt. Bis die beiden Polizisten unabhängig voneinander befragt wurden, vergingen Stunden. Sie hätten also genug Zeit gehabt, sich abzusprechen.»

Zweitens?

A.: «Als Untersuchungsrichter wurde ein Mann bestimmt, der bis 2002 selbst Kantonspolizist auf dem Rohrdorferberg war. Auch die angeklagten Polizisten sind der Region Rohrdorferberg-Reusstal zugeteilt. Meiner Meinung nach damit nicht von einer unabhängigen Untersuchung ausgegangen werden. Drittens war auch die Staatsanwältin selbst Polizistin. Auch bei ihr muss von Befangenheit ausgegangen werden.»

Besonders von der Staatsanwältin zeigen Sie sich enttäuscht.

A.: «Sie hielt eine flammende Rede zu Gunsten der Polizei, statt sich wie üblich die Klägerin zu vertreten. Der Gipfel war das Schlussplädoyer der Verteidigung. Der Verteidiger vertrat doch tatsächlich die Meinung, nicht die armen Polizisten müssten bestraft werden, sondern die Mutter meines verstorbenen Mannes, weil sie ihre Sorgfaltspflicht verletzt habe.»

Ihr Mann, so wurde es dargestellt, sei total ausgerastet. Wie beurteilen Sie das?

A.: «Er hatte sicherlich einen psychotischen Schub. Aber er schloss trotz seiner Krankheit das Architekturstudium ab, machte ein Nachdiplomstudium in Betriebswirtschaftslehre und war für eine Schweizer Grossbank Liegenschaftenbewerter, ausserdem aktiv in der FDP. Er gab sich alle Mühe, nicht als Invalider abgestempelt zu sehen. Zu Beginn konnten die Polizisten ja mit ihm sprechen. Auch der Krankenwagen wurde bereits mehrmals gerufen und war unterwegs. Sie hätten ihn also gar nicht so lange festhalten müssen.»

Wie geht es der Mutter Ihres verstorbenen Mannes' immerhin war sie ja Zeugin jener Auseinandersetzung.

A.: «Sie ist natürlich traumatisiert, es geht ihr sehr schlecht, und sie muss psychologische Hilfe in Anspruch nehmen.«

Ihre Hauptkritik richtet sich gegen die Justiz. Sie sagen, eine objektive und neutrale Aufarbeitung des Falles sei nicht angestrebt worden.

A.: « Ich war immer der Meinung, die Schweiz habe ein funktionierendes und gerechtes Justizsystem. Leider wurde ich eines Besseren belehrt. Ich kann nicht verstehen, wie ein Rechtsstaat eine unabhängige Aufarbeitung einen solchen Falles zu verhindern versucht.

Wollen Sie gegen das Urteil Rekurs einlegen?

A.: «Wir prüfen eventuell eine Aufsichtsbeschwerde. Zuerst warten wir aber die schriftliche Urteilsbegründung ab.»

Sie hatten keinen Freispruch erwartet?

A.: «Doch, ich habe mich darauf eingestellt. Schockiert hat mich nur die Art, wie versucht wurde, gewisse Sachen unter dem Deckel zu halten. Unter Polizisten hält man halt zusammen.»

Haben die betroffenen Polizisten eigentlich jemals Ihnen ihr Beileid ausgedrückt?

A. : «Nein, niemand. Sie haben offensichtlich nichts gelernt.»